Kleine Probleme

by Artemis

Prolog

In einem Polizeirevier in San Francisco sah Sonny seinen Partner Frank stirnrunzelnd an. Der Blutsverwandte konnte nicht verstehen, was so interessant an einer Dorfzeitung... Korrektur Regionalzeitung war. Jetzt war Frank schon zwei Stunden darin am Lesen! Sollte der Mensch etwa krank sein? Wenn das so weiterging, wĂĽrde er Julian um Rat fragen...

„Was starrst Du mich so an?“

„Was starrst Du die Zeitung so an?“

„Lies das!“

„Hm?“ Sonny schaute seinen Kollegen mit offensichtlicher Sorge an.

„Lies das, Sonny. Bitte?“

„Okay“, ächzte der Untote. „Zwischen letzter Nacht und heute Morgen wurden wieder 17 Tote in Sunnydale gefunden. Die Polizei verweigert bisher eine Pressekonferenz. Es ist jedoch davon auszugehen, daĂź auch diese bedauernswerten Menschen Selbstmord begangen haben oder bei Unfällen zu Tode kamen. Blabla, blabla, blabla... Was hat das mit dem Wolf zu tun, den eine alte Dame letzte Nacht gesehen hat?“

„Ich meinte den darunter Bericht. Die Tabellen mit Todesraten und statistischer Lebenserwartung in den USA. Bei beiden ist Sunnydale auf dem ersten Platz. Als mir vor einer Woche aus Versehen der Mann beim Zeitungskiosk die Sunnydaler Zeitung gab, hab ich mich ĂĽber drei Seiten Todesanzeigen gewundert. Ich hab sie dann noch vier Mal gekauft und das ist normal da. Dann habe ich recherchiert. Seit Sunnydale gegrĂĽndet wurde, ist es Spitzenreiter bei den Todesfällen...“

Sonny legte nachdenklich die Stirn in Falten. „Na ja, mein Sire erzählte mir mal etwas ĂĽber Legenden von der Hauptstadt der Vampire. Aber das sind Ammenmärchen die man kleinen Kindern erzählt, damit sie aufessen...“

„Die vielen Toten sind keine Märchen, Sonny! Ich hab ein paar Beziehungen spielen lassen und mir einfach nach dem Zufallsprinzip Obduktions- und Polizeiberichte kommen lassen. Von 20 waren 19 blutleer und waren auf Picknickgabeln gefallen! Und 13 Familien gaben an, daĂź sie gar keine Picknickgabeln haben. AuĂźerdem laufen die nicht auf der StraĂźe rum und verursachen Prellungen!“

„Ach, komm schon, Frank. Die haben sicher nur zu heftig mit Freund oder Freundin geknutscht.“

„Mir ist egal, was Du denkst.“ Frank stand entschlossen auf, um in das BĂĽro seines Vorgesetzten zu gehen und sich die Versetzungsunterlagen abzuholen. „Du kannst mitkommen oder weiter Leuten die Erinnerungen an Fledermäuse aus dem Gehirn ziehen, ich sehe mir das in Sunnydale an!“

Wütend funkelte Sonny den Rücken seines Freundes an. Er wußte, daß er Frank das nicht ausreden konnte und wenn er ihn dominierte, würde es auch nicht helfen - in spätestens einer Woche hatte Frank die Idee aufs Neue...


Kapitel 1

Frans Wagen fuhr gerade vorbei am Willkommens-Schild, als Sonny einen letzten Versuch startete, ihre kleine Jagd auf Dracula in Sunnydale doch noch abzublasen. „Nur noch mal fĂĽr die Akten: Ich halte das fĂĽr eine bescheuerte, lebensmĂĽde und schwachsinnige Idee! Hast Du ĂĽberhaupt eine Ahnung, was Julian mit uns macht, wenn er das herausfindet?!“, beschwerte sich Sonny.

„Er wird es nicht herausfinden! Du hast ihm doch erzählt, daĂź wir auf Abenteuerreise nach Sibirien gehen und da keine Handys funktionieren. Also, wie soll er das herausfinden?“

„Vielleicht, wenn er unseren Boss anruft?“

„Dem haben wir doch auch die Geschichte von der Abenteuerreise erzählt. Eigentlich dachte ich, daĂź eine Versetzung besser wäre, aber Dein „liebenswĂĽrdiger“ Sire hat mir ja schon beinahe den Kopf abgerissen, als ich nur danach fragte...“

„Ich vermute mal, daĂź es so eine Art rotes Tuch fĂĽr alle Blutsverwandten ist. Wenn ich jemand gefragt hab, haben sie auch aggressiv reagiert. Sogar Lillie wollte kein Wort rausrĂĽcken...“

„Na ja, ĂĽberleg mal, wenn dort wirklich Menschen massenweise von Deiner Art getötet werden, dann muĂź es anständigen Fledermäusen wie Julian sehr unangenehm sein. Hab ich gerade tatsächlich gesagt, daĂź er ein anständiger Blutsauger ist? Okay, ich glaube, dieser Höllenschlund beeinträchtigt schon mein Gehirn...“

„Das hat er schon, als Du auf die Idee kamst, diese angeblichen Morde zu untersuchen.“

„Ja, Sonny, jetzt laĂź es doch mal gut sein. Ich weiĂź, daĂź Du nicht mit willst, das hast Du mir von San Francisco bis hier mindestens 100 Mal gesagt. Ich verstehe nur nicht, warum Du mit bist.“

„Ich kann Dich doch nicht alleine hierhin lassen! Wenn Deine Theorie wahr sein sollte - was ich immer noch schwer bezweifle - dann wirst Du hier alleine keine einzige Nacht ĂĽberleben.“ Etwas verlegen gestand Sonny, „und ich möchte auch gerne wissen, was hier vor sich geht.“

„Ha! Hab ich Dich!“

„Am besten, wir suchen ein Hotel, damit wir vor Sonnenuntergang drinnen sind. Die Morde waren nur in der Nacht. Vielleicht finden wir auch einen Laden, der okkulte Literatur fĂĽhrt. Ich wĂĽrde gerne wissen, wie wir diese Kreaturen umbringen kann, wenn sie uns angreifen. Es gab auch sehr viele Fälle von Wahnsinn von Mitte letztes Jahr bis Mitte dieses. Die Psychiatrie ist voll! Daneben verwĂĽstete Gräber, viele Ăśbergriffe auf Leute nah Friedhöfen. Ich werde mir nachher einen ansehen.“

Frank konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er hatte gewuĂźt, daĂź er auf Sonny zählen konnte... „Sunnydale Inn, hm, hört sich gut an!“


Den zwei Polizisten kam zum ersten Mal die Idee, daĂź etwas an diesem Hotel-Restaurant nicht stimmte, wenn sie angehalten wurden. Zwischen der AuĂźentĂĽr und einer weiteren standen bewaffnete Männer mit Geräten wie am Flughafen. „Guten Abend, Sicherheitsschleuse. Identifizieren Sie sich.“

Sonny hörte, daĂź eine Wache keinen Herzschlag hatten. Offenbar wuĂźte man hier Bescheid... „Sonny Toussaint. Blutsverwandter, San Francisco. Ich bin Chef des Ventura-Clans. Der Mensch gehört zu mir. Brauchen Sie Pässe?“

„Nein, die sind eh gefälscht. Ich war vorher in San Francisco stationiert, daher kenne ich Sie. Nehme Ihnen das einfach mal ab“, lächelte einer der Männer. „Legen Sie Ihr Gepäck auf das Band, es wird durchleuchtet. Sie selbst gehen langsam durch diesen Bogen. Eine falsche Bewegung und wir schieĂźen. Glauben Sie mir, unsere Waffen sind fĂĽr alle Wesen äuĂźerst ungesund...“

„Sind Sie auch Blutsverwandte?“, fragte Frank interessiert.

„Mein Kollege ist ein Unsterblicher, ich bin Vampir.“

„Ist das nicht das selbe?“, wunderte sich der Mensch.

„Nein, nicht unbedingt. Sind Sie neu hier oder erst seit kĂĽrzlich Sklave?“

„Ă„h... Sklave? Nee, nicht, daĂź ich wĂĽĂźte. Ich hatte immer nur mit Blutsverwandten zu tun. Ăśber andere Sorten von Untoten weiĂź ich nichts.“

„Komm jetzt, Frank, wir können weiter.“

„Auf Wiedersehen!“ Nach zwei weiteren schweren TĂĽren kamen sie in das Foyer des Hotels. Weil Frank immer noch nicht den Schock verdaut hatte, sich ganz locker mit einem Vampir unterhalten zu haben, trottete er einfach Sonny zur Rezeption hinterher. Zwischendurch sah er sich in der dämmerigen Halle um. Alles war edel und sehr schön, aber keine Sonne kam rein.

„Willkommen im Sunnydale Inn, Sir. Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte die junge Rezeptionistin.

„Guten Tag. Wir hätten gerne zwei Einzelzimmer.“

Sie tippte schnell die Anfrage in den Computer ein. „Haben Sie reserviert?“

„Nein.“

„Tut mir leid, Sir. Ich kann Ihnen nur eine Zweier-Suite geben, die vor fĂĽnf Minuten frei wurde. FrĂĽhstĂĽcksbuffet, Balkon, Dusche/Bad/WC, Minibar, TV, Radio, Direktwahltelefon, Fax und Computer sind vorhanden. Es ist möglich, den Raum sowohl mit Kerzen als auch mit Lampen zu beleuchten. Das Licht können Sie regulieren. Ach ja, alles ist sonnensicher, es gibt 24-Stunden-Zimmerservice, wir haben immer warme KĂĽche. Wenn Sie frische Menschen kaufen wollen, mĂĽssen Sie aber woanders hingehen, das verbieten unsere Gesetze. Ă„h... Sie werden jetzt nicht mich essen, oder, Sir?“

„NatĂĽrlich esse ich Sie nicht! Was kostet der SpaĂź?“

„Im Willys gibt’s fĂĽr fĂĽnf Dollar eine Bloody Mary mit Menschenblut. Ein heiĂźes Pint pur kostet hier 10. Wir geben eine Garantie, daĂź unser Menschenblut nicht älter als eine Woche ist.“

Sonny und Frank wechselten einen verwunderten Blick. „Ich meinte eigentlich die Suite.“

„Oh, das tut mir aber leid, Sir, ich hab das falsch verstanden! Die kostet 180 Dollar pro Tag. Oder Nacht. Je nachdem.“

„Ich meine, wir sollten das nehmen. Wenn dieses groĂźe Ding ausgebucht ist, haben wir sonst wo erst recht keine Chancen. Und hier ist alles sicher fĂĽr Dich, Du brauchst Dich nicht ums Essen zu kĂĽmmern, niemand stellt Fragen“, meinte Frank.

„Du hast Recht“, sagte Sonny nachdenklich. „Miss, wir nehmen die Suite.“

„Das freut mich, Sir. Einen Moment bitte, ich muĂź das schnell in den Computer eingeben.“ Sie tippte eine Weile auf der Tastatur herum. „Wie sind Ihre Namen? Ach, fĂĽllen Sie am Besten hier auf den Taschencomputern das Anmeldeformular aus. Das geht schneller. Ich programmiere in der Zeit Ihre Karten. Bitteschön.“


15 Minuten später waren Mensch und Blutsverwandter mit einem Pagen endlich an ihrer Zimmertür angekommen. Sie hatten eine ganze Weile gebraucht, um die Formulare auszufüllen, dann hatten sie sich gleich Karten für eine vampirtaugliche Stadtführung geben lassen - vielleicht erfuhren sie ja etwas vom Fremdenführer.

„Sie mĂĽssen Ihre Karten in das Lesegerät einfĂĽhren“, erklärte ihre Begleitung. Er stellte schnell die Koffer in die Ablage und vergewisserte sich, daĂź die Zimmermädchen alles bereitgemacht hatten. „Möchten Sie, daĂź ich Ihnen alles zeige?“

„Nein, danke, das ist nicht nötig.“

„Okay. Auf dem Tisch sind unsere BegrĂĽĂźung und die Hausregeln. Halten Sie sich besser dran, die Wachen machen keine Späße. Bei allen technischen Geräten liegen Bedienungsanleitungen in zehn Sprachen bei. In dem Regal am Computer sind TelefonbĂĽcher, Prospekte, Stadtpläne. AuĂźerdem sind an den Telefonen kleine Zettel mit den Nummern vom Hotel. Sicherheitsdienst, Restaurant, Rezeption und Page. Alternativ gibt es auf jeder Etage einen Warteraum mit Pagen, er ist ausgeschildert. Ich wĂĽnsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“

„Vielen Dank.“

„Danke.“

Nachdem er dem Jungen ein Trinkgeld gegeben hatte und er verschwand, meinte Frank, „der war nett, nicht? Sonny? Hallo?“

„Die Hausregeln muĂźt Du Dir mal durchlesen!

„Erstens: Das Verspeisen von Gästen und Personal des Sunnydale Inn ist verboten, ebenfalls die Attackierung und Beleidigung gleicher.

Zweitens: Das Mitführen von Waffen innerhalb des Geländes des Sunnydale Inn ist den Gästen nur nach Sondergenehmigung erlaubt. Waffen sind an der Sicherheitsschleuse abzugeben bei Betreten und abzuholen bei Verlassen des Geländes.

Drittens: Das Öffnen der Vorhänge ist außerhalb des eigenen Hotelzimmers nur dem Personal oder auf ausdrücklichen Wunsch des Personals erlaubt.

Viertens: Die Zerstörung von Eigentum des Sunnydale Inn, des Personals oder anderer Gäste ist den Gästen nicht gestattet.

Bei Zuwiderhandlung gegen eine der Hausregeln wird nach den Gesetzen der Union entschieden. Sollten Sie eine solche Zuwiderhandlung beobachten, sind Sie verpflichtet, die Sicherheitskräfte zu informieren.“

„Das mit der Verspeisung der Gäste ist am Besten!“, lachte Frank.

„Frank, ich glaube nicht, daĂź das Witze sein sollen. Die meinen das todernst!“

„Ob hier so viele Blutsverwandte sind?“

„Ich vermute, daĂź es um diese Vampire geht.“

„Gleich ist es dunkel, dann könnten wir rausgehen und einen esoterischen oder okkulten Buchladen finden. Hey, vielleicht ist etwas bei den Prospekten!“ Frank kniete sich sofort auf den Boden vor dem Regal und sah die BroschĂĽren und Visitenkarten durch.

„Ich glaub ich hab was!“, rief Sonny nach einer Weile. „Magic Box. Inhaber Rupert Giles. Die haben Zubehör und LiteratĂĽr ĂĽber Magie und Okkultismus. Es steht hier, daĂź die auch mit dieser Union zusammenarbeiten. Der Magieladen wird unseren BedĂĽrfnissen am nächsten kommen. Wir können uns auch mal im Willys umsehen.“

„Ich hab davon eine BroschĂĽre gefunden. Das wird angepriesen als Bar der Vampire und Dämonen, frisches Blut, Kontakt zu Vampire zum... zum BeiĂźen? Sind die Leute hier alle verrĂĽckt?! Na ja, jedenfalls muĂź das so DER Treff sein. Vielleicht wie das Haven bei uns. Ăśbrigens ist die Bar auch irgendwie mit der Union verbunden.“

„Gut möglich. Mich wundert allerdings, daĂź ich nichts ĂĽber einen Prinzen finden kann.“

„Vielleicht kann uns da auch dieser Rupert Giles weiterhelfen... Wäre es nicht möglich, daĂź es keinen Prinzen der Blutsverwandten gibt in Sunnydale? Mir scheinen hier sehr viele Vampire zu sein - was auch immer das fĂĽr Wesen sind. AuĂźerdem scheint die Stadt unter Kontrolle der Union zu stehen. Ich meine, die haben das einzige Hotel, den Magieladen, ne Bar...“

„Vielleicht ist die Union... Warte mal! Die Union, richtig?“

„Ja. Was ist?“

„Die kenn ich! Warum hab ich nicht frĂĽher daran gedacht? Julian ist mit einem ziemlich hohen Tier von denen befreundet. Ich hab nur zwei Mal einen bewuĂźt getroffen, einen Michael McKee, der sich Präfekt und Meistervampir von San Francisco nannte. Das erste Mal, als Julian ihn mir, Cash und Cameron vorstellte als unseren engsten VerbĂĽndeten. Das war ein paar Nächte nachdem Cameron Brujah-Chef wurde. Ich hab nicht mit McKee persönlich gesprochen, aber er war ziemlich beeindruckt von den Brujah.“

„Das hört sich gar nicht gut an!“, meinte Frank besorgt. Wo waren sie nur hineingeraten?

„Ich habe ihn noch einmal danach getroffen...“

„Und?“

„Er hat mich so zusammengeschlagen, daĂź ich danach zwei Tage weder stehen, noch laufen, noch sitzen, noch liegen konnte!“

„Warum hat er das denn gemacht?“

„So wie ich das verstanden habe, sind alle Rassen und Kulturen in der Union vertreten. Jeder hat die gleichen Chancen, die gleichen Rechte und die gleichen Pflichten. In San Francisco ist eine groĂźe Basis, eine sehr groĂźe, die muĂź zu den größten der Welt gehören. Die Union toleriert uns Blutverwandte, weil wir schon vor ihnen da waren und sie weder Lust noch Zeit fĂĽr einen offenen Kampf mit uns haben. Im Grunde, sind wir aber nur Schädlinge fĂĽr sie, die sie solange tolerieren, wie sie weder Schaden zufĂĽgen noch sie belästigen...

Normalerweise ist es so, daß die Leute - wenn sie überhaupt angegriffen werden - zeigen, daß sie zur Union gehören und jedes halbwegs intelligente Geschöpf läßt sie in Ruhe. Da diese Vampire sehr starke Beschützerinstinkte für ihre menschlichen Kollegen entwickelt haben, bricht sonst die Hölle los. Die Union hat wohl schon für geringeres als ein Mitglied, daß sich den Fingernagel abgebrochen hat, ganze Völker zerstört. Außerdem sind die Unionsleute die besten Kämpfer, die es gibt.

Dummerweise haben ein paar von uns ganz genau dieses eiserne Gesetz der ihr Leben und Unleben liebenden miĂźachtet - behauptete zumindest McKee. So wĂĽtend wie er war, glaube ich ihm das sogar. Ein paar Mal wurden Menschen attackiert. Soweit ich weiĂź, gab es keine ernsthaften Verletzungen. Aber wir haben inzwischen herausgefunden, daĂź Unionsleute nicht dominierbar sind. Nun ja, McKee war WAHNSINNIG wĂĽtend und hat jeden Clan-BoĂź noch toter gefoltert, als wir schon sind.“

„Das war einfach dumm! Wie konntest Du es Deinen Leuten ĂĽberhaupt erlauben, wenn Du wuĂźtest, daĂź Du sie damit in den Tod schicktest?“

„Es gab nie Anschuldigungen gegen Ventura, daher vermute ich, daĂź sie nie daran beteiligt waren. Die Union interessiert sich nicht dafĂĽr, wer schuldig ist, sie machen alle verantwortlich. Es waren wohl ein paar Brujah, Gangrel und Nosferatu. DafĂĽr hat er uns alle verantwortlich gemacht - obwohl wir unsere Clans beschworen haben, die Unionsmitglieder in Ruhe zu lassen. Die Verantwortlichen muĂźten wir töten - sonst hätte die Union alle Blutsverwandten in San Francisco ausgerottet!“

„Die Leute machen wirklich keine Späße“, kommentierte Frank. Ganz plötzlich zweifelte er selbst an der Klugheit seiner Entscheidung, hierher zu kommen. „Denkst Du, die Union ist fĂĽr diese Morde verantwortlich?“

„Nein, das glaube ich nicht. Ich weiĂź weder viel ĂĽber die Union, noch ĂĽber die Vampire - wir gehen beiden lieber aus dem Weg, wenn wir keinen Todeswunsch haben - aber die Union hat, wie gesagt, menschliche Mitglieder. Da kann ich mir nicht vorstellen, daĂź sie ihre eigenen Freunde essen wĂĽrden. Obwohl es ihnen zuzutrauen ist. Aber die Vampire sind im allgemeinen sehr gewalttätig, sagte mir Julian mal. Die sollen wohl alle so sein wie Brujah.“

„Du weiĂźt nicht zufällig, wie man die tötet, hm?“

„Nein, keine Ahnung. Der einzigste Grund, warum ich noch hier bin, um Dir darĂĽber zu berichten, ist, daĂź ich einen groĂźen Bogen um alle Vampire gemacht habe. Das heiĂźt, nachdem ich von ihrer Existenz erfuhr. Sie wollen keinen Kontakt zu uns und nur die Clan-Chefs und der Prinz wissen in San Francisco offiziell ĂĽber sie Bescheid. Was mit Freundschaften und Beziehungen ist, weiĂź ich nicht.“

„Dann haben wir es also mit kleinen Geheimniskrämern zu tun“, ächzte Frank. Er setzte sich auf das groĂźe Bett und sah sich in dem Zimmer um. „Wenigstens haben die Unionsleute guten Geschmack.“

„Und sehr teuren Geschmack. Bei 180 Dollar pro Tag können wir die zwei Wochen nicht hier bleiben.“

„Du hast Recht. Wenigstens ist es hier sicher, man wird uns nichts tun, solange wir die nicht angreifen. Bis wir wissen, wo wir bei den Vampiren dran sind, sollten wir hierbleiben. Vielleicht sind ja Vampire und Blutsverwandte verfeindet.“

Widerwillig muĂźte Sonny einräumen, „das ist schon möglich. Ich weiĂź gar nichts ĂĽber diese Wesen. Das einzige, woran ich mich noch erinnere, ist, daĂź sie mit uns verwandt sein sollen. Irgendwie sehr entfernte Verwandten.“

„Das ist alles?“

„Tut mir leid.“

„Na ja, wenigstens haben wir ein sonnengeschĂĽtztes Hotelzimmer, wo wir Blut fĂĽr Dich bekommen können und wir haben eine ungefähre Ahnung ĂĽber die Methoden der Union. Ich schlage vor, daĂź Du hier nicht jagst und niemanden angreifst, wenn er Dich nicht zuerst angreift. Wenn die Union so verbreitet ist hier, wie es aussieht, dann hast du sehr gute Chancen, an ein Unionsmitglied zu geraten. Und dann...“

„Du hast Recht. Wir sollten uns beide aus Konfrontationen raushalten.“

„Wenn wir doch nur wĂĽĂźten, woran die Vampire Unionsmitglieder erkennen...“

„Ă„h... ich weiĂź von zwei Leuten, die uns dabei höchstwahrscheinlich weiterhelfen können“, gab Sonny zu. „Aber es wird Dir nicht gefallen.“

„Wer?“

„Julian - er und Michael stehen sich sehr nahe, er ist auch der einzige von uns, der schon mal mit einem Vampir zusammen gejagt hat, der weiĂź, wo er lebt und mit dem sich Michael regelmäßig trifft. Der andere ist... Cameron.“

„Was hat der denn mit der Union zu tun?!“

„Seine Freundin ist ein menschliches Mädchen von der Union. Deshalb sollte er gut ĂĽber sie informiert sein. Ich weiĂź aber nicht, ob er noch mit ihr zusammen ist. Sie arbeitet hier in Sunnydale, wenn ich mich richtig erinnere. Lara, glaube ich, ist ihr Name.“

„Woher weiĂźt Du das?“, wollte Frank wissen. Er hatte langsam genug von GerĂĽchten, Vermutungen und Halbwahrheiten. Jetzt wollte der kurz vor der Informations-Ăśberladung stehende Mensch nur noch Fakten wissen. Am besten welche, bei denen er sich sicher sein konnte, daĂź sie stimmten...

„Er hat es bei einem Treffen der Clan-Chefs gesagt. Nicht so ausfĂĽhrlich, er sagte nur, daĂź er jetzt mit einer gewissen Lara von der Union aus Sunnydale zusammen sein wĂĽrde und, daĂź niemand sie anrĂĽhren sollte oder er bekäme es mit ihm zu tun. Julian war ganz begeistert, daĂź wir jetzt auch verwandtschaftlich mit ihnen verbunden wären. Das war vielleicht Ende Mai oder Anfang Juni.“

„Dann kennt er sie noch nicht lange genug. Jedenfalls werden die Informationen, die er uns geben kann, nicht wertvoll genug sein, damit wir ihm Erpressungsmaterial geben und uns bloĂźstellen. Was soll er schon wissen?“

„Was die Union macht, zum Beispiel. Wieviel EinfluĂź sie hat, was ihre Ziele und Mittel sind. Ob womöglich in diesem Raum Wanzen sind. Ob man uns umbringen wird, wenn rauskommt, daĂź wir die Morde untersuchen. Woraus die Union besteht, aus was fĂĽr Teilen. Wer uns gefährlich werden kann, unseren Kopf will. Vielleicht sogar, was und wer diese Vampire genau sind. Freunde von ihm hier, an die wir uns fĂĽr Hilfe wenden können. Laras Telefonnummer, damit sie uns im Notfall aus dem Kerker holen kann...“

„Okay, Du hast mich ĂĽberzeugt. Aber Du wirst ihn anrufen! Und DU wirst ihm auch erklären, was wir hier machen und warum wir seine Hilfe brauchen. Ich gehe in der Zwischenzeit ins Restaurant fĂĽr Abendessen.“

„Ich komme mit!“, schrie Sonny mit leichter Panik in seiner Stimme. Als Frank ihn prĂĽfend ansah, bettelte er, „wenn Du nur einzige weiche Faser in Deinem Herzen fĂĽr einen Höllenqualen leidenden Blutsverwandten hast, dann läßt Du mich mitkommen. Bitte tu mir das nicht an. Ich will nicht bei Cameron betteln gehen. Warum kann sich nicht Lillie jemand von der Union nehmen? Oder Cash? Das ist unfair! Bitte?“

„Sagtest Du mir nicht selbst, daĂź wir die Infos brauchen?“

„Vielleicht schaffen wir es ja auch so. Wir können es doch zumindest versuchen.“

„Sonny...“

„Ich kann Dich doch nicht alleine lassen! Hier wimmelt es nur von Vampire und Blutsverwandten und allerlei anderen komischen und sicherlich gefährlichen Kreaturen. Hier interessiert sich niemand fĂĽr Julians Schutz, also brauchst Dich jemanden, der auf Dich aufpaĂźt.“

„Okay. Wir ziehen uns um, dann gehen wir was essen und zu diesem Magieladen, danach sehen wir uns um - so, wie Du wolltest. Aber wenn wir bei Sonnenaufgang noch nichts brauchbares gefunden haben, dann rufst Du Cameron an!“

„Deal!“


„Nein, es ist viel schöner in den Bergen“, schĂĽttelte Willow den Kopf. „Tara und ich werden mit den McKees in die Schweiz fahren. Caitlin hat das Chalet von Trevor geliehen bekommen. Trevor der Unbarmherzige ist der GroĂźsire von Julie, Dans verstorbener Frau. Derjenige, der unser Haus hier kaufen will. Er fährt eigentlich immer im Winter dorthin - er liebt die High Society - aber er kkann diesmal nicht, weil er den Umzug organisieren muĂź.“

„Der Laden sieht ja ziemlich normal aus“, flĂĽsterte Sonny Frank zu, als sie die Magic Box erreichten.

„Beziehungen muĂź man haben!“, meinte Buffy. „Ich bin ganz neidisch auf Euch. Das wird bestimmt toll. Ich war nicht mehr im Schnee, seit ich ein kleines Kind war.“

„LaĂź uns mit solchen Statements abwarten, bis wir wieder rauskommen. Ich hab kein gutes GefĂĽhl dabei, in die Höhle des Löwen zu gehen.“ Bevor er neue Zweifel kriegen konnte, öffnete Frank die TĂĽr und ging hinein. Er hörte eine Menge Leute in eine Diskussion ĂĽber Urlaub so vertieft, daĂź sie ihn nicht bemerkten. Der Polizist beschloĂź, nicht zu stören - er wollte sie nicht verärgern.

„Warum kommst Du dann nicht einfach mit?“, meinte Caitlin mit einem freundlichen Lächeln auf den rostrot geschminkten Lippen. „Ich meine Du, Spike, Dawn und Deine Mum.“

„Nein, das kann ich nicht verlangen.“

„Aber das ist wirklich okay! Wir haben zwei Wohnungen da, eine fĂĽr 15 Personen und die andere fĂĽr vier. Ihr könnt die kleine nehmen, dann habt Ihr auch was Privatsphäre. Wir werden wohl zu elft sein.“

„Elf? Wie kommt denn das?“

„Meine vier Kinder, Willow, Tara, Lisas Freund und mein Bruder Pjotr, Riley, Angelus, Olympia - das ist die kleine Brujah, mit der er ein paar Mal gekommen ist und die bei mir Arzthelferin lernt - und meine Wenigkeit.“

Brujah war fĂĽr Frank das Stichwort, schleunigst zu verschwinden, aber gerade drehte sich die rothaarige Frau schon um.

„Guten Tag. Entschuldigen Sie bitte, wir haben Sie gar nicht bemerkt. Brauchen Sie Beratung, möchten Sie etwas fragen oder bezahlen? Ich bin eigentlich nur fĂĽr das erste zuständig, aber da der EigentĂĽmer kurz weg ist, helfe ich Ihnen, so gut ich kann“, sagte Caitlin freundlich.

„Die Frage mag etwas seltsam klingen, aber es ist wichtig: Sind Sie ein Vampir oder ein Blutsverwandter?“

„Doktor med. Caitlin McKee, Meistervampirin, HĂĽterin und Leiterin des Unions-Hospitals. Wie ist Ihr Name, Blutsverwandter?“

„Oh, oh, ich glaube, wir sollten besser verschwinden“, murmelte Frank.

„Sonny Toussaint, Chef des Ventura-Clans in San Francisco.“

„Freut mich, Sie kennenzulernen, Mister Toussaint.“ Mit unverhohlenem Interesse und einer guten Portion Neugier musterte Caitlin die beiden Männer. „Kann ich Ihnen und Ihrem menschlichen Freund irgendwie helfen?“

„Wir sind nur auf Besuch in der Stadt und haben festgestellt, daĂź hier die Union soviel kontrolliert und es viele Vampire gibt. Das hat uns neugierig gemacht“, log Frank. „Frank Kohanek.“

„Dann stelle ich Ihnen auch mal meine Leute hier vor: Willow Rosenberg, mein Lehrling, Xander Harris, der Präfekt der Prätorianer, seine Ehefrau und Assistentin Athena Harris, Spike, Meister von Sunnydale, Buffy Summers, die Jägerin, Dawn Summers, eine Prätorianerin.“

Xander stand auf und ging im Vampirgesicht auf die Fremden miĂźtrauisch zu. „Wenn Sie etwas ĂĽber meine Organisation wissen möchten, wenden Sie sich am Besten gleich an mich. Ich bin sozusagen der Chef. Mein Onkel Michael McKee hat mir bereits von Ihnen beiden bereits berichtet. Ich nehme Ihnen nicht ab, daĂź Sie nur aus Neugierde hier sind.“

„Ă„hm...“

„Wir kommen nicht im Auftrag des Prinzen.“

„Ich wäre auch sehr enttäuscht gewesen von Mister Luna, wenn er seine Vorsicht und seinen Platz in unserer Hierarchie vergessen hätte. Soviel Verständnis wir auch haben fĂĽr die Belange der Blutsverwandten, stehen die Belange der Union doch an erster Stelle unserer Prioritätenliste. Und ich wĂĽrde nichts anderes akzeptieren.“

„Um ehrlich zu sein, wir...“

„Die Wahrheit, Mensch! Ich kann in drei Sekunden Dein Genick brechen, also fordere mich besser nicht heraus!“

Frank gefiel gar nicht das Verhalten dieses Präfekten. Wenn er nur ein biĂźchen so war wie sein Onkel, wĂĽrde er den Shop wohl mit ein paar gesunden Knochen weniger verlassen... „Wir sind beide Polizisten in San Francisco und die Todesraten in Sunnydale haben uns doch sehr ĂĽberrascht. Wir sind gekommen, weil so viele Leute mit der Halsschlagader auf Picknickgabeln fallen und tragischerweise verbluten. Wobei das Blut dann auf magische Weise verschwindet... Unsere Anwesenheit hat aber nichts mit Julian Luna zu tun.“

„Nun, daĂź er Ihnen erlaubt hat, sich in die Angelegenheiten einer unserer Städte einzumischen, ist schon genug nach meiner Meinung. Er hätte zumindest fragen können - dann hätten wir Ihnen alles erklärt. So ist Ihre Präsenz illegal. Als Blutsverwandte brauchen Sie die Erlaubnis von Meister Spike, um sich in der Stadt zu befinden.“

„Verstehen Sie denn nicht, Vampir? Der Prinz hat ĂĽberhaupt keine Ahnung, daĂź wir hier sind! Nur, weil wir Mist gebaut haben, mĂĽssen Sie doch nicht gleich ausflippen! Er denkt, wir wären auf Abenteuerurlaub in Sibirien!“

Von einer Sekunde auf die andere hellte sich Xanders Miene auf. Die Fremden hatten den Test bestanden. „Ich bewundere Ihre Phantasie und Ihre Ăśberzeugungskraft, Mister Kohanek. Trotzdem sollten Sie Sunnydale besser verlassen. Wie Sie so treffend feststellen, fallen sehr viele Leute auf Picknickgabeln. Und mit der ganzen High Society der Vampire und Union hier, kann ich nicht auch noch Bodyguards fĂĽr Sie abstellen.“

„Das verlangen wir gar nicht. Wir möchten nur wissen, was hier los ist. Dann sind wir wieder weg. Und jetzt, da die Union uns einmal so ins Auge gefallen ist, wĂĽrden wir ganz gerne mehr ĂĽber Ihre Organisation erfahren, Präfekt Harris.“

„Wissen Sie denn nicht, daĂź sich unsere Arten aus dem Weg gehen, mein Sohn? Wie lange ist es her, seit Sie bekehrt wurden? Höchstens ein paar Jahre, ein Jahrzehnt, hm? Wenn Sie mal 430 Jahre alt sind wie ich, oder 1100 wie der andere Präfekt, dann werden Sie verstehen, warum wir Ihnen aus dem Weg gehen und warum wir keinen Kontakt zu Ihnen wollen. Wenn Sie bei Ihrer Neugier so lange ĂĽberleben...“

„Ich hab keine Ahnung, was zwischen Vampiren und Blutsverwandten los war, los ist und los sein wird und ehrlich gesagt, ich will es auch gar nicht wissen weil ich dann noch mehr Kopfschmerzen haben wĂĽrde. Alles was ich will, sind ein paar Antworten. Sonst nichts. Dann verschwinden wir wieder und Sie mĂĽssen sich nie wieder mit uns rumschlagen. Dann jagen wir schön wieder Fledermäuse und Wölfe in San Francisco. Ist es denn wirklich so schlimm, sich ein oder zwei Stunden mit uns hinzusetzen? Wenn Sie nicht uns beide dabeihaben wollen oder es nicht selbst machen, ist das okay.“

„Sie sind sehr beharrlich. Ich mag beharrliche Leute, weil ich selber die Gewohnheit habe, solange zu nerven, bis ich bekomme, was ich haben will... Okay! Ich gebe Ihnen genau zwei Stunden. Wir unterhalten uns, Sie können mir Fragen stellen und ich werde sie beantworten, wenn sie nicht gerade die Existenz der Union gefährden. Aber ich habe Bedingungen.“

„Welche?“

„Sie werden mit keinem AuĂźenstehenden darĂĽber reden. Ich wĂĽrde sogar bevorzugen, wenn Sie nach Ihrer RĂĽckkehr nach San Francisco gar nicht mehr darĂĽber sprechen wĂĽrden. Wenn Sie jemanden was verraten, muĂź ich leider Sie beide, die betreffende Person und alle Leute, zu denen Sie drei Kontakt hatten, eliminieren lassen. Und glauben Sie mir, ich werde es herausfinden!“

„Damit kann ich leben.“

„Ist OK.“

„Schön. Nach dem Gespräch können Sie von mir aus noch in Sunnydale bleiben, solange Sie wollen. Aber wenn ich Ihnen sage, daĂź es Zeit ist, zu gehen, dann verschwinden Sie. Sofort und ohne groĂźes Fragen, Zögern. Sie werden sehr viel wissen und es gibt eine Menge Leute, die alles geben wĂĽrden fĂĽr Ihr Wissen. Vergessen Sie das nie und bedenken Sie bei jeder Ihrer Entscheidungen, daĂź ich nur das Wohl von allen will.

Des weiteren werden Sie Ihr neu erworbenes Wissen nicht gegen die Union verwenden. Wenn Sie es tun, tritt wieder das gleiche ein wie bei Punkt eins. Haben Sie das verstanden und können Sie damit leben?“

„Ja, Mister Harris.“

„Das ist gut, Präfekt.“

„Meine Sekretärin wird Sie in den nächsten Tagen anrufen.“

„Wir wohnen im...“

„...im Sunnydale Inn Zimmer 514, ich weiĂź. Das Hotel gehört uns. Sie brauchen sich um die Finanzierung keine Sorgen zu machen, Kost und Logis inklusiven allen Extras sind frei Haus. Das SI gehört der Union und Sie sind jetzt meine Gäste.“

„Danke, aber das ist nicht nötig.“

„Nehmen Sie das nur nicht zu persönlich, ich mache es nicht fĂĽr Sie. Ich habe einen Etat von 5 Millionen Euro im Jahr fĂĽr Gäste, eine Million hatte ich letztes Jahr ĂĽbrig. Was ich davon nicht ausgebe bis Ende Dezember, verfällt, ich bekomme es nächstes Jahr weniger. Und weil nächstes Jahr viele größere Ereignisse anstehen, sitze ich dann in der Klemme.“

„Oh, ich verstehe“, grinste Frank.

„Dann gehen Sie jetzt nach Hause oder wo auch immer Sie hin wollen.“ Er warf ihnen Pentagramme zu. „Nehmen Sie hier das, fĂĽr wenn Sie angegriffen werden. Sagen Sie, daĂź Sie unter meinem persönlichen Schutz stehen. Wenn es nichts hilft, dann hauen Sie den Vampiren hier das ins Herz“, es folgten zwei Pflöcke. „Aber gehen Sie vorsichtig damit um, Sie könnten sich verletzen. Einen angenehmen Abend noch.“

„Danke. Gute Nacht.“

„Gute Nacht.“

Als die Männer verschwunden waren, drehte sich Cat verwundert zu Xander um. „Bist Du Dir sicher, daĂź Du das machen willst? Oder ist es nur eine Falle? Ich fände das gar nicht gut, nebenbei bemerkt. Ich HASSE es nämlich wenn Du nur aus SpaĂź an der Freud Schweinerei machst. Und nachher läßt Willy MICH wieder die Putzfrau bezahlen!“, beschwerte sie sich.

„Nein, nein, das ist keine Falle. Ich mag die zwei Kerle wirklich ganz gern. Michael schimpft immer ĂĽber die Blutsverwandten, aber ich habe sie unter meinen Schutz gestellt. Da ist es nur passend, wenn ich ihnen jetzt auch erkläre, was vor sich geht.“

„Und wann willst Du das bitteschön machen? Du hast schon jetzt einen vollen Terminkalender“, schmollte Athena.

„Ich werde es schon schaffen.“

„Sagt mal, nur so nebenbei, weil es mir gerade einfällt... wer wird den Höllenschlund bewachen, während wir die Schweizer Berge kurz und klein snowboarden?“, fragte Buffy plötzlich. „Immerhin ist mit Spike der Meister der Stadt weg, Caitlin, Pete, Angelus und Lisa auch.“

Als Caitlins erwartungsvoller Blick ihn traf, hob Xander abwehrend die Hände. „Tut mir leid, aber wir werden auch nicht hier sein.“

„Und wo, bitteschön, fahrt Ihr hin?“

„Nach Irland. Athena und ich werden uns dort mit unseren Nachkommen treffen. Wir feiern dort jedes Jahr zusammen Silvester und diese Tradition wollen wir beibehalten.“

„Ich bestehe darauf!“, bekräftigte Athena.

„Damit fallen die neun höchstrangigen Leute aus... Hm...“ Es war regelrecht Caitlin anzusehen, wie die Gedanken ratterten. „Willow, wenn Du Morgen zu der Party von Helen gehst, wirst Du ihr bitte sagen, daĂź wir mit ihr, Mark und Lee sprechen mĂĽssen?

„Okay.“ Willow verschwieg lieber, daĂź ihre Freunde auch schon vage Pläne hatten. Sie wollte schlieĂźlich nicht als Ăśberbringer der schlechten Nachrichten ihren Kopf verlieren...


Die zwei Männer gingen eine ganze Weile schweigend die dunklen StraĂźen von Sunnydale entlang. „Das war seltsam“, meinte Frank plötzlich.

„Nach dem, was ich ĂĽber die Union gehört habe, kann mich nichts mehr schocken. Wenn ich im Haven Gespräche von den Brujah mithörte, sprachen sie oft darĂĽber, daĂź sie davon ĂĽberzeugt sind, daĂź die unlogischsten und sinnlosesten Aktionen zu bevorzugen sind. Sie denken wohl, das wäre cool...“

„Du belauschst Gespräche im Haven?“

„Nein! Hörst Du nie durch Zufall mit, worĂĽber am Nebentisch gesprochen wird?“

Frank konnte sich ein Grinsen nicht ganz verkneifen. „Verstehen sie sich gut mit den Brujah?“

„Es ist der einzige Clan, der Kontakt zu ihnen hat. Oder zumindest behauptet man, daĂź die Brujah noch mit ein paar anderen Organisationen zu tun haben. Geheimorganisationen, bei denen nicht nur Blutsverwandte und Menschen sind. Sehr mächtige Leute, die eine Affinität fĂĽr Brujah haben. Jedoch weiĂź ich nicht, ob einige Gangrel und Ventura diese Geschichten aus HaĂź völlig erfinden, oder ob sie einen wahren Kern haben.“

„Es wĂĽrde schon Sinn ergeben. Immerhin sagtest Du mir eben, daĂź die Union beeindruckt von den Brujah ist. AuĂźerdem sollen die Vampire den Brujah sehr ähnlich sein. Die Vampire sind viel vertreten - wenn nicht sogar die Mehrheit - bei der Union...“

„Was machen wir?“

„Wir könnten uns mal einen Friedhof ansehen.“

„Warum?“

„Na ja, die Film-Vampire schlafen in Särgen. Und Särge gibt es jede Masse auf dem Friedhof...“

„Das ist lächerlich! Wieso sollten sie sich auf dem Friedhof herumtreiben? Selbst wenn diese Vampire in Särgen schlafen, werden sie eigene Wohnungen haben.“

„Das können wir ĂĽberprĂĽfen. Hier ist ein Friedhof. Mal sehen, ob das Tor offen ist.“

„Nein!“

„Was denn?“

„Ich habe kein gutes GefĂĽhl dabei.“

„Du bist tot, richtig? Was sollen die Dir tun? Ich bin ziemlich lebendig, ich habe menschliches Blut im Körper und ich bin sterblich - ich sollte Angst haben, nicht Du.“

Ă„chzend kapitulierte Sonny vor Franks Entdeckergeist. Warum muĂźte er immer die schwierigen Freunde haben? Ein netter, kleiner, immer kurz vor der Raserei stehender Brujah wäre doch mal ne nette Abwechslung... „Wenn uns was passiert und Du ins Krankenhaus muĂźt, wirst Du es Julian erklären.“

„Abgemacht!“


Zehn Minuten später hatten Sonny und Frank schon viel mehr über Vampire gelernt, als sie jemals wollten. Zum Beispiel, daß sie verdammt stark waren. Daß es kein Spaß war, völlig ohnmächtig zu sein, da man die einzigen wirksamen Waffen verloren hatte und Einschüsse für diese Untoten nicht mehr als lästig waren. Gegen einen Grabstein gepreßt zu werden von einem Vampir, der einen essen respektive töten wollte, war auch nicht lustig...

„LaĂź mich los!“, grollte Sonny. Die AnfĂĽhrerin der neunköpfigen Vampirbande lachte nur böse. Und verpaĂźte ihm einen Schlag in den Unterleib. Gelähmt von den Schmerzen, strich er fĂĽr den Moment Kämpfen von seiner Liste. „Hör mal, können wir das nicht irgendwie anders regeln? Wir sind nicht hier, um Euch anzugreifen. Wir wollen uns nur ein biĂźchen umsehen.“

„Und jetzt werdet Ihr sterben!“, knurrte die Vampirin und fletschte ihre Zähne.

„Ich schmecke ganz bestimmt nicht gut. Ich bin ein Blutsverwandter. Ă„h... was ist mit einem Deal?“

„NEIN! Ich werde etwas von Deinem Blut trinken und dann bringe ich Dich zu meinem Sire, damit er so stark wird wie Vampire und Blutsverwandte zusammen!“

Die Lage wurde langsam etwas besser. Vielleicht konnte er dem Sire erklären, daĂź Julian nicht glĂĽcklich sein wĂĽrde ĂĽber seinen Tod. Es war nicht ungewöhnlich, daĂź Babys wie diese Vampirin nicht vernĂĽnftig waren. Ein alter Vampir jedoch... „Wird Dein Sire nicht böse sein, wenn Du schon was von seinem Geschenk gegessen hast? Dann ist es kein neues Geschenk mehr und Dein Sire wird sich nur noch halb so viel darĂĽber freuen. Hm?“

VerrĂĽckt lachend, strich die blonde Vampirin ĂĽber den Hals ihres Opfers. „Du bist ein cleverer Junge. Zu schade, daĂź ich Dich nicht behalten kann“, seufzte sie sehnsĂĽchtig. „Du wĂĽrdest so eine schöne Puppe sein.“ Plötzlich kicherte sie fröhlich, „oh, dafĂĽr werde ich Deinen Freund zu meinem Childe machen. Das wird lustig werden! Mein Sire hat mir nämlich versprochen, daĂź ich eine Puppe haben darf, wenn ich ihm einen Blutsverwandten bringe.“

Soviel zur Vernunft ihres Sires... Frank war gar nicht glĂĽcklich mit der Idee, das Spielzeug von der verrĂĽckten Vampirin zu werden. Sich von Julian manipulieren lassen, dem arroganten Prinzen was schulden, einen Partner zu haben, der ein Blutsverwandter war, die Ex-Freundin auch, das ging ja noch alles. Aber ehe er Sklave von der Wahnsinnigen wurde, lieĂź er sich freiwillig von Cameron aussaugen! „Kannst Du mich nicht einfach töten?“

„Nein, ich will mein Spielzeug nicht töten. Macht Platz, Minions, und paĂźt gut auf den Blutsverwandten auf“, befahl sie den drei Dienstvampiren, die Frank festhielten. Sie hielt ihn auf die gleiche Weise fest, wie zuvor Sonny. „Meine Welt wird Dir gefallen und wir werden viel SpaĂź zusammen haben, mein Childe.“

Bevor Frank sich darüber beschweren konnte, daß seine Meinung nichts zählte, spürte er schon einen stechenden Schmerz in seinem Hals. Er schrie laut vor Schmerz, als seine Halsschlagader und der halbe Nacken brutal zerfetzt wurden. Als die Vampirin brutal das Blut auf seinem Körper saugte, war Frank sicher, daß Brujah kleine, süße Katzenkinder waren. Schmerz, eine brutale Ohrfeige von einem Minion und der Blutverlust nahmen ihm dann die Fähigkeit, zu denken...

Das Wissen, daß Frank eine Killermaschine wie die Frau werden würde, wenn er sie nicht aufhalten konnte, gab Sonny neue Kraft. Aber ohne Waffen und ohne die Schwäche der Vampire zu kennen, hatte er gegen fünf Minions und drei Childes keine Chance. Dummerweise schienen die Gerüchte, daß Vampire mehr Kraft als Blutsverwandte hatten, wahr zu sein.

Als Frank fast blutleer war - sie wollte kein Risiko eingehen, weil er ihr erstes Childe war - öffnete sie ihre Pulsadern und drĂĽckte die Wunde gegen seinen Mund. „Trink das, mein Childe. Trink, mein Junge, das macht Dich gesund“, schnurrte die Vampirin.

Frank war schon zu nahe an der Bewußtlosigkeit, um daran denken zu können, wie verhängnisvoll es war, zu gehorchen. Als die ersten Tropfen Blut in seinen Mund liefen, waren sie das verführerischste Getränk, das er jemals bekommen hatte. Weil er zu durstig war, um auf das letzte bißchen Widerstand in ihm zu hören, saugte er gierig und trank so schnell, daß er sich beinah verschluckte.

Olympia hatte Kampfgeräusche gehört, als sie auf dem Weg zur Gruft eines Freundes war. Neugierig, schlich sie sich an. Es hatte ihr das Herz gebrochen, hilflos zuzusehen, wie der junge Mensch starb. Obwohl sie Brujah war, hatte sie viel Mitgefühl für Menschen - die meisten ihrer Freunde waren ziemlich lebendig.

Aber sie war eine zu gute Prätorianergardistin, um sich einfach ins Getümmel zu stürzen. Meister Darrens Childe Adelaide hatte noch nie jemand gesehen, ohne, daß Darren in den Schatten über sie wachte. Und mit sechs Monaten konnte sie es nicht mit einem über ein Jahrhundert alten Meister, vier seiner Childes und fünf seiner Minions aufnehmen. Darren war genauso bekannt für seine exzellenten Kampfkünste, wie für seine Brutalität, seinen Machthunger und Egoismus...

Erst, als sich die junge Brujah versichert hatte, daĂź der Intimfeind der Union nicht nah genug war, um seinem Lieblings-Childe zur Hilfe zu eilen, schlich sie sich an. Ein unvorsichtiger Minion, der etwas abseits stand, war ihr erstes Opfer. „Tz, tz, tz, tz, tz. Warum hat mich niemand zu der Party eingeladen? Jetzt bin ich aber enttäuscht“, schnurrte Olympia.

Hätte Sonny Atem gebraucht, wäre er jetzt sicher erstickt. Die brünette Fremde stand wie ein Racheengel vor ihnen. Ihr offener, schwarzer Ledermantel wehte leicht im Wind, schwarze Lederhose, schwere Stiefel, leichter Pullover und ein Gürtel, an dem Waffen hangen, vervollständigten das Bild purer Selbstsicherheit. Als er einen Flashback erlebte zum Magieladen - was sie eine Ewigkeit her zu sein schhien - wußte er auch warum. Die Frau trug exakt die selbe Kleidung wie die Unionsleute...

Sonny wuĂźte nicht, ob er erleichtert oder noch mehr besorgt sein sollte. Sie hatte nicht ein Gameface wie die Vampire, sondern wie Blutsverwandte. Damit konnte sich auch eine Feindin von seinem Sire sein... Weil er eh keine Antworten erhalten wĂĽrde, entschloĂź sich Sonny, die beiden Frauen wieder zu beobachten.

Adelaide sprang zähnefletschend auf und postierte sich schĂĽtzend zwischen Olympia und Frank. „Verschwinde, solange Du noch kannst, Brujah! Sonst werde ich DICH meinem Sire als Mahlzeit vorsetzen!“

„Oh, jetzt bin ich aber eingeschĂĽchtert!“, spottete Olympia. „Soll ich auch noch zu Zittern anfangen oder reicht das?“

„Hau ab, MacKenzie!“

„Nein, das glaube ich nicht, Adelaide! Sunnydale gehört der Union und ich kann mich nicht erinnern, daĂź Dein Lumpengesindel von uns oder Meister Spike eingeladen wurde. Also wirst DU verschwinden! Oder willst Du, daĂź ich wirklich dem Nachrichtendienst Bescheid gebe? Dann wird Präfekt Harris davon erfahren, daĂź Darren hier ist. Und Du weiĂźt ja, wie gut sie sich verstehen...“

„Das wagst Du nicht!“, meinte Adelaides Bruder. „Ihr Brujah seid doch alle gleich: GroĂźe Klappe und nichts dahinter“, schnaubte er verächtlich.

Das war genau der letzte Tropfen, den es brauchte, um das FaĂź zum Ăśberlaufen zu bringen. Mit einem furchterregenden Fauchen wirbelte sie drei Meter durch die Luft. Als sie ansetzte, ihr Holzschwert in das Herz des Vampirs zu rammen, sagte sie, „das war das letzte Mal, daĂź Du meinen Clan beleidigt hast!“ Es gab Olympia mehr Befriedigung, das Häufchen Staub zu betrachten, als es einer Gardistin geben sollte. Aber wen kĂĽmmerte das schon, solange sie nur die bösen umbrachte...?

Mit wachsender Verblüffung beobachtete Sonny, wie die angebliche Brujah einen Vampir nach dem anderen aus dem Verkehr zog. Ihr drittes und viertes Opfer erledigte sie mit zwei Pflöcken gleichzeitig, den fünften mit dem Holzschwert, das sie als Pfeil benutzte. Er brach - mangels besserer Waffen - seinen Bewachern das Genick. So waren sie bewegungsunfähig, bis er seinen Pflock gefunden hatte. Die letzten beiden - Adelaide und ein anderer sehr guter Kämpfer - machten sich aus dem Staub.

Olympia kniete sofort auf der anderen Seite von Frank hin, „sind Sie verletzt, Mister?“ Wie ging das Beruhigen noch mal? Ah ja! „Machen Sie sich bitte keine Sorgen, Ihr Freund wird wieder gesund werden. Ich bringe Sie beide jetzt in ein Hospital, aber wir mĂĽssen dafĂĽr laufen. Können Sie laufen?“

„Ich weiĂź nicht. Danke, daĂź Sie uns gerettet haben.“

„Dann versuchen Sie es! Wir haben keine Zeit zu verlieren!“ In der Zwischenzeit hatte sie ihr Handy rausgeholt und ihre Kollegen im Hospital der Union angerufen. Sie konnte auch mit einem Notfallknopf Alarm geben, aber dann muĂźte die Ăśberwachung sie mit dem Chip lokalisieren. „Olympia, Friedhof drei, brauche Transport fĂĽr zwei Verletzte ab SĂĽd. Kampf, jemand ist in der Umwandlungsphase zum Vampir. Alarmier Cat und Wills, ich weiĂź nicht, wie schlimm es ist!“ Sie wartete keine Antwort ab, wissend, daĂź ihre Kollegin alles in die Wege leiten wĂĽrde. Normalerweise waren Nachts immer Caitlin, Willow oder sie selbst da - aber die neue Sekretärin sollte ihre Bewährungsprobe liefern.

„Ich kann laufen, aber nicht so schnell. Mein Knöchel ist wohl verstaucht. Wen haben Sie angerufen?“, fragte Sonny miĂźtrauisch.

„Ich arbeite in einem Hospital. Einem, das nicht-menschliche Patienten genausogut behandeln kann wie menschliche. Und wenn Sie nicht aufhören, wie eine läufige HĂĽndin hier herumzutigern, dann werde ich Ihnen eine Beruhigungsspritze verpassen!“, schnappte Olympia verärgert. Wenn sie sich ĂĽberfordert oder verunsichert fĂĽhlte, wurde sie immer aggressiv. Und diesmal fĂĽhlte sie beides.

„Tut mir leid. Kann ich Ihnen helfen?“

„Indem sie mich nicht bei der Arbeit behindern. Mist! Warum habe ich nicht meinen Erste Hilfe-Koffer mitgebracht! Setzen, junger Mann! Ich kann nicht denken, wenn Sie herumstreunen! Sind Sie verletzt? Abgesehen von Distorsionen, Hämatomen und Platzwunden. Um den Kinderkram kĂĽmmern wir uns im Krankenhaus.“

„Ă„h... ich habe wohl die Schulter ausgerenkt. Und mein Kopf fĂĽhlt sich an, als hätte ich eine GehirnerschĂĽtterung. Sonst bemerke ich nichts.“

„Rasse?“

„Wie bitte?“

„RASSE! Wie in Menschen, Vampire, Unsterbliche, Götter, Chinesische Drachen, das gelbe Wesen aus dem Computerspiel, und, und, und. Wenn Ihre Art eine genauere Klassifizierung hat, brauche ich auch die. Das gleiche fĂĽr Ihren Freund.“

„Ich bin Blutsverwandter, Ventura-Clan. Geboren bin ich als Mensch. Frank ist ein Mensch.“

„War. FĂĽr unsere Aktenheinis gilt er jetzt schon als Vampir. Wissen Sie, ob er ein Sterblicher oder Unsterblicher ist?“

„Ă„h... sterblich, glaube ich. Gibt’s denn noch andere Menschen?“

„In der Tat gibt es die. Ist er schon mal gestorben? Heilen seine Verletzungen mit ĂĽbermenschlicher Geschwindigkeit?“

„Nein, er ist ganz normal.“

„Um den Geisteszustand kĂĽmmern wir uns später noch“, grinste Olympia. Sie sah auf von Frank, dessen Blutung sie bis dahin gestoppt hatte.

„Ich wĂĽrde Ihnen ja die Hand geben, aber ich bin ganz voll mit Blut... Prätorianergardistin Olympia MacKenzie. Ich bin Arzthelferinnen-Azubi im Unionshospital hier. Falls Sie sich wundern: Ja, was das Flittchen ĂĽber meine Rasse sagte, war richtig. Der Teil, daĂź ich Blutsverwandte des Brujah-Clans bin, nicht, daĂź wir feige sind. Das sind wir nämlich wirklich nicht. Ich kenne ein paar andere Brujah und die sind ganz OK. Wir sind das wirklich nicht, das mĂĽssen Sie mir glauben“, verteidigte sich Olympia plötzlich.

Sonny wunderte es, daĂź die Soldatin sich zu solch einer vehementen Verteidigung gezwungen sah. „Das weiĂź ich, Miss MacKenzie. Sonny Toussaint, Primogen der Ventura.“

„Seit wann haben wir hier ne offizielle Verwaltung? Und muĂź ich mich da registrieren und einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zahlen?“

Der Ventura lachte leicht, bevor er erklärte, „ich bin nicht von hier. Aber das von dem Mitgliedsbeitrag werde ich mal meinem Prinzen vorschlagen...“

Olympia kicherte leicht. „Okay, aber ich will eine Provision!“

„DafĂĽr sorge ich schon.“

Als sie plötzlich ernst wurde, war die Besorgnis deutlich zu sehen. „Wenn ich nicht gekommen wäre, wĂĽrden Sie tot sein, Mister Toussaint. Niemand entkommt ohne weiteres Darren und seinem Clan. Auch mit Ihnen wird er abrechnen. Der Junge hier wird in 24 Stunden erwachen. Dann braucht er einen Sire. Und er wird kein normaler Vampir sein. Alle in Darrens Familie sind leicht verrĂĽckt - und seine Meute sucht nur Leute aus, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen stehen. Adelaide hatte keine Zeit, ihn vor der Umwandlung in den Wahnsinn zu treiben. Das bedeutet nicht, daĂź sie ihn einfach abhakt...“

Wenn eine Brujah, die eine kleine Armee alleine bekämpfen konnte - eine Elite-Soldatin sogar - Angst hattte, dann war es wirklich schlimm, dachte sich Sonny. „Ich, mein Clan und mein Prinz stehen fĂĽr immer in Ihrer Schuld, Miss MacKenzie. Ich habe keine Ahnung, wer oder was dieser Darren ist und ich weiĂź auch nichts ĂĽber Vampirclans, aber ich weiĂź, daĂź sie unsere Leben gerettet haben.“

„Danke. Vielleicht werde ich sogar mal einen Gefallen von Ihren Leuten oder Ihnen einfordern. Im Moment sollten wir zum SĂĽdeingang bekommen, bevor meine Kollegen wieder wegfahren.“

„Gute Idee.“ Obwohl er sich wahnsinnig Sorgen um Frank machte, darauf brannte, mit jemandem zu reden, der ihm mehr sagen konnte - der ihm erklären konnte, was er jetzt fĂĽr Frank tun muĂźte und konnte - hatte er auch Angst. Er wĂĽrde nicht ertragen können, wenn er VorwĂĽrfe in den Augen der Ă„rzte sehen wĂĽrde. Er machte sich schon selbst so viele. Und noch mehr fĂĽrchtete er sich vor der Reaktion seines Sires. Julian wĂĽrde auĂźer sich sein, wenn er von Franks Bekehrung erfuhr.

Wenn er wenigstens „nur“ ein Blutsverwandter geworden wäre... Selbst mit Frank als Brujah konnten sie umgehen - die herzensgute Brujah vor ihm und Sasha waren der beste Beweis, daĂź sie nicht alle gleich waren. Aber mit einem Vampir...


„Was ist denn los, Olympia?“, fragte Willow besorgt und half der Blutsverwandten, Frank zu tragen. Sie und Caitlin hatten mit einem Wagen der McKees vor dem SĂĽdeingang gewartet, damit sich Cat direkt um die Verletzten kĂĽmmern konnte.

„Ist er stabil?“

„Soweit ich das sehen kann, ist er OK. Ist ein sterblicher Mensch, die Umwandlung hat etwa vor 20 Minuten, einer halben Stunde begonnen. Er hat zwei Rippen gebrochen, ein Arm scheint auch gebrochen und ein paar leichtere Verletzungen. Ich weiĂź nicht, wie es mit inneren Verletzungen ist.“

„In den Wagen, Leute! Willow, Olympia, Ihr nehmt Kohanek. Mister Toussaint, möchten Sie mir das erklären?“, fragte Caitlin scharf. Wie konnte man nur so dumm sein, sich mitten auf dem Friedhof umwandeln zu lassen? Und dann verletzte er sich auch noch dabei!

„Wir wollten uns auf dem RĂĽckweg umsehen. Auf dem Friedhof wurden wir plötzlich angegriffen. Neun Leute. Wir machten uns gut, aber dann verloren wir die Pflöcke und Pentagramme. Wir haben uns weiter gewehrt, aber wir hatten keine Chance. Diese blonde Vampirin sagte dann, daĂź sie Frank als ihr Spielzeug haben wollte. Mich wollte sie ihrem Sire zum Essen bringen. Sie hat dann Frank ausgesaugt, während man mich festhielt und gab ihm ihr Blut. Dann kam plötzlich Miss MacKenzie und hat uns gerettet.“

„Seien Sie froh, daĂź Sie beide so glimpflich davongekommen sind. Das hätte auch schlimmer enden können. Normalerweise läßt Adelaide niemanden leben. Und es war pures GlĂĽck, daĂź Darren nicht eingegriffen hat.“

„Woher wollen Sie das wissen?“, verlangte Sonny mit neu erwecktem MiĂźtrauen.

„Wenn Darren mitgekämpft hätte, dann wĂĽrden Sie drei jetzt alle mausetot sein. Sogar ich habe Schwierigkeiten mit ihm, eine sechs Monate alte Blutsverwandte hätte nicht mal eine Minute gegen ihn bestehen können. Selbst, wenn sie Prätorianerin ist...“

„Es ist sehr schlimm, Caitlin. Er wurde von Adelaide umgewandelt.“

„Oh nein! Mögen uns alle himmlischen Kräfte beistehen! Das wird nicht leicht werden. Nicht, daĂź ich erwartet hätte, es wĂĽrde leicht werden, mit einem jungen Dämon umzugehen, der keinen Sire hat und nicht auf die Umwandlung vorbereitet wurde. Aber wenn er von Darrens Clan umgewandelt wurde, ist es tausendmal schlimmer.“

„Wieso? Ich verstehe nicht. Was ist so besonders schrecklich an Darrens Clan?“

„Sie sind alle Killermaschinen. Nichts von der Persönlichkeit des Menschen bleibt normalerweise ĂĽblich. Ihr Blut ist sehr schwach, es ist dreckig. Es kommen nur sehr selten gute Vampire aus ihrer Blutslinie.“

„Bedeutet das, wir werden Frank töten mĂĽssen?“

„Nein, nein, soweit wĂĽrde ich nicht gehen. Aber es ist durchaus möglich, daĂź er uns angreift. Das machen alle kleinen Vampire, doch diese sind besonders gefährlich.“

„Dann sind sie wie die Brujah?“

„Nein, das ganz sicher nicht. Man könnte es so ausdrĂĽcken: Die Nachkommen von Colin und Michael McKee - das ist mein Clan - sind fĂĽr unsere Verhältnisse mit den Ventura zu vergleichen. Wir sind Geschäftsleute, Magier, Politiker, manchmal auch Soldaten. Wir lieben einen guten Lebensstil, können nichts anfangen mit Abwasserkanälen und Mausoleen. Allerdings haben wir nicht so viel mit der High Society zu tun. Sie ist uns zu oberflächlich, zu selbstsĂĽchtig. Doch das tut nichts zur Sache, da wir die High Society der Vampire SIND.

Die Leute von Darrens Blutlinie kommen mehr nach den Assassine. Sie sind brutal, für sie ist Töten ein Teil des Lebens - ein sehr unterhaltsamer sogar. Das ist für uns nicht der Fall. Einige von uns ernähren sich sogar nur von Blutpackungen, um das Töten von Menschen nicht als etwas alltägliches erscheinen zu lassen. Die meisten Vampire machen sich nicht viele Gedanken über ihre nächste Mahlzeit. Sie nehmen die erste Person, die sie finden und lassen den toten Körper liegen. Wir perfektionieren unsere Technik nicht, um sie zu nutzen, sondern der Bildung halber.

Die Brujah sind wieder ganz anders. Sie sind sehr ursprĂĽnglich und unsere jungen sind ihnen sehr ähnlich. Besonders die Union hat groĂźen Respekt vor dem Brujah-Clan. Sie haben sich nie vor unserer Kraft gefĂĽrchtet, sie sind ihr mit Neugier begegnet. Das ist etwas, was wir mögen.“

„Wenn Frank so wie die Brujah werden wĂĽrde, dann wäre das also gut in Ihren Augen?“, fragte Sonny fassungslos.

„Dann wäre er ein sehr, sehr wertvolles zukĂĽnftiges Mitglied fĂĽr die Union. Und ich mĂĽĂźte mir weit weniger Sorgen machen, wie wir ihn zähmen können. Denn wir können gut mit Brujah auskommen, ohne sie zu zähmen.“

„Das trifft fĂĽr meinen Prinzen nicht zu. Und fĂĽr mich auch nicht.“

„Dann haben Sie ein ernstes Problem, mein Junge. Denn wenn er ein Rebell ist, ein Freidenker, der eine gute Portion RĂĽcksichtslosigkeit, Egoismus und MiĂźtrauen mitbringt, dann können wir sehr froh sein. Das ist das Maximum, was sie aus Frank rausholen können. Im Gegensatz zu Ihren Blutsverwandten, sind Vampire nach der Umwandlung nicht mehr sie selbst. Das macht die ganze Sache eine Menge komplizierter.“

„Ich werde mich bemĂĽhen.“

„Gut. Wir sind da!“ Caitlin lieĂź den SchlĂĽssel stecken, so schnell war sie aus dem Wagen. Nicht, weil sie sich noch Sorgen um die Gesundheit ihrer Patienten machte - es könnte sein, daĂź Darren zur Rache einen Anschlag auf sie plante. Oder, daĂź sie verfolgt wurden... „Kommen Sie!“

Das Lagerhaus war alt und sah verwaist aus, bemerkte Sonny mit Verwunderung. Nach allem, was er von der Union gesehen und gehört hatte, erwartete er eine hochmoderne High Tech-Anlage - nicht eine halbe Ruine. Zögerlich folgte er den Unionsmitgliedern in das Gebäude. Ein Test konnte ja nicht schaden...

Als erstes gingen sie durch einen sterilen, weiĂźen Gang. Nach einer Weile fĂĽhrte dieser in eine Art groĂźe, runde Halle, von der viele TĂĽren abgingen. Sie war modern eingerichtet, blitzblank und es roch nach Desinfektionsmittel. In der Mitte war eine Anmeldung, dazu kam eine Warteecke. Ansonsten war die Halle leer.

„Guten Morgen!“, grĂĽĂźte die Sekretärin. „Hier ist die Liege, Doktor. Die Kittel fĂĽr Sie und Miss Rosenberg. Ich habe schon einen Tisch mit Instrumenten und alles fĂĽr ein groĂźes Blutbild bereitgelegt in Behandlungsraum eins. Röntgengerät und Ultraschall sind an. Ich wuĂźte nicht, was Sie sonst noch brauchen.“

„Danke. Ich brauche jemanden, der Misses Stein ein paar Daten ĂĽber die Patienten gibt. FĂĽr den Computer und die Karteikarten. Mister Toussaint?“

„NatĂĽrlich, Doktor.“

„Olympia, Du gehst Dich erst mal umziehen. Das ist unhygienisch. Und bring bitte unsere Kittel mit. Willow, bring bitte Mister Kohanek in Behandlungsraum eins und fang mit der ĂĽblichen Prozedur an. Ich muĂź schnell was holen.“


„Mister Toussaint, ich habe die ersten Ergebnisse in Bezug auf Mister Kohanek. Ich unterliege der ärztlichen Schweigepflicht, also kann ich Ihnen nur sagen, daĂź es ihm den Umständen entsprechend gut geht.“

„Können Sie die Schweigepflicht nicht aufheben? Bitte, Doktor McKee. Ich muĂź gleich meinen Prinzen anrufen und er wird fragen, wie es Frank geht.“

„Dann sagen Sie dem Prinzen, daĂź er mit mir sprechen soll. Ich werde ihm erklären, weshalb ich keine Informationen weitergeben darf. Es tut mir wirklich leid. Aber ich habe auch meine Vorschriften. Oder können Sie mir einen Grund dafĂĽr geben, ein Schlupfloch zu finden?“

„Er steht unter dem Schutz von Julian Luna. Und ich bin Primogen. Das können Sie gerne nachprĂĽfen.“

„Das ist leider nicht genug. Miss Stein, haben Sie schon die Verwandten informiert?“

„Ich habe nur die Informationen von Mister Toussaint und er sagt, daĂź er von keinen Verwandten weiĂź. Die Ehefrau ist verstorben, es gibt keine Kinder. Möchten Sie, daĂź ich die Verwaltung lebende Verwandten finden lasse?“

„Nein, das dauert zu lange. In dem Beutel sind seine Sachen, suchen Sie nach einem Kalender, ImpfpaĂź oder Organspendeausweis. Vielleicht steht da ja drauf, wer im Notfall zu benachrichtigen ist. Wenn das Sie oder Mister Luna sind, werde ich mal einfach davon ausgehen, daĂź er nichts dagegen hat. Primogen, Sie und ich werden jetzt mal eine grĂĽndliche Untersuchung machen. Mal sehen, was Sie sich gebrochen haben.“

„Wie lange wird das dauern?“

„Ne halbe Stunde, Stunde. Die Behandlung kommt extra.“

„Kann ich dann zuerst meinen Sire anrufen?“

„Tut mir leid, aber das geht nicht. Ich bin an die Nacht gebunden, da selbst alte Meistervampire wie ich nur wenige Minuten in der Sonne aushalten können. Deshalb möchte ich so schnell wie möglich hier fertig werden. Sonst mĂĽssen Sie nächste Nacht wiederkommen.“

„Nein, das ist schon OK:“

Hatte sie sich doch gedacht... Caitlin konnte es nicht vertragen, wenn die Patienten zuerst ihre Sires anriefen. Meistens bekam sie dann eh nur Morddrohungen, fĂĽr den Fall, daĂź sie was bei der Behandlung falsch machen sollte.


Angespannt betrat Cameron das imposante Haus von Julian Luna. Der Brujah-Chef in San Francisco hatte nicht die geringste Lust darauf, den verhaĂźten Prinzen zu sehen - aber im Endeffekt zog er doch seinen Kopf am richtigen Platz vor.

Er kriegte erst den Verdacht, daß etwas nicht stimmte, wenn die Wachen keinen Streit anfingen. Wüßte er es nicht besser, hätte er gedacht, sie waren nicht in der Stimmung. Das Gewühl draußen war ihm schon etwas komisch vorgekommen. Aber vielleicht wurde auch nur der ganze Luna-Fuhrpark herausgekramt, weil die Ventura ein Wettrennen planten. Es hatte ihn auch nicht wirklich interessiert.

Als er aber im Haus das gleiche Chaos vorfand, fing Cameron an, sich Sorgen um den Geisteszustand des Prinzen zu machen. Die sonst so ruhigen Ventura-Diener liefen ihn ein paar Mal fast um, es wurde geschrien, geknurrt und die erfahrenen Diener rissen den neuen andauernd die Koffer aus den Händen, weil sie die falschen genommen hatten. Plante Julian eine Völkerwanderung?

„Hallo Cameron! Kommst Du auch mit?“, fragte Sasha ĂĽberrascht, als er das Arbeitszimmer betrat. Sie war gerade Papiere in einen Aktenkoffer am Stopfen, in den nicht mal die Hälfte passen konnte.

„Wohin mitkommen? Ich suche Julian.“

„Dann stell Dich hinten an und zieh ne Nummer“, ächzte Sasha. „Ich bin schon seit einer halben Stunde auf der Suche nach Onkel Julian. Ich will unbedingt mit. WofĂĽr bist Du hier, wenn nicht, um Dich der Reisegruppe anzuschlieĂźen?“

„FĂĽr das gleiche Thema, Sasha. Ich wollte ihm nur sagen kommen, daĂź ich fĂĽr ungefähr eine Woche nicht in der Stadt sein werde.“

„Und wohin geht’s?“, fragte Julian plötzlich.

Obwohl Julians Stimme - sicher mit Hintergedanken - freundlich, ja fast schon kameradschaftlich, gewesen war, zuckte Cameron zusammen. Wie er es haĂźte, wenn sich der verdammte Ventura anschlich! Zu seiner Erleichterung sprang Sasha vor Schreck fast an die Decke - so wĂĽrde der Spott geteilt werden. „Spielt das eine Rolle?“

„Sasha, kannst Du uns bitte einen Moment entschuldigen.“

„Klar, Onkel Julian. Ich darf doch mit, oder?“ Bevor ihr Onkel etwas erwidern konnte, hatte Sasha die TĂĽr hinter sich geschlossen.

Für einen Sekundenbruchteil war Julians Unzufriedenheit sichtbar. Es war keine Erholungsreise und auch kein Ort für seine Nichte. Aber was sollte er machen gegen ihre Bettelei? Und wenn er jetzt Sasha nach ging, würde Cameron einfach so abhauen. Und das wäre schlecht. Sehr, sehr schlecht... Hatte er das wirklich gedacht? Entweder wurde er krank oder er hatte eine Gehirnwäsche bekommen, daß er den entnervenden Brujah länger im Haus haben wollte, als nötig.

„Ich habe nicht den ganzen Abend Zeit“, grummelte Cameron. Wenn er schon die Höflichkeit hatte, ihn um Erlaubnis zu bitten, muĂźte er doch nicht auch noch seine DemĂĽtigung verlängern!

„Ja, es ist wichtig. Ich muĂź wissen, wo ich Dich erreichen kann.“

„Sind wir etwa ein biĂźchen ĂĽberreizt heute?“

„Ich bin nicht ĂĽberreizt. Ich bin angespannt. Und ich möchte so schnell wie möglich dieses Gespräch beenden, damit ich fahren kann.“

Cameron liebte es, Spielchen mit Julian zu treiben. Aber er hatte keinen Todeswunsch. „Ich fahre meine Freundin besuchen.“

„Lara?“

„Ich halte keinen Harem.“

Okay, das war wirklich eine dumme Frage gewesen. Aber er muĂźte sich ganz sicher sein, bevor er sich noch unnötig erniedrigte. „Das trifft sich gut. Ich muĂź ebenfalls nach Sunnydale.“

Der Brujah starrte den dunkelhaarigen Ventura an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen und er hätte freudestrahlend verkündet, daß die Welt in 10 Sekunden zerstört werden würde. Cameron konnte nicht ganz Schock, Panik und Angst verbergen. Und diesmal hatte er kein Problem damit, seine Befürchtungen zu zeigen. Es war keine Schande, vor der Union zu zittern - es war der Beweis, daß man ein Gehirn besaß...

„Das... das ist Wahnsinn! Julian, selbst Du kannst nicht so arrogant sein, zu glauben, daĂź Du die Union besiegen kannst! Jeder kleine Prätorianergardist kann eine ganze Armee von Blutsverwandten besiegen! Ganz abgesehen davon, daĂź sie höchstwahrscheinlich die mächtigste Vereinigung der Erde sind, ihre Magier eine Macht besitzen, die uns auf den Entwicklungsstand von Amöben setzt, sie Kommandos haben und sie alle Blutsverwandten in San Francisco als Auftakt ihrer Rache ausrotten werden!

Spike wurde von der Union als Meister von Sunnydale akzeptiert. Sowohl Michael McKee als auch Xander Harris haben ihm die Blutsverwandten als Geschenk gegeben. Wenn Du Prinz vom Höllenschlund werden willst, dann hättest Du das machen sollen, bevor die Union die Kontrolle ĂĽber Sunnydale ĂĽbernahm. Die Brujah werden sich nicht an einer solch selbstmörderischen Aktion beteiligen!“

Julian hatte nichts anderes als einen Panikanfall erwartet. Wäre er nicht schon tot, hätte er einen Herzschlag bekommen, als Sonny ihn anrief und gestand, daß sie in Sunnydale waren. Da war Franks Bekehrung ganz untergegangen. Er konnte es dem Brujah nicht mal übelnehmen, daß er so deutlich geworden war. Nicht mal ein Wahnsinniger würde sich mit der Union anlegen. Die Unionsleute waren dafür einfach eine Masse zu mächtig, zu vermögend, zu einflußreich und zu brutal...

„Nein, nein, keine Sorge, Cameron. Ich möchte nicht Sunnydale ĂĽbernehmen. Wie kommst Du auf diese Idee?“ Der Prinz konnte seine EntrĂĽstung nicht ganz verbergen. Konnte Cameron ihn wirklich fĂĽr SOO dumm halten?

Cameron atmete erst mal erleichtert auf. „Es war die einzige SchluĂźfolgerung. Du räumst Dein ganzes Haus leer und willst dringend nach Sunnydale.“

„Sunnydale ist näher an Los Angeles als San Francisco. Wenn ĂĽberhaupt ein Blutsverwandter Anspruch darauf hat, dann der Prinz von Los Angeles. AuĂźerdem hätte sich die Union an sie gewendet, wenn sie einen Prinz wollten. Immerhin ist doch ein Brujah Prinz und die Union hat groĂźen Respekt vor den Brujah.“

Wo er Recht hatte, hatte er Recht... „Was willst Du dann in Sunnydale, Julian? Es ist kein gutes Pflaster fĂĽr Nicht-Unionsmitglieder. AuĂźerdem lebt dort eine Jägerin, die sehr pfählfreudig und die Beste seit Jahrhunderten ist. Sie kam mit 16 nach Sunnydale und jetzt ist sie 21.“

Es ärgerte ihn, daĂź sein Clan-Chef mehr wuĂźte, als er selbst. Aber besser er wuĂźte es, als keiner von ihnen. Also atmete Julian tief durch und ergab sich seinem Schicksal. „Du weiĂźt sehr viel ĂĽber Sunnydale und die Bewohner. Sogar ĂĽber die Union. Deshalb möchte ich, daĂź Du mich begleitest, Cameron. Wir können zusammen fahren.“

„Du willst meine Hilfe?“

„Frank Kohanek wurde letzte Nacht von einem Vampir bekehrt. Ich muĂź dorthin. Bevor er erwacht. Nur, wenn ich ihn bei seinem Aufwachen abfange, kann ich sicher sein, daĂź er nicht die Maskerade gefährdet. Und ich bin nicht in der Stimmung fĂĽr Deine Spielchen.“

„Ich fahre mit meinem eigenen Wagen. Wir treffen uns im Sunnydale Inn. Es ist gut möglich, daĂź dort keine Zimmer mehr frei sind. Es ist ein Hotel der Union und da sie oft Veranstaltungen haben, muĂź man normalerweise zwei Monate im Voraus buchen.“

„Und...?“

„Wenn Du von einem Präfekten eingeladen bist, machen sie Platz. Und wenn sie andere Gäste umbringen mĂĽssen... Wenn Du keinen kennst, bitte ich Lara um eine Einladung von Präfekt Harris. Aber fĂĽr mehr als fĂĽnf Personen kriegt sie nichts. Der Rest wird in einer Gruft wohnen mĂĽssen. Die Vampire leben normalerweise dort. Da Du aber keine Rechte in der Vampirhierarchie hast, wirst Du Dich fĂĽr eine gute einem Duell auf Leben und Tod stellen mĂĽssen. Oder Du brauchst Beziehungen.“

„Ich versuche McKee. Wenn Du bis Sonnenaufgang nicht dort bist...“

„Versuch erst gar nicht, Waffen ins Hotel reinzunehmen. Und wenn Du Dich gegen die Wachen wehrst, werden sie Dich töten.“

„Danke fĂĽr die Warnung.“


Kapitel 2

Erst kurz vor Sonnenaufgang schlenderte Cameron demonstrativ unbekĂĽmmert in die Vorhalle des Sunnydale Inn. Als er seine Habseligkeiten an der Rezeption abgab, hatte er einen Pagen gebeten, eine Nachricht auf Julians Zimmer zu bringen. Den Rest der Nacht verbrachte er ohne Sorgen mit Lara - immerhin hatte er einen Beweis, daĂź er schon lange vor Sonnenaufgang in Sunnydale angekommen war...

„Schön, Dich zu sehen, Cameron“, grĂĽĂźte Julian einen Tick zu freundlich, um den Brujah sich sicher fĂĽhlen zu lassen.

„Die Freude ist ganz meinerseits, Julian.“ Mit einem leichten Nicken ermutigte er Lara, zu ihnen zu kommen.

Mit einem leichten Lächeln näherte sich Lara den zwei Männern. Sie hatte viel ĂĽber den Prinzen gehört und nichts davon war schmeichelhaft - was ihn fĂĽr sie zu einem interesssanten Mann machte. Nicht, daĂź sie ihrem Freund in solchen Sachen traute. So sehr sie ihn auch liebte, zweifelte sie seine Urteilsfähigkeit an, was die Ventura betraf. Mit unverkennbarem italienischen Akzent und einer Prise Arroganz sagte Lara, „guten Morgen. Ich vermute, Sie sind der Boss?“

Julian lieĂź sich nichts von seiner Ăśberraschung anmerken. Die junge Frau, die Cameron nur sehr vage beschrieben hatte, war eine dunkle Schönheit. Hätte sie nicht so einen schlechten Geschmack bei ihren Männern, wĂĽrde er neidisch sein... „Das ist korrekt. Julian Luna, Prinz von San Francisco.“

„Lara de Amato, Zivile Angestellte der Prätorianischen Garde.“

„Freut mich, Miss de Amato.“

„Gardistin, Prinz“, korrigierte Lara den Ventura mit einem sanften Lächeln. Durch ihre gute Menschenkenntnis und noch bessere Ausbildung bei den Prätorianern, entging ihr Julians Verwirrung nicht. Wenn er ein strohdummes Groupie im Bikini erwartet hatte, daĂź sich ihm anbiederte, um eine bessere Partie zu machen, muĂźte er eben noch eine Menge ĂĽber die de Amatos lernen...

„Entschuldigen Sie bitte. Cameron, wir mĂĽssen uns unterhalten.“

„Eile ist unnötig, Prinz Luna. Frank Kohanek wird frĂĽhestens nach 36 Stunden aufwachen. Da das am Tag ist, geschieht es nach Sonnenuntergang. Seine Verletzungen sind zu schwer fĂĽr die normale Zeit.“ Als beide Männer sie verblĂĽfft ansahen, zuckte Lara nur mit den Schultern. „Wenn man Sekretärin des Präfekten ist, bekommt man alles mit. AuĂźerdem hatte ich eine Tasse Kaffee mit Doktor McKee und Mister Toussaint bis Cameron mich abholte.“

„Sie sollten sich nicht in Angelegenheiten der Blutsverwandten einmischen.“

„Was sonst, Prinz? Sie töten mich, weil ich die Maskerade gefährden? Ich bitte Sie! Am dritten Tag der Grundausbildung lernt jeder Prätorianer ĂĽber die Blutsverwandten! Jeder neugeborene Vampir kann ein Referat ĂĽber Ihre Rasse schreiben. Sie sind geheim, wir sind noch geheimer. Da ist es ganz selbstverständlich, daĂź wir ĂĽberall unsere Leute haben. Wir mĂĽssen sicherstellen, daĂź Sie nicht zu viel ĂĽber uns erfahren.

Wachen Sie auf, Julian Luna! Sie müssen lernen, daß dies nicht Ihre Stadt ist. Je eher Sie es lernen, desto besser sind Ihre Chancen, zu überleben. Wenn, dann ist Sunnydale Brujah-Territorium. Die Leute von LA sind dicke Freunde mit unseren Bossen. Und da diese Stadt mit Unions-Segen von Meister Spike beherrscht wird, sind Sie hier nur ein einfacher Blutsauger - so wie Hunderte andere auch. In Sunnyydale zählt nicht, welchen Titel Sie tragen und ob die Leute Ihre Hand küssen. Hier brauchen Sie drei Dinge: Beziehungen, Leute, die Ihnen was schulden und einen Lieblingspflock!

Sie sind ein Gott in San Francisco - weil die Präfekte es ihnen erlauben. Wenn Sie einen Lover haben, verwette ich meine Seele darauf, daĂź der Geheimdienst irgendwo in den unendlichen Weiten ihrer Archive Notizen hat, wie oft sie sich am Tag die Nase gepudert hat!“

Cameron beobachtete seine Freundin voller Stolz. Es ging doch nichts über das Geschick der Union, mit furchterregender Präzision immer den mächtigen Leuten einen Dämpfer zu verpassen. Zugegeben, er hatte auch schon öfters am austeilenden Ende der Wolke Arroganz, die über ihnen schwebte, gestanden, aber Julian Lunas Gesichtsausdruck war es wert.

Kein Wunder, daß Cameron diese Frau liebte, dachte sich Julian. Sie war mutig wie ein Löwe, hatte keine Angst vor großen Namen und ein Talent, die Leute mit der Wahrheit wie einer Ohrfeige zu treffen. Aber so leicht ließ er sich nicht besiegen.

Als sie einen finsteren Blick zugeworfen bekam, lachte Lara nur leicht. „Sie glauben, damit können Sie mir Angst machen? Ich verrate Ihnen was: Jeden Morgen kommt mein Chef mit einer zehnmal schlimmeren Laune ins BĂĽro. Die Frau meines Chefs will mich tot sehen und ich werde jede Nacht mindestens zweimal angegriffen. Ich habe nicht mal mehr Angst vor einem Chaosdämon mit Akne, also kommen Sie mir nicht so.“

„Sie haben ein gutes Training erhalten“, war Julians unterkĂĽhlte Antwort.

„Ja, das habe ich. Und ein Teil davon war, mich nicht einschĂĽchtern zu lassen. Ein anderer war, Schmerzen zu ignorieren. Man hat mich zehn Wochen am StĂĽck lang gefoltert, bevor ich den Job bekam. So ziemlich die gefährlichsten Vampire aller Zeiten haben versucht, mich in den Wahnsinn zu treiben. Am Ende hab ich sie mit meiner Plapperei wahnsinnig gemacht. War schon mal ein Kopfgeld von einer Milliarde Dollar auf Sie ausgesetzt? Dann werden Sie mich nämlich verstehen.“

Er hatte das menschliche Mädchen definitiv unterschätzt. So zart sie auch aussah, sie hatte einen eisernen Willen. Und da Unionsmitglieder nicht zu hypnotisieren waren, mußte er zugeben, am Ende seiner Macht angekommen zu sein. Alles andere würde dem Prinzen nur die Rache der Union verschaffen.

Und eigentlich wollte Julian ihr auch gar nicht weh tun. Er war froh, daß Cameron eine Freundin gefunden hatte, die jedem Blutsverwandten das Wasser reichen mußte. Immerhin hatten sich seine Befürchtungen, sie könnte ein Opfer von Camerons Selbstsucht werden, als haltlos herausgestellt. Vielmehr mußte er sich Sorgen machen, daß Lara de Amato seinem Brujah-Boss das bißchen Selbstvertrauen nahm, das er selbst ihm gelassen hatte...

Mit einem leichten Grinsen meinte Julian, „ich bin froh, daĂź Cameron eine Frau gefunden hat, die ihm ebenbĂĽrtig ist. Wenigstens werde ich mir keine Sorgen darum machen mĂĽssen, wie ich Sie beschĂĽtze.“

„Ja, die Chancen, daĂź das nötig wird, liegen bei eins zu 100. Aber wenn ich mal Ihre Hilfe brauche, werde ich mich nicht scheuen, zu Ihnen zu kommen. Immerhin hatte ich viel Arbeit, weil Sie es vermasselt haben, Ihren Menschen und Ihr Childe vom Friedhof fernzuhalten. In Zukunft lassen Sie bitte Ihre Lover nicht mehr so nah an die Stätten der Untoten kommen. Das bringt nur Ă„rger und womöglich noch einen Machtkampf“, meinte Lara kopfschĂĽttelnd.

„Sprechen wir noch ĂĽber Frank Kohanek?“

„NatĂĽrlich! Oder ist er nicht Ihr Lebensgefährte?“

Julian warf Cameron einen fragenden Blick zu. Vielleicht verwechselte sie ja etwas mit Alexandra - immerhin war sie sowohl Franks als auch seine Freundin gewesen. Der Brujah war genauso ratlos. „Ich bin Single, Gardistin de Amato.“

„Ex-Freund?“

„Ich hatte nie eine romantische Beziehung mit Frank. Ich kann ihn nicht mal leiden.“ Eine kleine LĂĽge muĂźte erlaubt sein. SchlieĂźlich sollte Cameron nicht erfahren, daĂź er die Bekehrung des Polizisten durchaus persönlich nahm. Dann wĂĽrde Frank keinen weiteren Tag ĂĽberleben.

„Mal geknutscht mit? Oder irgend etwas, das irgendwie irgend jemand auf die Idee bringen könnte, daĂź er Ihr Freund ist?“

„Nein.“

„Dann haben die Idioten von der Verwaltung mal wieder geschlampt. Manche haben so Checklisten, was sie alles in die Informationsreporte schreiben mĂĽssen, damit niemand merkt, daĂź sie gar nicht gearbeitet haben. Dann schreiben sie das erste, das ihnen einfällt“, gestand Lara. „Und da Sie Mister Kohanek beschĂĽtzen, dachten sie wohl, sie hätten eine salomonische Lösung gefunden. Sonst hätte ja der Vorgesetzte fragen können, weshalb...“

„Ich verstehe.“ Wenigstens änderten sich ein paar Dinge nie - egal, wo und egal, wer die Arbeit machte... Und irgendwie beruhigte es Julian, daĂź sich sogar die Ăśberwesen der Union mit faulen Arbeitskräften rumschlagen muĂźten.

„Danke, ich schulde Ihnen was dafĂĽr, daĂź Sie dieses MiĂźverständnis aufgeklärt haben.“

„Weshalb ist es so wichtig?“

„Als Lebensgefährte wären bei Ihnen die Ă„rzte nach unserem Recht von der Ă„rztlichen Schweigepflicht entbunden gewesen. Das hätte sehr viel Ă„rger gegeben, wenn es herausgekommen wäre. Die Ermittlungen ĂĽber Sie hat nämlich mein groĂźer Bruder geleitet. Jetzt kann ich ihm sagen, die Zeile Beziehungen einfach diskret zu löschen. Und... ich habe Erpressungsmaterial, wenn er mich bei Dad verpetzen will! So, meine Herren, jetzt werde ich Sie mal alleine lassen.“

„Du muĂźt schon gehen?“

„Tja, ich habe noch eine Menge Arbeit vor mir. Ich muĂź die Nacht nachholen. Wiedersehen.“ Cameron gab sie zum Abschied einen langen KuĂź, Julian bekam ein kurzes Kopfnicken.

„Es wird hell und ich bin mĂĽde. Was willst Du wissen?“

Julian fĂĽhlte selbst die Anstrengung der letzten Stunde. Weil es immer eine Menge Willenskraft verlangte, Cameron nicht zu töten, wollte er lieber bis zu Sonnenuntergang warten. „Ich glaube, wir können das auch heute Nachmittag machen. Wir treffen uns um drei Uhr im Restaurant.“


„Guten Abend, mein alter Freund“, schnurrte Ethan Rayne, als er die Gruft des Meistervampirs Darren betrat. Die Selbstsicherheit in Person, schritt der dunkle Magier zu dem Sarkophag, auf dem der Vampir saĂź.

Im Vampirgesicht knurrte Darren den Menschen an. „Was willst Du hier?!“

„Oh, wir haben heute aber schlechte Laune! Was ist los, Darren? Hast Du Angst bekommen? Oder sitzt Dir die Jägerin schon im Nacken?“

„Die Union! EINE EINZIGE Unionsfrau hat gestern sieben meiner Leute getötet! Darunter auch eines meiner Childes!“

„Wie konnte das passieren? Hab ich Dir nicht AUSDRĂśCKLICH gesagt, Du solltest Dich im Hintergrund halten!“

„Adelaide hatte einen Blutsverwandten gefunden.“

„Du Idiot! Ich habe gesagt, Du sollst nur einen Blutsverwandten nehmen, der nicht zur Union oder zur Jägerin gehört! Warum hat sie ihn nicht einfach verfolgt? So, wie ich es Dir gesagt habe!“, tobte Ethan.

„Sie... äh... wollte ihn schon mal herbringen, damit Du ihn Dir ansehen kannst, wenn Du kommst, Ethan. Er war in Begleitung eines Menschen und ich hatte versprochen, daĂź derjenige, der mir einen Blutsverwandten bringt, ein Childe machen darf. Sie wollte diesen Menschen haben.“

„Na also! Du hast ein Childe verloren und ein neues gewonnen. Vielleicht ist dieser Mensch ja sogar kein Taugenichts.“

„Sie hat ihn direkt umgewandelt. Deshalb hat ihn die Union jetzt. Er gehört MIR! Adelaide hat ihn gemacht und deshalb soll ICH ihn haben! Nicht die Union!“, schrie Darren in Rage. WĂĽtend find er an, seine Gruft zu zertrĂĽmmern.

„Nein, Darren! Du wirst nicht die Kontrolle verlieren!“

„Geb mir keine Befehle, Mensch!“

„Doch! Wir haben größere Ziele! Wenn wir den Zauber gemacht haben und eine wĂĽrdige Opfergabe haben, dann wird die Union bald auf den Knien zu uns kommen und betteln, daĂź wir einen Gefallen von ihnen verlangen. Willst Du das kaputtmachen? Nur, weil Du ein Childe vorĂĽbergehend verloren hast? Wenn wir die Union und die Jägerin erst einmal zerstört haben, dann werde ich Dein neues Childe sogar in der Magie unterrichten. Was hältst Du davon? Ist das kein Angebot?“

„Wieso solltest Du das machen?“

„Ich brauche Deine Hilfe, Darren. Ohne Dich geht es nicht. Also ist es doch nur logisch, daĂź ich Dir etwas gebe, was Dich an mich binden wird, findest Du nicht?“

„Ja, ja. Ich werde mich ja schon beruhigen. Aber Du muĂźt Dein Versprechen halten, sonst töte ich Dich, Mensch!“

„NatĂĽrlich, Darren. Ich gebe Dir mein Wort. Und bei Freunden breche ich es niemals.“ Wie konnte der Vampir nur so dumm sein? Wenn er erst einmal mit seiner Hilfe die Union vernichtet hatte, dann wĂĽrde er ihn nicht mehr brauchen...

„Gut. Ich werde Dir den Blutsverwandten besorgen, dann erschaffst Du den Dämon, wir opfern ihm den und Dein Dämon wird die Union fĂĽr uns zerstören. Dann bekomme ich mein Childe zurĂĽck und Du wirst ihn in den KĂĽnsten der Magie unterrichten.

Dummkopf! MuĂźte er immer das letzte Wort haben, oder was? „Ganz genau. Und ich habe eine sehr wichtige Aufgabe fĂĽr Dich: Du muĂźt den Blutsverwandten wiederfinden. Wahrscheinlich wird er im Sunnydale Inn wohnen. Solange es möglich ist, wirst Du ihn nur beschatten. Ich möchte so viel wie möglich ĂĽber ihn wissen. Wenn er miĂźtrauisch wird, kidnappst Du ihn, aber je länger wir warten können, desto besser.“

„Das ist einfach. Wann bekomme ich mein Childe zurĂĽck?“

„Sobald wir die Union zerstört haben.“

„Aber ich will meinen Jungen sofort! Er soll meinen Triumph sehen. AuĂźerdem wird man ihn bei der Union verderben.“

„Gerade hatten wir das erst abgemacht“, stöhnte Ethan. Wie konnte jemand nur so dumm sein?

„Ich habe es mir eben anders ĂĽberlegt! Ich will mein Childe haben, bevor die Union es kaputtmacht. Ich will es selbst formen.“

Dies gab Ethan eine neue Idee. Darren schien sein neues Childe gern zu haben. Jetzt konnte er endlich einen Keil zwischen den Meister und seinen Clan treiben. „VergiĂźt Du nicht eine Kleinigkeit? Es ist Adelaides Childe. Sie wird es ganz sicher fĂĽr sich beanspruchen. Immerhin hast Du ihr erlaubt, ein Childe zu machen, wenn sie Dir einen Blutsverwandten bringt.“

„Ja, genau! Ich habe ihr erlaubt, ein Childe zu machen, wenn sie mir einen Blutsverwandten BRINGT. Aber sie hat ihn verloren! Diese Idiotin hat eine so einfache Aufgabe wie Kidnapping vermasselt! Und deshalb gehört das Childe mir!“ Darren lachte triumphal.

Er hatte den jungen Mann letzte Nacht gesehen und war imponiert gewesen von seinem Mut, seiner Hartnäckigkeit. Obwohl der Mann nicht von ihm gemacht wurde, war es doch sein Blut. Und da die ganze Familie wahnsinnig war, er niemandem vertrauen konnte, würde er sich nicht die Chance auf ein geistig und körperlich gesundes Childe entgehen lassen, daß seine rechte Hand werden konnte. Wenn Adelaide ihn nicht freiwillig ihm übergab, würde sie eben einen bedauernswerten Unfall haben...

Ethan war sich absolut sicher, daß seine Intrige funktionieren würde. Darren war nur mit seinen Kämpfern stark, alleine war er eine Null. Und wenn er sich von Adelaide abwendete, ihr das höchstpersönlich erlaubte Childe aus fadenscheinigen Gründe nahm, würden auch die anderen Angst um ihren Besitz bekommen...


Caitlin, Olympia, Angelus, Julian, Cash, Cameron und Sonny saßen im Halbkreis um Franks Bett. Die sorgfältigen Vorbereitungen waren abgeschlossen, jetzt mußte der junge Vampir nur noch erwachen...

Da sie sowieso aus Sicherheitsgründen keine spitzen, langen Holzgegenstände hatten und die anderen brauchten, ließ Caitlin den Blutsverwandten kugelsichere Westen verpassen. Auch in einem Unionshospital mit hauptsächlich ambulanter Behandlung brauchte man nun mal Kulis, Spritzen und Scheren. Bewaffnet waren sie alle mit langen Messern - die aber nicht lang genug waren, einen Kopf abzuschneiden - Pistolen und Elektroschockgewehren, wie die Initiative sie benutzte.

Obwohl die Menschen sehr gerne dabei sein wollten, mußten sie diese Nacht frei nehmen. Auch die Garden, die vor dem Hospital patrouillierten, waren keine Menschen. Buffy hatte gebettelt und damit argumentiert, daß sie die Jägerin war. Als Cat es ihr erlaubte, wollte Willow auch mit und damit war dieses Thema abgehakt - sie wollte einfach nicht Gefahr laufen, daß ihre Freunde auf der Speisekarte landeten. Bei Dan war es anders gewesen, sie kannten ihn alle, seine Umwandlung war geplant, er hatte sich umgewandelt. Über Franks verborgene Aggressionen wußte keiner von ihnen etwas.

Damit der junge Vampir etwas zu essen hatte, ließen sie extra viele Blutpackungen und einen Verbrecher ankarren. Wenn Frank schon etwas frisches brauchte, wollten sie die Gewissensbisse nachher möglichst gering halten. Wenn es einfach nicht ging mit Frank, dann mußten sie ihm eben die Seele wiedergeben. Aber zuerst wollten sie es mit dem Dämon versuchen.

„Wenn Sie noch etwas grimmiger dreinschauen, dann wecken Sie allein Frank damit auf“, neckte Caitlin den blonden Gangrel.

Für Cat McKee war es eine schöne Comedy-Show. Sire und Childe saßen nebeneinander, Cash beobachtete die Szene aus einer Ecke zwischen Frank und seinem Prinzen. Olympia saß so weit entfernt von den Blutsverwandten, wie möglich. Sie warf ihnen tödliche Blicke zu und knurrte gelegentlich. Das wiederum fand Cameron lustig, der sich mit Angelus über die besten Foltertechniken unterhielt. So weit entfernt von Julian, wie möglich. Sie durfte zwischen den ganzen Gruppen bilden.

Cash funkelte Cameron und Olympia wĂĽtend an, die spöttisch lachten. „Stört es Sie?“, fragte er leicht genervt. Er machte sich Sorgen, in welche Schwierigkeiten sich Sasha in der Zwischenzeit wieder brachte. Wenn er sie doch nur hätte mitbringen können... Aber Julian hatte Recht, es war zu gefährlich. Und er liebte seine Freundin zu sehr, um sie willentlich in eine solche Gefahr zu bringen.

„Jetzt seien Sie doch nicht so humorlos, Junge! Ich hab nur einen SpaĂź gemacht, kein Grund, sich gleich aufzuregen. Ich weiĂź, die Frage ist nicht gerade subtil, aber wenn Subtilität bedeutet, daĂź ich mich verstellen muĂź, kann ich drauf verzichten: Haben Sie eine Freundin?“

„Ja.“

Neugierig setzte sich Caitlin neben ihn auf einen leeren Stuhl. „Und? Ist sie sĂĽĂź?“, fragte sie strahlend. Sie flĂĽsterte so leise, daĂź Julian es nicht hören konnte. Durch den Geheimdienst wuĂźte sie, daĂź er mit Julians Verwandter zusammen war.

Verlegen nickte Cash. Es war ihm etwas unangenehm, mit McKee darĂĽber zu sprechen.

„Erzählen Sie mir bitte von ihr. Bitte?“

Wenigstens war die Vampirin eine Ablenkung... „Wir sind sechs Jahre zusammen. Ihr Name ist Sasha Luna. Sie war Julians letzte menschliche Verwandte“, antwortete Cash genauso leise.

„Ist sie eine Blutsverwandte, Unsterbliche oder Vampirin?“

„Blutsverwandte.“

„Auch eine Gangrel?“

„Sie ist Brujah“, gestand der Gangrel zögerlich. Er wollte nicht, daĂź McKee ihn verachtete, aber besser sie lernte jetzt die Wahrheit, als von Sasha. Seine Freundin wĂĽrde sicher ausrasten, wenn sie eine abwertende Bemerkung bekam.

Caitlin schlug vor Begeisterung ihre Hände vor die Brust. „Das ist ja so romantisch!“, seufzte sie. „Akzeptieren Ihre Clans es?“

„Nein.“

„Das tut mir leid. Ich weiĂź, wie es ist, wenn niemand den Partner akzeptiert. Mein Ex-Ehemann, Angelus, wurde auch nicht wirklich von meiner Familie akzeptiert. Mein verstorbener Mann war nämlich auch mein Sire. Sie sagten, er wäre ein Barbar. Aber ich liebte ihn. Als er seine Seele bekam, akzeptierten die anderen Vampire ihn nicht, weil er nicht töten mochte. Aber wenn Sie schon sechs Jahre zusammen sind, dann werden Sie es schaffen.“

„Wir haben uns dran gewöhnt. Aber manchmal leidet Sasha noch darunter.“

„Das kann ich gut verstehen. Man will sich dran gewöhnen, aber immer, wenn man denkt, es kann nicht gemeiner werden, dann wird es noch eine Spur gemeiner. Als...“

Ruckartig stand Olympia auf. Sie konnte es nicht leiden, daĂź Caitlin sich mit einem ihrer Art unterhielt. Sie schmollte, „Caitlin! Ich brauche meine Barriere zurĂĽck! Die Blödians sehen mich immer so an!“

„Oder man wird zu Tode genervt!“, kommentierte Caitlin laut zu Cash. „Olympia, jetzt stell Dich nicht so an! Du bist eine Blutsverwandte, sogar eine Brujah, Du solltest keine Angst haben vor ein paar Blicken“, rĂĽgte Cat sie.

„Ich hab keine Angst! Und ich will keine Blutsverwandte sein! Ich hab es nie gewollt und ich will es nicht! Und wenn Du noch mal so was gemeines sagst, dann geh ich! Entweder ich bin hier willkommen oder nicht, entscheide Dich!“

Die HĂĽterin wuĂźte, daĂź Olympia kurz vor einem Wutanfall oder Weinkrampf stand. Da sie weder ihr Hospital kurz und klein gehackt kriegen, noch die Brujah sich erniedrigen lassen wollte, setzte sie sich neben Olympia. „Hey, es ist in Ordnung, SĂĽĂźe. Niemand wird Dir was tun. Sag mir einfach, wer Dich gemein angeguckt hat und wenn Du willst, dann prĂĽgele ich die zusammen und verzaubere sie so, daĂź sie einen Tag nicht lĂĽgen können. Wie in dem Film, ja?“

„Cool!“ Sie gab Cat einen Schmatz auf die Wange. „Du bist die Beste, Kitten! Aber die haben mich alle so angesehen wie... richtig als ob sie mich hassen. Kann ich bitte nach Hause gehen? Ich bin doch nur hiergeblieben, weil Du mich darum gebeten hast.“

„Ich weiĂź, daĂź es schwer fĂĽr Dich ist, Schätzchen, aber ich brauche Dich heute noch dringender als sonst. Sieh mal, wenn Du gehst, dann muĂź ich jemand anderes rufen. Und Du magst Willow doch, nicht wahr?“

„Du, Angelus und Willow, Ihr seid meine einzigen Freunde.“

„Danke, SĂĽĂźe, das hast Du ganz lieb gesagt. Ich... okay, ich schweife vom Thema ab. Das ist schlecht. Sehr schlecht sogar. Wo war ich dran?“

„Willow.“

„Ah ja, ich erinnere mich wieder. Willow wird viel gefährdeter sein als Du. Sie ist ein Mensch. Frank wird sie vielleicht angreifen. Und sie hatte schon so eine schwere Zeit mit Dan, ich möchte ihr das einfach nicht noch mal antun. Du bist eine starke junge Frau, viel stärker und gefestigter als Willow.“ Als sie jemand aus den Blutsverwandten-Reihen schnauben hörte, sprang Caitlin im Vampirgesicht auf. „WER WAR DAS?! Wenn Sie es nicht sagen, bringe ich alle von Ihnen um!“

Etwas ängstlich hob Sonny die Hand. „Entschuldigung, ich hab’s nicht so gemeint.“ Julian warf ihm einen miĂźbilligenden Blick zu. Von Cameron glaubte er, ein Knurren zu hören. Konnte aber auch das von diesem unheimlichen Kerl Angelus sein. Und sie alle hatten Recht. Olympia hatte sein Leben gerettet, sie verdiente mehr.

„Leg Dich lieber nicht mit mir an, JĂĽngelchen! Ich nehme es sehr persönlich, wenn jemand meine Freunde beleidigt!“ Auf dem Weg zurĂĽck zu Olympia schnaubte Caitlin verächtlich, „Männer...!“

Ehrlich zerknirscht kam Sonny zu Olympias Ecke. „Es tut mir wirklich leid. Ich bin so gewöhnt, Brujah zu hassen...“

Olympia tat genervt. „Ist ja schon gut, Ventura! Jetzt verlier Du mal nicht die Kontrolle, Caitlin wird Dich schon nicht verhexen. Zumindest nicht, solange wir noch hier sind“, fĂĽgte sie grinsend hinzu.

„Okay. Ich wollte nur, daĂź Du das weiĂźt.“

„Ja, jetzt weiĂź ich es. Nun geh zurĂĽck zu Deinem Platz und laĂź mich in Ruhe. Das nächste Mal werde ich Dein elendes Leben nicht mehr retten, Ventura!“ Ganz konnte Olympia die Kränkung nicht verbergen - sie war nun mal keine gute Schauspielerin und sie hatte es auch nie sein wollen. Die Brujah hatte wirklich gehofft, daĂź Sonny Toussaint nicht so war wie die anderen. Jetzt rĂĽgte sie sich selbst fĂĽr ihre Naivität. Wie konnte sie nur denken, er wäre anders? Sie hatte dem Mann das Leben gerettet und jetzt verhielt er sich so, wie die anderen Brujah ihr von den Ventrue erzählt hatten.

Sonny warf einen letzten Blick auf die schöne Brujah, dann ging er zurück zu seinem Platz. Dann lernte er mal eine schöne, intelligente Frau kennen, die sogar Blutsverwandte war und was tat er? Vergraulte sie direkt...

„Ă„hm... äh... hallo? Kann sich mal jemand um mich kĂĽmmern?“, fragte Frank plötzlich. Seine Stimme war noch schwach und er hatte die Augen nur einen Spalt geöffnet, sonst schien er aber OK zu sein.

Vorsichtig - um ihn nicht zu erschrecken und seinen Jagdinstinkt auszulösen - ging Caitlin ans Bett. Sie wechselte vor seinen Augen ins Vampirgesicht. Das verringerte die Chancen, daĂź er sie als Futter ansah. „Guten Abend, Mister Kohanek.“

„Was machen Sie hier?“

„Ich bin Meistervampirin Doktor Caitlin McKee, Leiterin des Hospitals, in das Sie und Mister Toussaint gebracht wurden. AuĂźerdem bin ich HĂĽterin der Union.“

Es war keine Beunruhigung mehr zu sehen auf Franks Gesicht, fiel Julian auf. Er nahm es ganz gelassen und als selbstverständlich hin, daß er Small Talk mit einer Meisterin hatte. Das konnte kein gutes Zeichen sein...

„Oh, ja, ich erinnere mich. Eine verrĂĽckte hat an meinem Hals rumgekaut und dann gab sie mir irgendwas gut schmeckendes zu trinken.“

„Ganz genau. Wissen Sie, was Sie sind?“

„Ich habe Hunger. Geben Sie mir jemand zu essen?“

„Später, Junge. Zuerst wirst Du meine Fragen beantworten. Siehst Du den dunkelhaarigen Herrn im schwarzen Mantel da hinten?“

„Sie meinen den, der sich mit Cameron unterhält?“

„Ja, ganz genau den.“ Caitlin lieĂź sich nichts von ihrer Erleichterung anmerken, daĂź sich Frank schon an sein menschliches Leben bewuĂźt erinnerte. Manchmal folgten die Jungen nur ihren Instinkten. Das waren die gefährlichsten. Aber sie konnte noch nicht Entwarnung geben, nur, weil Frank seinen Hunger zĂĽgelte und sich mit ihr normal unterhalten konnte.

„Was ist mit ihm?“

„Sein Name ist Angelus. Er ist auch ein Meister und Unionsmitglied. Ein sehr, sehr berĂĽchtigter Meister ist er, den Untote und Lebende gleichermaĂźen fĂĽrchten. Er ist fast so alt wie ich. Wir beide sind von der gleichen Art. Du muĂźt uns gehorchen, Frank. So ist es schon immer gewesen und so wird es fĂĽr immer sein. Die jungen gehorchen den alten, sie dienen ihnen. Ich habe die Verantwortung fĂĽr Dich ĂĽbernommen. Das bedeutet, Du wirst mir unbedingt gehorchen. Genauso wirst Du Spike gehorchen. Er ist der Meister dieser Stadt.“

„So wie ein Prinz?“

„Wie ein Prinz. Nur, daĂź er keinen Grund braucht, um Deine Existenz zu beenden. Das ist der Unterschied zwischen den Blutsverwandten und uns. Wir haben keine BĂĽrokratie. Deshalb wirst Du tun was wir sagen oder sterben. Solltet Du das GlĂĽck haben, eine zweite Chance zu bekommen, wirst Du trotzdem leiden. Es gibt viele Meister in Sunnydale und keiner toleriert es, wenn ein Neugeborener ihm auf der Nase herumtanzen will. Wir werden dann sehr, sehr böse. Verstehst Du das, mein Sohn?“

„Ja, Mistress, das tue ich. Ich werde mich Dir unterwerfen.“

„Das ist gut. Ich werde Dir Befehle geben, die Du unbedingt befolgen muĂźt. Die Strafe wird hart und unangenehm sein. Das gleiche gilt fĂĽr die Union. So, wie Du bei unserer Art den älteren folgen muĂźt, muĂźt Du bei der Union den höherrangigen folgen. Manchmal sind diese anderen nicht von unserer Art oder von den Blutsverwandten. Das ändert nichts daran, daĂź Du Dich unterwerfen muĂźt, mein Junge. Ist Dir das klar?“

„Das ist es, Mistress. Ich werde mich gut benehmen, ich verspreche es.“

„Ich habe nichts anderes von Dir erwartet, Frank. SchlieĂźlich habe ich gehört, daĂź Du ein kluger Mensch warst. Da Du Dich so gut betragen hast, bekommst Du jetzt Dein Essen. Steh bitte auf, ich werde Dich zu ihm bringen.“

„Danke.“ Erst, als er aufstand, bemerkte Frank sein Publikum. Er war ĂĽberrascht, drehte sich aber fĂĽr eine Erklärung zu Caitlin. „Kann ich Eintrittsgeld verlangen, Mistress?“

Caitlin lachte leise. Da war es schon wieder! Sie warf Julian einen Blick zu, der Bände sprach. Er hatte ihr ja nicht glauben wollen, daĂź sich Franks Persönlichkeit verändern wĂĽrde... „Nein, heute nicht. Diese Leute sind alle gekommen, weil sie Dich gerne kennenlernen wollten, Frank.“

„Darf ich sie essen?“

„Es tut mir leid, Junge, aber die sind nicht auf der Speisekarte. Wir essen nicht unsere eigene Art und wir essen auch keine Freunde. Nicht mal dann, wenn wir Hunger haben. Wenn Du aber lieb zu ihnen bist, werden sie Dir vielleicht etwas Blut abgeben.“

Bei dem Wort Blut leuchtete Franks Gesicht auf. „Eine Belohnung?“, hauchte er erwartungsvoll.

„Ja, ganz genau. Aber Du hast Dir noch keine solch wertvolle Belohnung verdient. Wir mĂĽssen hier entlang durch den Flur. Da hinten die TĂĽr fĂĽhrt zur Essenskammer. Will einer von Euch mit, Leute?“

Angelus, Julian und Olympia folgten neugierig. Sie alle wollten wissen, was Caitlin Frank noch beibrachte.

„Wenn Du Fragen hast, Frank, ist jetzt die richtige Zeit, um sie zu stellen.“

„Ich danke Dir, Mistress. Bin ich ein Vampir?“

„Ja, das bist Du.“

„Ist das besser oder schlechter, als wenn ich von einem Blutsverwandten umgewandelt worden wäre?“

„Das kommt ganz auf die Sichtweise an. Ein KĂĽnstler, zum Beispiel, wĂĽrde es sehr schwer haben. Ein reiner Diplomat wĂĽrde keine einzige Nacht ĂĽberleben, weil man bei uns mehr mit handfesten Argumenten als Worten streitet. Auch ein reiner Magier wĂĽrde sich nicht wohl fĂĽhlen. Wenn jemand eine strenge Hierarchie braucht, dann ist er falsch bei uns.

DafĂĽr bist Du frei. Du gehörst zu keinem Clan, muĂźt Dich keinem Prinzen unterwerfen. Nur Du entscheidest, wem Du dienen willst. Und wenn Du unter Menschen leben möchtest, dann ist das kein Problem. Du muĂźt nicht Deine wahre Identität verstecken, vielleicht Deine eigene Ehefrau belĂĽgen. Du kannst der ganzen Welt sagen, daĂź Du ein Vampir bist - obwohl ich Dir das nicht empfehle, wenn Du nicht gerade eine Irrenanstalt von innen sehen willst. Du kannst tun und lassen, was Du willst.“

„AuĂźer...?“

„Es gibt ein paar Regeln, die Du gar nicht frĂĽh genug lernen kannst: Lege Dich niemals mit der Union an. Das geht immer schief und Du endest als ein Häufchen Asche. Bis Du 50 oder 60 Jahre alt bist, solltest Du in der Vampirgesellschaft bleiben. Es ist besser, wenn Du Deine Stärken und Schwächen kennst, bevor Du versuchst, als Mensch zu leben. AuĂźerdem hat Geheimniskrämerei keinen Sinn. Sie macht Dich nur unglĂĽcklich. Versuche, Dich so selten wie möglich mit Meistern anzulegen, bis Du selbst einer bist. Wenn sie Dich zu einem Duell herausfordern, hast Du so gut wie gar keine Chance.“

„Ich glaube, das krieg ich auf die Reihe.“

„Du muĂźt gelegentlich ein Massaker machen, damit Dich die anderen Vampire Ernst nehmen. Wenn Du einmal den Ruf als Softie weg hast, muĂźt Du sehr viel morden, um ihn wieder loszuwerden. Ein oder zwei richtig fiese Massaker im Jahr reichen. Wenn Du jede Nacht ein ganzes Dorf auslöscht, wird Dich kein Meister mehr in der Stadt haben wollen. Meister werden sehr unangenehm, wenn Du ihnen das Futter wegiĂźt.

Auch solltest Du den Meister der Stadt fragen, in der Du Dich niederlassen willst. Er könnte das sonst als Herausforderung auffassen. Schleime ruhig bei den älteren - solange Du ĂĽberlebst und es Dir gut gehen läßt, kannst Du nichts falsches machen. Du muĂźt Dir immer selbst der nächste sein. Aber hĂĽte Dich davor, Freunde anzugreifen, SchwĂĽre zu brechen und versprochene Gefallen nicht zu machen. Dann werden die anderen Dir miĂźtrauen und keiner will mehr mit Dir zu tun haben. Es geht alles ĂĽber Beziehungen, Gefallen und solche Sachen bei uns. Wenn Du aus diesem System ausscherst, dann schadest Du nur Dir selbst.“

„Das ist in Ordnung.“


„Mh, der sieht ja lecker aus!“ Frank leckte sich strahlend die Fänge. Die Angst, Panik und Verzweifelung des gefesselten und geknebelten Mannes war so verlockend, daĂź er beinahe sabberte. Der junge Vampir konnte sich nicht erinnern, sich jemals so sehr auf eine Mahlzeit gefreut zu haben. Ohne das lästige Gewissen war Essen doch viel mehr SpaĂź...

„Guten Appetit, mein Junge!“ Stolz beobachtete Caitlin, wie Frank seine Fangzähne einweihte. Er schlug sie in den Hals des Mannes, riĂź die Haut auf, bis er die Halsschlagader gefunden hatte und trank gierig. „Ăśber Tischetikette mĂĽssen wir noch reden“, murmelte Cat angewidert. Sie konnte es nicht leiden, wenn jemand unordentlich aĂź - es erinnerte sie so an ihre Jagden mit Angelus.

„Ist es nötig, daĂź er den Mann so verunstaltet?“, fragte Julian. Allein vom Beobachten wurde ihm schlecht und er war nun wirklich die ein oder andere Grausamkeit gewöhnt...

„Wieso soll der Junge nicht seinen SpaĂź haben, Luna? Der Kerl wird seinen Hals eh nie wieder brauchen“, sagte Caitlin mit einem indifferenten Achselzucken.

„Er darf ihn töten?“

„Menschen sind keine Cracker, Prinz. Die knabbern wir doch nicht an und lassen sie dann fĂĽr den nächsten liegen!“

„Oh.“

„Das ist wirklich cool“, mischte sich Olympia an. „Wir saugen die Leute leer und dann schmeiĂźen wir sie weg. Genau wie Blutkonserven! Die Polizei ist so dumm, denen fällt das noch nicht mal auf. AuĂźerdem können die uns nichts tun, wir existieren offiziell nicht. Und wenn sie uns doch mal kriegen, dann haben wir eben die Polizisten als Nachtisch.“

Typisch Brujah, dachte Julian. Und durch den Kontakt mit Vampiren war das Mädchen noch erbarmungsloser geworden. „Sie sagten eben, daĂź Sie nicht bekehrt werden wollten?“

„Wollte ich auch nicht. Dieser Idiot hat mich einfach so umgewandelt... bekehrt. Ich schmeiĂź immer die AusdrĂĽcke durcheinander. Er hat mir noch nicht mal eine Nachricht dagelassen. Das ist ja nicht unĂĽblich bei Vampiren, aber die brauchen ihren Sire auch nicht unbedingt. Der Dämon hat ein Grundwissen - wie man kämpft, iĂźt, tötet, daĂź man nicht in die Sonne darf, der Jägerin aus dem Weg gehen muĂź und so.“

„Leider passiert das gelegentlich bei illegitim bekehrten Childes. Der Sire bekommt Angst und verschwindet - in der Hoffnung, daĂź man es ihm nicht nachweisen kann.“

„Nein, der hat das mit Absicht gemacht. Wenn er nur Angst gehabt hätte, dann hätte er ja mit mir in eine andre Stadt gehen können. Ich meine, es wäre sicher nicht schwer gewesen, mal eben nach Los Angeles zu kommen.“

„Wieso nach LA?“, fragte Julian. Er hatte ein schlechtes GefĂĽhl auf einmal.

„Von San Francisco ist das die nächste Stadt, in welcher der Prinz der Blutsverwandten ein Brujah ist, Mister Luna“, erklärte Olympia geduldig. „Da mein Sire Brujah sein muĂź - ich bin schlieĂźlich Brujah - ist das die logische Wahl. Dort wäre er am sichersten. Auf jeden Fall sicherer, als in San Francisco.“

„Sie sind sich sicher, daĂź Sie in San Francisco bekehrt wurden?“

„Ja, da bin ich mir ziemlich sicher. Ich bin in San Francisco von ihm angefallen worden und ich bin am gleichen Platz wieder aufgewacht. Ich kann mir nicht vorstellen, daĂź man mich K.O. geschlagen und woanders bekehrt haben soll.“

„Ich habe keinem Brujah erlaubt, Sie zu bekehren.“ Julian war mehr als ĂĽberrascht. Er hatte nie fĂĽr möglich gehalten, daĂź er auf solch einem Weg seine Untergebenen kennenlernen wĂĽrde. Aber das konnte ein ernsthaftes Problem werden, wenn dieser Brujah wirklich absichtlich bekehrte und sich nicht um die Childes kĂĽmmerte... „Wann wurden Sie bekehrt?“

„Ende Juni. Am zweiten Juli fing meine AufnahmeprĂĽfung an und ich wurde etwa eine Woche vorher bekehrt. Ich weiĂź es nicht ganz sicher. Aber denken Sie gar nicht darĂĽber nach, eine Blutjagd auf mich zu veranstalten, Luna. Ich will eh nicht in ihre Stadt kommen und Sunnydale ist nicht ihr Gebiet. Abgesehen davon, daĂź es keiner von Ihren Leuten schaffen wĂĽrde, mich zu töten und ich durch die Union geschĂĽtzt bin. Auch wurde ich von Meister Spike offiziell akzeptiert und aufgenommen in die Gesellschaft.“

„Ich habe gar keine Blutjagd auf sie vor. Jetzt ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um mit der Union einen Streit anzufangen. AuĂźerdem sehe ich keinen Grund, Sie zu töten. Sie sind eine Prätorianerin, keine Gefahr fĂĽr uns und ich stehe in Ihrer Schuld dafĂĽr, daĂź Sie mein Childe und einen Menschen, der unter meinem Schutz steht, gerettet haben. Ich mache mir mehr Sorgen, daĂź Ihr Sire noch mehr Menschen gegen ihren Willen bekehrt. Personen, die nicht von der Union unterrichtet werden.“

„Zugegeben, ich hatte GlĂĽck. Aber sie brauchen sich keine Sorgen wegen meinem Sire zu machen. Er lebt nicht mehr.“

„Sie können nicht einfach andere Blutsverwandte umbringen!“

„Das habe ich auch nicht. Meisterin Caitlin und Meister Angelus haben ihn getötet. Als Rache dafĂĽr, daĂź er mich bekehrt und ausgesetzt hat. Ich wuĂźte gar nichts von ihrem Plan. Aber ich finde ihn gut. Sie kĂĽmmern sich jetzt um mich und ich habe von ihnen alles gelernt, was Vampire mir beibringen können. Hier in der Präfektur kenne ich zwei andere Blutsverwandte. Ein Brujah und eine Ventura. Sie haben mir den Rest gelehrt. Daniela war der Chef der MĂĽnchener Ventura, als sie rekrutiert wurde.“

Frank konnte es nicht leiden, daĂź die Leute anderweitig beschäftigt waren. Er hatte festgestellt, daĂź er ihre Aufmerksamkeit mochte. Besonders, daĂź er sie sich unwohl fĂĽhlen lassen konnte. Der Vampir vermutete, daĂź sie nicht wuĂźten, was sie von ihm erwarten sollten - und das wĂĽrde auch so bleiben, wenn es nach ihm ging. „Hallo, ich bin auch noch da!“

„Hast Du auch aufgegessen, Frank?“

„Klar. Er ist jetzt ganz trocken. Krieg ich noch einen?“

„Tut mir leid, aber ich hatte nur Zeit, um einen Menschen besorgen zu lassen. Hast Du noch Hunger oder nur EĂźlust?“

„Hunger. Ich kann noch mindestens zwei Menschen essen.“

„Okay, das geht mir zu sehr in die Konserven.“ Caitlin holte zwei Liter Blut aus dem KĂĽhlschrank und erhitzte die Packungen in der Mikrowelle. „Wir werden jetzt eine Kleinigkeit essen und dann gehen wir jagen. So können wir es Dir gleich beibringen.“

„Wer sind „wir“?“

„Mister Luna und ich. Angelus und Olympia mĂĽssen arbeiten gehen. Wenn sonst noch jemand mitkommen will, kann er auch. Je mehr Aufpasser wir haben, desto besser. Ich möchte nämlich nicht, daĂź Du wegläufst, nur, weil Du etwas leckeres gesehen hast.“

„Aber ich werde nicht weglaufen.“

„Doch, das wirst Du. Ich habe viel Erfahrung mit kleinen Vampiren und ich weiĂź ganz genau, was ich zu erwarten habe.“

„Was ist mit meinem Sire? Wann werde ich ihn kennenlernen?“

„Du kannst jetzt noch nicht zu Deinem Sire. Wenn wir von der Jagd kommen, werden wir es Dir erklären.“

„Gut.“


Eine halbe Stunde später fuhren Caitlin, Frank, Julian, Sonny und Cameron Richtung des Sunnydaler Ortskerns. Sie hatten sich noch mit etwas Blut aus der Konserve gestärkt und Frank war von der Krankenhauskleidung in seine eigene gewechselt. Er hatte nicht lange genug gebraucht, damit Caitlin in Ruhe mit den Blutsverwandten sprechen konnte. Dafür hatte sie eine andere Ablenkung besorgt.

„So, Freunde und Feinde, in der alten Bruchbude da ist The Bronze. Es ist die einzige anständige Bar in der Stadt und wenn man sich die MĂĽhe machen will, jemand zum Essen abzuschleppen, ist das der beste Platz. Hier trifft sich die Jugend des Dorfes. Aber seid vorsichtig, es ist auch das Stammlokal der Jägerin. Bis ich Euch ihr vorgestellt habe: Geht ihr aus dem Weg. DarĂĽber wird nicht diskutiert, denn Ihr werdet eine Begegnung mit Buffy nicht ĂĽberleben!“

Die zwei Ventura rĂĽmpfen einstimmig die Nasen. Diese Kneipe war absolut kein Vergleich zum Haven. Wie konnte man ihnen zumuten, in dieses Ding zu gehen?

Wie telefonisch besprochen, „entdeckte“ die Punk-Vampirin Helen sie nun. „Hi Cat! Das ist ja ne Ăśberraschung!“

„Hallo! Was machst Du denn hier?“ Caitlin spielte ihre Rolle gut, aber sie war sich nicht sicher, ob Frank es ihnen abnahm.

„Ich bin am Jagen mit Lee und Mark.“ Mit einem breiten Grinsen drehte sie sich zu Frank. Ihre Ăśberraschung war kein Schauspiel, hatte sie doch nur erfahren, daĂź sie jemand ablenken sollte. „Mh, das ist ja ein ganz sĂĽĂźer. Du hast mir gar nicht gesagt, daĂź Du ein neues Childe hast, Cat. Kein Wunder, sonst hätte ich ihn selbst umgewandelt.“

„Er ist ein Freund. Hel, Frank ist ein Bekannter und Patient von mir. Ganz frisch aus dem Grab. Frank, das ist Helen, eine der Kriegervampire in Sunnydale.“

„Hast Du Lust, die alten Langweiler mal loszuwerden und ein biĂźchen was zum Kauen zu bekommen? Meine Freunde haben schon was hinten gebracht und ich bin sicher, daĂź sie nichts dagegen haben, wenn Du mitiĂźt.“

„Darf ich, Mistress?“

„Klar, geh nur mit. Aber wenn Du in einer halben Stunde nicht im Bronze bist, dann zieh ich Dich an den Ohren hinein, Junge! Und erzähl mir nicht so einen Mist wie, daĂź Du unseren Tisch nicht gefunden hast. Helen, wenn Du den Jungen verfĂĽhrst, dann kannst Du was erleben! Jetzt kommen Sie schon, meine Herren, ich habe Hunger!“

„Ich habe nicht geglaubt, daĂź es funktionieren wĂĽrde“, gab Julian zu, als sie auĂźer Hörweite waren.

„Das habe ich gemerkt. Folgen Sie mir einfach, ich besorge uns einen Tisch in einer ruhigen Ecke. Wir haben nicht viel Zeit, fĂĽr die ganzen Probleme, die wir lösen mĂĽssen.“ DaĂź ihr Lieblingstisch in einem vergleichsweise ruhigen und dunklen Teil des Bronze schon besetzt war, stellte kein Problem fĂĽr Cat da. „DĂĽrfen wir uns zu Ihnen setzen?“, fragte sie das Liebespärchen freundlich.

Gerade wollte der Teenager ablehnen, als er eine Pistole am GĂĽrtel der Frau sah und etwas seltsames mit ihren Augen geschah. Hastig zog er seine Freundin weg und murmelte, „wir wollten sowieso gerade gehen.“

„Danke, das ist sehr aufmerksam.“ Die Blutsverwandten bekamen ein triumphales Lächeln geschenkt. „GrĂĽnschnabel hol uns was zu trinken!“, befahl sie einem jungen Vampir, der gerade vorbeikam.

„Aye, Mistress Caitlin. Was darf ich Ihnen bringen?“

„Ich nehme... einen Cappuccino.“

„FĂĽr mich auch.“

„Eistee.“

„Mineralwasser.“

„Kommt sofort.“

„Danke. Zuerst einmal: Ich habe den Eindruck, daĂź Sie enttäuscht sind ĂĽber Franks Entwicklung. Bedenken Sie, daĂź er ein Vampir ist. Sie können von ihm nicht das gleiche wie von einem Blutsverwandten erwarten. Denn das ist er nicht. Sie machen es ihm nur noch schwerer, wenn Sie so hohe Erwartungen stellen.“

„Das habe ich nicht vor. Ich war lediglich schockiert ĂĽber seine Brutalität.“

„FĂĽr einen jungen Vampir hat er eine sehr gute Beherrschung. Wäre er MittelmaĂź, hätte er Ihnen die Kehle rausgerissen, sobald er aufwachte, Mister Luna. Er ist sogar damit klargekommen, daĂź sein Sire nicht da ist. Das ist sehr gut. Ich bin beeindruckt. Ich wĂĽnschte, meine eigenen Childes hätten solche Beherrschung gezeigt...

Frank kann nicht im Hospital bleiben. Am Tag ist dort menschliches Personal und kein Vampir, der auf ihn aufpassen kann. Außerdem wird er alleine Angst haben. Ich weiß nicht viel über Ihre Schlafgewohnheiten, aber wir schlafen wie Menschen. Jedes Geräusch macht uns wach und wenn wir wo fremd sind, Angst haben, dann können wir nicht gut schlafen. Ich werde nicht die Verantwortung für einen munteren Vampir übernehmen, der allein mit Menschen ist!

AuĂźerdem braucht er Betreuung. Vampir-Babies sind 24 Stunden mit ihrem Sire. Wenn der Sire tagsĂĽber rausgehen wĂĽrde, dann wĂĽrden sie ihm selbst ins reine Sonnenlicht folgen, um bei ihm zu sein. Frank braucht jemand, der ihn bewacht - allein schon, damit er nichts anstellt und nicht wegläuft. Er darf das Haus nicht ohne Begleitung verlassen. Es ist zu gefährlich.“

„Was kann denn schon passieren, wenn er alleine jagen geht?“

„Wir haben keine Regeln wie Sie - jeder, dem danach ist, kann ihn ohne Grund umbringen. Aber wenn Sie ein paar hören wollen: Er könnte ein Unionsmitglied anfallen oder einen anderen Menschen, der ĂĽber Vampire Bescheid weiĂź. Er kann der Vampirjägern begegnen. Die Feinde von Darren, den McKees und Ihnen werden ihn alle töten wollen, um Ihnen zu schaden. Vampire und Dämonen können ihre Wut an ihm auslassen. Ein älterer Vampir kann seine Beute verlangen, wenn er sie nicht hergibt, wird er ihn töten. Er kann sich im Blutrausch zu weit vom Haus entfernen, um bei Sonnenaufgang zurĂĽck zu sein. Oder er kann es einfach vergessen. Er kann einen Unfall haben. Er kann Adelaide oder ihrem Clan begegnen - sie werden nach ihm suchen. Er...“

„Schon gut, ich habe verstanden.“

„Nein, das haben Sie nicht, Mister Toussaint! Sie haben keine Ahnung, wie gefährlich unsere Welt ist! Abends weiĂź ich nie, ob meine Familie und ich selbst am Morgen wieder zurĂĽckkommen werden. Können Sie sich vorstellen, wie gefährlich es dann erst fĂĽr ein Baby ist, das keine Ahnung von der Welt und ihren Gefahren hat? Kleine Vampire sind genauso hilflos wie kleine Kinder!“

„Wenn wir nicht verstehen, dann sollten Sie sich um ihn kĂĽmmern“, meinte Cameron unterkĂĽhlt. Er konnte beim besten Willen sich keine Sorgen um Frank machen.

„Haben Sie mir ĂĽberhaupt nicht zugehört? Ich muĂź arbeiten! Ich bin Nachts auf der Arbeit - genau wie meine Childes - und tagsĂĽber ist es zu gefährlich. In meinem Haus leben drei Menschen!“

„Das wäre unverantwortlich! Frank könnte die Menschen anfallen, wenn er Hunger hat“, stimmte Julian zu. Er hatte nun wirklich keine Lust, fĂĽr drei tote Menschen - die womöglich auch noch zur Union gehörten - die Verantwortung zu ĂĽbernehmen..

„Da sind wir ja einmal einer Meinung. Der einzige Vampir, der nicht bei uns arbeitet, ist mein Childe Marguerite. Und sie ist geisteskrank, braucht selber die ganze Zeit Betreuung. Olympia lebt in der Kaserne - abgesehen davon, daĂź sie ihn nicht mitnehmen darf, sind zu viele Menschen dort. Spike lebt mit seiner menschlichen Verlobten, deren Schwester und seinem jĂĽngsten Childe. Nebenbei hat er nicht die Geduld. Ich kann Angelus in eine Gruft ausquartieren und er wĂĽrde vielleicht sogar Sonderurlaub kriegen, aber bevor Angelus ihn kriegt, geben wir ihn besser noch zurĂĽck zu Adelaide.“

„Wir könnten Frank nehmen“, meinte Sonny. „Wir wohnen zwar im Hotel, aber wir sind genug, damit wir uns abwechseln können. Bei sieben Blutsverwandten sollte es zumindest funktionieren.“

„Also ich werde auf keinen Fall mitmachen! Erstens ist es viel zu gefährlich, einen jungen Vampir in die Nähe von Menschen zu lassen und zweitens habe ich keine Zeit. Julian hat versagt, nicht ich.“

Sonny knurrte den Brujah wĂĽtend an. „Was bildest Du Dir ein, Du...“

„SchluĂź jetzt! Ihr seid Männer, deshalb erwarte ich nicht mehr als die Intelligenz einer Fliege von Euch, aber auf soviel Verstand bestehe ich! Wenn einer von den Herren sich nicht an die Regeln halten will, kann er gerne die Stadt verlassen, aber ich werde nicht zulassen, daĂź der Höllenschlund zum Blutsverwandten-Kindergarten wird!“

Die drei Männer sahen zerknirscht auf ihre Drinks, die der Vampir in der Zwischenzeit diskret abgestellt hatte. „Ich muĂź mich entschuldigen fĂĽr das Verhalten meiner Untergebenen. Wir sind wohl alle etwas angespannt.“

„Wenn Sie länger in der Stadt bleiben wollen, dann melde ich Sie in der Volkshochschule zum Deeskalations- und Mediationskurs an, Mister Luna. Von dem ganzen Zicken bekomme ich nämlich Kopfschmerzen und wenn ich weiterhin ihre Leute auseinanderhalten muĂź, werde ich ganz heiser.“

Julian zuckte hilflos mit den Achseln, „die sind immer so.“

„Privatlehrer! Ich werde einen meiner Jungs bitten, mit Ihnen zu pauken. Prätorianer lernen das in der Ausbildung fĂĽr die Kommandoebene. Ehrlich gesagt, habe ich nämlich schon genug damit zu tun, die Möbel zu ersetzen, die IHRE Brujah im wöchentlichen Rhythmus kaputtmacht!“ Als Julian sein Scheckbuch herausholte, winkte Caitlin ab, „das ist lieb, aber Sie können sich die MĂĽhe sparen. Ich habe Antiquitäten.“

Mit leichten Lächeln fĂĽllte Julian den Scheck zu Ende aus und ĂĽbergab ihn Caitlin, „verstehen Sie das als Anzahlung. Ich werde mit „meiner Brujah“ ĂĽber das Zerstörens von fremden Wohnungseinrichtungen sprechen.“

„50.000 Dollar? Danke- Sie mĂĽssen wirklich so reich sein, wie in den Unterlagen ĂĽber Sie steht. Ich dachte, da hätte jemand nur die Schlagzeilen der Klatschzeitungen zusammengefaĂźt.“

„Ich stehe in den Klatschzeitungen?“

„Woher soll ich das wissen?“, erwiderte Caitlin.

„Worauf mĂĽssen wir achten bei Frank? Ich meine, können Sie uns eine Anweisung geben wie: Drei Liter Menschenblut auf fĂĽnf Portionen verteilt, wenn er verletzt ist vier, ist es schlimm sechs, bei Tierblut die doppelte Menge. Er darf keine Zugluft bekommen, keine Sonne, niemals mit spitzen Holzgegenständen spielen lassen, von Kirchen fernhalten und nur dann tagsĂĽber aus dem Sarg lassen, wenn er aufs Töpfchen muĂź“, grinste Sonny.

Sogar Cameron konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Als ihm klar wurde, daĂź er mit zwei Ventura und einem Vampir ĂĽber den Witz eines Ventura lachte, wurde er schnell ernst. „Als nächstes fragst Du, ob er Windeln braucht“, schnaubte der Brujah.

„Kommen Sie, Junge, jetzt seien Sie mal nicht so verkrampft! Was ist schon dabei, wenn Sie ein biĂźchen lachen?“

„Es sind Ventura, Doktor McKee.“

„Wie schrecklich, mein armer, bemitleidenswerter Junge, da verlangt man wirklich von Ihnen, daĂź Sie sich an einen Tisch mit diesen bösen, bösen Monstern setzt?“, spöttelte Caitlin mit einem schelmischen Funkeln in den Augen.

„Unsere Clans mögen sich nicht.“

„Soviel weiĂź selbst ich, Toussaint. Warum sollte ich Sie denn sonst alle an den gleichen Tisch zwingen? Es ist nicht richtig, daĂź Sie sich alle an die Gurgel gehen, weil Ihr Prinz vor einer halben Ewigkeit ne Masse Brujah getötet hat.“ Caitlin ignorierte, daĂź Julian noch blasser wurde, wie sie es selbst war.

„Wenn ich danach gehen wĂĽrde, mĂĽĂźte ich meine ganze Familie und mich selbst hassen. Die nette kleine Punkerin, die Frank zum Essen mitgeschleppt hat, hat seit meiner Ankunft 1998 mindestens 30 Vampire getötet. Angelus hat seinen Sire und ein Childe getötet, mein Sire auch ein Childe, mein Bruder und mein Schwager segnen jeden Tag den Tod von Dutzenden Vampiren ab. Ich mag keinen von Ihnen, weil Sie alle arrogant, selbstsĂĽchtig und egozentrische Besserwisser sind, aber Sie alle haben keine Zukunft, wenn Sie in der Vergangenheit leben.“

„Haben Sie schon mal ein Massaker gemacht an Vampiren?“, fragte Cameron mit einer Ruhe, die ihn selbst erstaunte. Er wuĂźte nicht warum die Worte der Vampirin eher freundschaftlich als kommandierend fĂĽr ihn klangen, aber er hatte einfach das GefĂĽhl, ihr vertrauen zu können.

„Kommt drauf an, wie Sie Massaker definieren. Ab wieviel Tote ist es ein Massaker?“

„Sagen wir einfach mal 50. Immerhin ist die Unon nicht fĂĽr ihre Warmherzigkeit bekannt.“

„Mit Warmherzigkeit schaltet man nun mal keine Feinde aus... Mehr als 50 Vampire auf einmal habe ich bisher nur auf Befehl der Union getötet. Das war zweimal. Einmal war ich zu einer Kommandogarde berufen, die eine ganze Vampirfamilie - inklusive Minions - auslöschen sollte. Sie hatten systematisch unsere Leute getötet. Menschen! Frauen, Kinder, Alte, sie haben alles getötet, was ihnen in den Weg kam! Wir haben sie eliminiert. Es waren mindestens 70.

Das zweite Mal habe ich auch im Auftrag der Union gehandelt. Mein Sire wollte, daß ich eine Art Reifeprüfung ablegte, indem ich selbst eine Mission erledigte. Ich tötete knapp über 50 Vampire in seinem Auftrag mit Magie. Mit Magie ist es leichter, zu töten, weil man dann seine Opfer nicht sieht, verstehen Sie? Man macht im Magieraum ein Ritual und am anderen Ende der Welt werden Leute dadurch sterben.

Aber das ist nicht der Punkt, meiner Meinung nach. Meine eigene Familie hat sehr lange ähnliche Probleme gehabt. Und ich will mich nicht freisprechen von diesen Dingen. Darren - der Sire der Vampirin, die Frank umwandelte - und Michael bekämpften sich schoon als Menschen. Sie sind beide irische Herzogssöhne. Schon in keltischen Zeiten haben sich ihre Vorfahren bekämpft. Es muĂź im fĂĽnften Jahrhundert nach Beginn der Zeitrechung gewesen sein, als Darrens Vorfahren die Vorfahren von Michael und Colin umbrachten. Seitdem bekämpfen wir uns.“

„Und Sie behaupten, wir hätten Probleme...“

„Nun, mein Sire und Michael hatten auch mal Schwierigkeiten mit Angelus Sire Darla. Maura, meine Adoptivschwester und Darla haben sich gehaĂźt. Okay, das war kein gutes Beispiel. Sie haben sich gehaĂźt, bis Darla starb und auch nach ihrer Auferstehung hassen sie sich noch.“

„Hm?“

„Nicht fragen. Es ist eine lange Geschichte. Sie mĂĽssen sich nur mal ĂĽber meine Vorfahren informieren, dann wird Ihre Feindschaft geradezu lächerlich aussehen. Wenigstens geht es bei Ihnen - aus persönlicher Sicht - nur um ein einziges Massaker. Und die Brujah sind nur mit Ventura und Gangrel verfeindet, die Ventura nur mit den Brujah. Bei uns gibt es keine Clans uns jeder ist mit jedem verfeindet...“

„Nur aus reinem Interesse: Mit vielen anderen Vampirfamilien sind Sie verfeindet?“, fragte Julian. So wie Caitlin sich ausdrĂĽckte, muĂźte er ja damit rechnen, in den dritten Weltkrieg zu geraten...

„Jetzt weiĂź ich nicht. Aber das letzte Mal, als ich darauf eine richtige Antwort bekam, waren es 78. Da das fast zwei Jahrhunderte her ist, sollten wir von 100 ausgehen. Nur unsere Feinde, die der Union kommen extra. Man kann eigentlich sagen, daĂź alle, die nicht in der Union sind, gegen die Union sind. Und auch Unionsclans sind noch mal mit uns verfeindet, weil wir die mächtigsten sind. Die McKees kontrollieren die ganze Union - da haben 99 Prozent der anderen Clans natĂĽrlich etwas gegen.

In letzter Zeit besonders, weil man uns viel Vetternwirtschaft nachsagt. Und das kommt auch hin. Wir bevorzugen unsere eigenen Leute, wir sind intrigant, durchtrieben, kriegerisch, gewalttätig, martialisch, impulsiv, machthungrig, rĂĽcksichtslos, rachsĂĽchtig und geldgierig - um nur einige der Sachen zu nennen, die man uns nachsagt. Und das meiste davon stimmt auch. Kommt Ihnen das bekannt vor...?“

„Aber wir haben trotzdem nichts mit den Ventura gemeinsam!“

„Keine Sorge, das behaupte ich ja gar nicht. Noch mal zurĂĽck zu Frank: Lassen Sie ihn auf keinen Fall aus den Augen! Er kriegt fertig und haut ab, um zu Jagen, wenn er öfter gehen will als Sie. Er muĂź mindestens einen Menschen pro Nacht haben. Wenn sie ihn nicht töten lassen, dann sollte er an vier trinken. Ich möchte, daĂź er mindestens zwei Liter am Tag bekommt. Die kleinen brauchen viel. Am besten ist, wenn er satt ist. Es ist wichtig, daĂź er seine Aggressivität ausläßt. Deshalb bevorzuge ich es, wenn Sie ihn töten lassen.

Halten Sie ihn von Weihwasser und Kreuzen fern. Wenn er nicht gehorcht, versuchen Sie es zuerst mit Reden, hilft das nicht, dĂĽrfen Sie ihm einen RĂĽffel geben. Aber wenn Sie ihn zusammenschlagen, dann werde ich Ihnen mal zeigen, was es bedeutet, eine McKee zu ärgern!“

„Das wird nicht passieren. Was ist mit Training?“

„Sie kennen ihn besser als ich. Wenn er schon immer ein kleiner Rebell war, dann bereiten Sie sich auf die härteste Geduldsprobe Ihres Unlebens vor. Wenn er kein Problem mit Vorschriften hatte, können sie ich direkt hart rannehmen. Sonst mĂĽssen sie es spielerisch interessant machen durch eine Herausforderung. Der Inhalt ist der gleiche wie bei Blutsverwandten, denke ich. Er muĂź gut kämpfen und töten können, lernen, daĂź es Zeiten gibt, in denen man tut, was man will und Zeiten, in denen man sich anpassen muĂź. Wenn Sie wollen, können Sie ihm auch ĂĽber ihre Art beibringen. Tut nicht weh, mehr zu wissen. Das ĂĽber unsere ist nicht nötig, das machen wir zur Not selbst.“

„Das sollte zu schaffen sein...“


Sonny war gerade im Restaurant ein Gläschen Blut am Trinken, als das Telefon in der Suite klingelte. Und Frank zu Tode erschreckte. Er zuckte regelrecht zusammen, als ihn das Schellen aus seinen Gedanken riĂź. Sich selber fĂĽr seine Schreckhaftigkeit scheltend, ging er zu dem gewissenlosen Fernsprecher. „Guten Tag.“

„Präfektur der Prätorianischen Garde Sunnydale, BĂĽro von Präfekt Harris, de Amato, guten Tag. Mit wem spreche ich?“

„Frank Kohanek.“

„Ah, sehr gut, Mister Kohanek. Präfekt Harris hat mich gebeten, mit Ihnen und Mister Toussaint einen Termin auszumachen. Ist Ihnen Freitag um halb zwölf in der Nacht Uhr recht?“

„Ă„h... ja, das ist gut.“

„Seien Sie dann bitte ab halb elf in Ihrer Suite bereit. Es wird Sie jemand abholen kommen.“

„Das ist wirklich nicht nötig, Ma’am. Wir können genausogut zu Ihnen kommen.“

„Das ist leider unmöglich, wenn Sie in die Präfektur möchten. Sie könnten sich natĂĽrlich auch mit Präfekt Harris im Sunnydale Inn oder Willys Bar treffen, Mister Kohanek. Das wäre uns sogar noch lieber. Mein Chef hat mich angeordnet, ganz nach Ihren WĂĽnschen zu handeln.“

„Bin zurĂĽck!“

„Ă„h... warten Sie bitte einen Augenblick, Mister Toussaint kommt gerade zurĂĽck.“

„Ich bleibe in der Leitung.“

Frank schaltete das Telefon auf stumm und erklärte Sonny schnell, was los war. „Wenn wir in die Präfektur gehen, sehen wir sie. Aber wir haben absolut keine Chance, zu entkommen, falls die entscheiden, daĂź wir doch ein zu hohes Sicherheitsrisiko sind.“

„Sie könnten unsere Neugier benutzen wollen, um uns in eine Falle zu locken. Wir werden ihren Standort sehen, das macht uns noch gefährlicher fĂĽr sie, als wir nach diesem Treffen schon sein werden. Ich bevorzuge einen neutralen Ort. Hier sind mir auch zu viele Wachleute, Willys Bar hat zwei Ausgänge und es können sich nicht mehr als 20 Prätorianer darin aufhalten, ohne, daĂź es zu auffällig wird.“

„Dann nehmen wir das. Miss, uns ist Willys Bar am Liebsten. Können wir dann selber kommen?“

„Das können Sie. Auf Wiederhören.“


Das erste Opfer von Sashas Plan für Vamp-Sitting war ihr Onkel Julian. Falls Frank ein Riesenproblem und eine Nervensäge sein sollte, würde er sie wenigstens nicht köpfen. Okay, vielleicht würde er sie doch köpfen...

Munter plapperte die Brujah auf Frank ein, während sie ihn von seiner eigenen Suite zu Julians brachte. „Er weiĂź noch nicht, daĂź er die erste Hälfte der Nacht Vamp-Sitter ist. Aber ich bin sicher, daĂź es ihn nicht stört. Er mag Dich und auĂźerdem hat er viel zu tun. Da ist es keine Arbeit, wenn er auf Dich aufpassen muĂź.“

„Ich verstehe nicht, warum ich ĂĽberhaupt einen Babysitter brauche“, schmollte Frank. „Ich kann gut auf mich alleine aufpassen.“

„Keine Ahnung! Aber wenn Julian darauf besteht, dann soll er es eben bekommen. Solange er den Anfang macht...“

„Kriege ich auch einen von Deinen phänomenalen Plänen oder muĂź ich mich ĂĽberraschen lassen?“

„Wenn Du weiĂźt, wer als nächstes dran ist, dann reiĂźt Du mir den Kopf ab.“ Es war genug, daĂź sie Cameron erklären muĂźte, weshalb er sich nicht mit Lara treffen konnte, da wollte sie es nicht auch noch Frank sagen mĂĽssen. Das konnte Onkel Julian bestimmt viel besser. Lächelnd klopfte sie. „Ich bin’s, Onkel Julian!“

„Sasha, hallo. Was kann ich fĂĽr Dich tun? AuĂźer Dir Geld geben - Du bekommst die Nacht nämlich keines mehr.“

„Hier ist Dein Plan fĂĽrs Vamp-Sitting. Du nimmst Frank. Bye!“

„Ă„hm... kann ich reinkommen? Es ist ziemlich ungemĂĽtlich hier auf dem Flur.“

Immer noch verdattert, starrte Julian den Vampir eine ganze Weile an, bis er den Sinn der Worte verstand. „Entschuldigung. Bitteschön. Die Karte fĂĽr den Zimmerservice liegt am Telefon. Ich werde im Nebenraum arbeiten.“

„Ă„h... okay. Ich werde mich dann mit Fernsehen beschäftigen“, sagte Frank zögerlich. Er konnte seine Enttäuschung nicht ganz verbergen, hatte er doch gehofft, jagen zu können. Na gut, wĂĽrde er Julian eben kurz die Akte zu Ende bearbeiten lassen und dann gingen sie jagen...


„Hallo Julian.“ Frank lächelte nervös und blieb in der TĂĽr des Arbeitszimmers stehen.

Mit einem sanften Lächeln sah Julian auf. „Was kann ich fĂĽr Dich tun, Frank?“

„Ă„hm... äh... ich dachte, daĂź wir vielleicht irgendwann jagen gehen könnten die Nacht.“

„Die Sonne ist noch nicht ganz untergegangen, Frank. Du bist jung und deshalb ist es zu gefährlich, wenn wir jetzt schon gehen. Kannst Du Dich noch eine Weile gedulden oder möchtest Du, daĂź ich Dir Blut bestelle?“

„Es ist nicht so schlimm. Ich wollte nur mal fragen kommen.“

„Ich muĂź noch etwas arbeiten, dann können wir gehen.“

„Bis später!“

„Bis später, Frank.“


„Julian!“, schrie Frank klagend vom Wohnzimmer.

Ă„chzend stand der Ventura auf und ging zu seinem Nesthäkchen. Das war jetzt schon das siebte Mal, daĂź Frank ihn rief - und er war noch keine Stunde da. „Stimmt etwas nicht, Frank?“

„Wo bleibst Du?“

„WofĂĽr?“

„Die Sonne ist jetzt schon so lange untergegangen. Ich hab Hunger. Wann gehen wir endlich?“

„Bestelle Dir beim Zimmerservice eine Kanne Menschenblut. Ich bezahle.“

„Aber ich will jagen gehen!“, knurrte Frank im Gameface. Seine goldgelben Augen funkelten wĂĽtend.

„Frank!“, sagte Julian scharf.

Weil er keine Lust hatte auf einen wĂĽtenden Prinzen - dann wĂĽrde er garantiert nicht mit ihm jagen gehen - wechselte Frank zurĂĽck. Es war nicht einfach fĂĽr ihn, aber weil er mehr frustriert als wĂĽtend war, ging es. Etwas weniger fordernd bat er, „wann können wir endlich jagen gehen? Ich möchte keine Blutkonserve. Es ist kein Vergleich zu dem, was ich letzte Nacht erlebt habe.“

„Ich werde nicht mit Dir jagen gehen, solange Du nur auf ein Blutbad aus bist, Frank. AuĂźerdem habe ich keine Zeit!“

Verärgert schaltete Frank das Fernsehen wieder an und schob die Unterlippe vor - auch, wenn Julian es nicht sehen konnte.

Hoffend und betend, daß er mal mindestens eine Stunde sich ungestört seinen e-Mails widmen konnte, ging Julian Luna zurück ins kleine Arbeitszimmer seiner Suite.


Zwei Stunden später starrte Julian verwundert die Uhr an. Sollte Frank wirklich schon so lange ruhig gewesen sein oder ging die Wanduhr auf einmal vor? Seine Armbanduhr zeigte die gleiche Zeit an, also mußte sich der junge Vampir den Rüffel zu Herzen genommen haben. Er hoffte nur, daß er es nicht zu persönlich nahm und sich jetzt vor ihm fürchtete. Julian hatte ihm niemals Angst einjagen wollen - und das nicht nur, weil Caitlin ihm für diesen Fall gedroht hatte.

Aber solange er den Stapel Unterlagen bearbeitet bekam, sollte es ihm nur Recht sein, wenn Frank sich alleine beschäftigte. Vielleicht konnte er sogar noch die Jagd bis zu seinem geplanten Telefongespräch mit Daedalus herauszögern. Wenn sie schon einmal jagen waren, dann wollte er Frank gleich etwas beibringen.

Als er eine Viertelstunde später die letzten Akten bearbeitet und e-Mails abgeschickt hatte, ging Julian ins Wohnzimmer, um Frank davon zu berichten. Als er das Fernsehen laufend und die Couch leer vorfand, runzelte er die Stirn nachdenklich. Ein Blick ins Badezimmer, Schlafzimmer und auf den Balkon machte ihm schmerzhaft klar, daß sein Schützling nicht mehr in der Suite war.

Schlagartig wurde dem Ventura klar, weshalb alles so ruhig gewesen war in den letzten zwei Stunden. Er wollte nicht jagen gehen mit Frank, also ging der Baby-Vampir alleine... Als er sich an die Gefahren erinnerte, die Caitlin McKee letzte Nacht aufgezählt hatte, schnappte er sich hastig seinen Mantel und rannte aus der Suite.


Zufrieden schnurrend leckte Frank über seine blutigen Fangzähne. Achtlos ließ er den leblosen Körper des Mannes auf den Boden fallen. Er hörte keinen Herzschlag mehr, also mußte er sich auch keine Sorgen machen, daß er ihn verletzte.

Der Vampir rieb sich mit einer Hand über den Mund. Er wollte sichergehen, daß er kein Blut mehr im Gesicht hatte. Die letzten Tropfen leckte er genußvoll von seiner Hand. Das Blut dieses Menschen war gut gewesen. Er war jung, gesund und kräftig, genauso schmeckte sein Blut. Frank nahm sich vor, in Zukunft nach einem solchen Typ Ausschau zu halten.

Er hatte den jungen Mann auf der StraĂźe gesehen. Weil er sowieso nichts besseres zu tun hatte, folgte er ihm in eine der zahllosen dunklen Alleen und attackierte ihn dort. Ohne viel Finesse und GenuĂź hatte er ihn leer gesaugt.

Wieder auf die Hauptstraße gehend, suchte Frank nach seinem nächsten Opfer. Wie hatte er nur all die Jahre unter den Blutsverwandten leben und nie dies wollen können? Wie dumm er doch gewesen war, angeekelt zu sein, daß sie Blut trunken und sie zu hassen! Seine Umwandlung war das Beste, was ihm in seinem Leben passiert war.

Als eine junge Frau das Pech hatte, ihm über den Weg zu laufen, setzte der Blutdurst seines Dämons wieder ein. Bar jeder Kontrolle, fiel er über die Frau her. Mit den Griffen, die er letzte Nacht von Helen gelernt hatte, preßte er mit einer Hand so ihren Hals zusammen, daß sie nicht schreien konnte. Mit der anderen hielt er ihre Hände über ihrem Kopf zusammen, benutzte seinen Körper, um sie gegen die Wand zu drücken. Durch ihre Befreiungsversuche brauchte Frank nur länger, um die Halsschlagader zu finden.

Die Euphorie des Trinkens hatte ihn nachlässig gemacht, analysierte der junge Vampir kühl, als jemand ihn plötzlich brutal von seinem Opfer wegriß. Er hatte nicht einmal mitbekommen, daß der Angreifer sich näherte. Aber es würde ihm nichts nützen - er hatte sich gerade selbst als Franks drittes Opfer dieser Nacht beworben. Daß er keinen Herzschlag hören konnte, interessierte ihn nicht. Egal, was er oder sie war, niemand störte ihn beim Jagen!

Mit einer Geschwindigkeit, die ihn selbst überraschte, schoß Franks linke Hand hervor, erfaßte das Handgelenk seines Angreifers und preßte, während er den Arm in einem schmerzhaften Winkel verdrehte. Zur gleichen Zeit wirbelte er herum und trat seinen Widersacher ins Knie. Frank hoffte, daß er so das Gleichgewicht verlieren würde. Als er ihn trotz Wutanfall erkannte, war es schon zu spät.

Julian war nicht im geringsten ĂĽberrascht ĂĽber diese „BegrĂĽĂźung“. Caitlin hatte ihn gewarnt, daĂź ein Vampir wild werden wĂĽrde, wenn man ihm beim Essen störte. Der Prinz hatte keinen Zweifel, daĂź Frank ihn töten wĂĽrde, wenn er die Gelegenheit bekam. Wenn... Er hielt nichts zurĂĽck, als er eine Serie von Schlägen und Tritten auf Frank einprasseln lieĂź.

Drei Kugeln aus Julians schallgedämpfter Pistole in seinen Bauch verschlimmerten nur noch Franks Raserei. Sein Dämon hatte vollkommen die Kontrolle übernommen. Und er wollte den anderen Mann bezahlen lassen. Nicht wirklich für diese Störung beim Jagen - eine Lappalie, das sah er selbst - sondern für die unzähligen Male, als er ihm drohte, Angst einjagte, für Alexandra - die der Dämon als sein Eigentum ansah - und all die Steine, die ihm der Blutsverwandte in den Weg gelegt hatte.

Beinah wie ein unbeteiligter Beobachter, betrachtete Franks Verstand den Kampf. Er wollte ihn gerne beenden, aber er wußte nicht, wie. Zu stark hatte sich seine Persönlichkeit schon verändert, spürte er den - für Vampire ganz normalen - Drang, das fremdartige Alpha-Männchen auszuschalten, zu unterwerfen. Und irgendwo war auch ein bißchen von Adelaides Tollwut, das mußte er zugeben...

Wie eine - nicht nur sprichwörtliche - kalte Dusche wirkte es da, wenn er in einer Tonne mit Regenwasser baden muĂźte. „Verräter!“, knurrte Frank wĂĽtend. Zur gleichen Zeit versuchte er, aus der Regentonne rauszukommen und Julian zu BeiĂźen - wodurch beides schiefging,

Julian lieĂź den jungen Untoten, der gerade mal ein Vampirchen war, fĂĽr ein paar Minuten in dem kalten Wasser tauchen. Der Vampir konnte nicht krank werden oder UnterkĂĽhlung bekommen, er brauchte nicht zu atmen. Aber er hatte gehört, daĂź viele Vampire eine Abneigung gegen Nässe hatten. Er vermutete, das lag an ihrer Eitelkeit. „Besser?“, fragte der Prinz scharf, als er Frank einen unnötigen Atemzug holen lieĂź.

„Was zum Teufel soll das?!“, grollte Frank. „Du machst mich ja ganz naĂź!“

„Ich wollte Dir eine AbkĂĽhlung verschaffen, Frank. Es schien mir so, als wĂĽrdest Du sie brauchen.“

Das Schmollen war zurĂĽck auf dem Gesicht des Vampirs. Die Arme vor der Brust verschränkt und Julian einen finsteren Blick zuwerfend, verteidigte er sich. „Du hast mich zuerst angegriffen! Es war mein gutes Recht, mich zu verteidigen!“

„Du hast einen Menschen getötet, Frank. Ich wollte Dich von der Frau wegholen in der Hoffnung, daĂź sie ĂĽberleben wĂĽrde.“

„Und dabei hieltest Du es fĂĽr nötig, mich anzugreifen“, beharrte Frank bitter. „Du hättest mir auch einfach etwas sagen können.“


„Ich wollte keine Sekunde vergeuden, OK?“

„Nein, es ist nicht OK! Du kannst mich nicht einfach angreifen, Frank. Das ist nicht richtig. Nicht, wenn Du keine Macht ĂĽber mich hast. Du bist nicht mein Prinz. Ich bin noch nicht mal ein Blutsverwandter oder Mensch! Auch, wenn ich in San Francisco umgewandelt worden wäre, wir jetzt dort wären, könntest Du mir nichts befehlen. Dann wĂĽrde ich Michael gehören, aber nicht Dir. Hier hast Du mir erst recht nichts zu sagen.“

„Wenn Du in San Francisco umgewandelt worden wärst, dann hätte ich Michael gebeten, Dich mir zu geben.“

„Aber...“

„Auch, wenn Du jetzt ein Vampir bist und ich keine direkte Gewalt mehr ĂĽber Dich habe, stehst Du immer noch unter meinem Schutz. Ich habe Alexandra versprochen, mich um Dich zu kĂĽmmern. Sie hat nichts davon gesagt, daĂź ich es nur solange muĂź, wie Du ein schlagendes Herz und eine Seele hast. Du standst unter meinem Schutz, als Du umgewandelt wurdest und ich muĂź Sorge dafĂĽr tragen, daĂź Du weder Dich noch andere in Gefahr bringst. Anderenfalls hättest Du nicht zum Sunnydale Inn mitkommen dĂĽrfen.“

„Das habe ich nicht gewuĂźt“, gab Frank zerknirscht zu. „Aber warum hast Du die Verantwortung fĂĽr mich ĂĽbernommen, wenn Du Dich nicht um mich kĂĽmmern willst und ich Dir nur lästig bin? Du hättest Dir denken können, daĂź Du irgendwann selbst auf mich aufpassen muĂźt.“

„Du bist mir nicht lästig, Frank.“

„Doch, das bin ich! Ich bin nur eine Last fĂĽr Dich, die Dich von der Arbeit abhält und Dir Unkosten macht. Wenn ich mehr wäre als eine Belastung, dann wärst Du mit mir jagen gegangen."

Seufzend gestand sich Julian ein, daß er die Schwierigkeit des Vamp-Sitten unterschätzt hatte. Als Sasha ihm einen Plan vorschlug, hatte er sich freiwillig gemeldet, weil er dachte, es wäre keine Arbeit. Er würde Frank irgendwo absetzen, der würde sich selbst beschäftigen und dann holte der nächste Babysitter ihn bei ihm ab. Soviel dazu, daß es zu schaffen sein sollte...

„Du kannst nicht immer jagen gehen, Frank. Des ist wichtig, daĂź Du lernst, Deinen Bluthunger zu kontrollieren. Du willst doch nicht, daĂź es bald keine Menschen mehr in Sunnydale gibt, oder?“

„Aber SOVIEL esse ich doch gar nicht!“

„Wenn alle Vampire und Blutsverwandte in der Stadt so eine schlechte Selbstkontrolle haben wĂĽrden wie Du, dann wĂĽrde es sehr bald keine Menschen mehr geben. Ich weiĂź nicht viel ĂĽber die WĂĽnsche und BedĂĽrfnisse von jungen Vampire, aber ich glaube nicht, daĂź dazugehört, alle Leute in der Umgebung auszurotten.“

„Doch, Frank, das gehört dazu.“

„Ich verstehe nicht ganz.“

„Helen hat mir letzte Nacht viel erzählt ĂĽber die Vampire und wir haben auch heute noch telefoniert. Sie sagte mir, daĂź Vampire nach ihrer Umwandlung normalerweise vom Sire angehalten werden, ihre menschlichen Familienangehörigen und Freunde zu töten. So sollen sie einen SchluĂźstrich unter ihr menschliches Leben setzen und es soll niemand ĂĽberleben, der das Childe davon abhalten könnte, zu seinem Sire loyal zu sein.“

„Du wirst das auf keinen Fall machen, Frank!“

„Wie sollte ich auch? Ich habe keinen Kontakt zu meinen Verwandten und auch keine wirklichen Freunde, die Menschen sind. Aber ich ĂĽberlege, dafĂĽr meinen Boss und ein paar meiner Kollegen umzubringen.“

„Die wirst Du auch nicht töten.“

„Aber warum? Es wird sicher lustig werden, Julian. Ich gebe Dir auch ein paar von ihnen ab. Oder wir können sie uns teilen...“

„Wenn Du das machst, Frank, dann werde ich Dich pfählen. Ich werde Dich zerstören. Und wenn ich mich damit mit der ganzen Union anlegen muĂź. Sei nur ein einziges Mal vernĂĽnftig.“

Der junge Dämon rollte seine Augen. „Warum muĂźt Du nur soviel fĂĽr die Menschen empfinden? Du bist ein Blutsverwandter, Julian. Du bist nicht bestimmt dazu, MitgefĂĽhl zu haben mit den Sterblichen. Sie sind Futter, sonst nichts. Helen hat mir davon vorgeschwärmt, daĂź das Blut der Verwandten am sĂĽĂźesten ist. Erzähl mir nicht, Du hättest Deine Familie nicht auch umgebracht. Oder warst Du wirklich so schwach, daĂź Du nicht dazu in der Lage warst?“

„Das ist es! Du wirst keinen Kontakt mehr mit dieser Helen haben. Wenn Du noch ein einziges Mal mit ihr sprichst, dann wirst Du den Tag verfluchen, an dem Du geboren wurdest, Frank“, prophezeite Julian seelenruhig.

„Du kannst nicht ĂĽberprĂĽfen, was ich mache. Wenn die anderen aufpassen mĂĽssen, dann hast Du keine Kontrolle. AuĂźerdem werde ich nicht fĂĽr immer bei Euch bleiben. Schon sehr bald bin ich stark genug, um alleine fĂĽr mich zu sorgen. Dann tue und lasse ich, was ich will. Und wenn es sein muĂź, dann gehe ich eben zu meinem Sire. Auch, wenn ich Adelaide hasse, weil sie mich gegen meinen Willen umgewandelt hat. Versteh das nicht falsch, ich liebe es, ein Vampir zu sein. Aber sie muĂź dafĂĽr bezahlen, daĂź sie mich angegriffen hat!“

Einen einzigen Tag alt und der Bengel wollte schon flĂĽgge werden! Die nächsten ein bis zwei Jahrhunderte wĂĽrde ihm garantiert nicht langweilig werden... Zu Franks Pech hielt Julian aber gar nichts von dieser Idee. „Ich werde Dich auf keinen Fall Dich selbst ĂĽberlassen, Frank Kohanek. Und in ein paar Jahrhunderten wirst Du es mir danken.“

Bei dem Gedanken an die Zukunft, wurde Frank ganz niedergedrĂĽckt. Ernst sagte er, „in ein paar Jahrhunderten, werde ich sicher schon lange in die Sonne gegangen sein.“

„Was soll das?“

„Na ja, ich gehöre doch nirgendwo dazu. Ich bin kein Mensch - sie sehen mich als Monster - und ich weiĂź schon jetzt, daĂź ich mich in der Union nicht heimischen fĂĽhlen könnte. Ich kann nicht zu meiner Vampirfamilie und die McKees - der einzige Clan, bei dem ich mich vielleicht wohlfĂĽhlen könnte - werden mich nie richtig akzeptieren. Immerhin bin ich das Childe eines Feindes. Olympia ist auch nur toleriert, nicht akzeptiert - das sagte Helen jedenfalls. Es ist sicher nicht lustig, fĂĽr alle Ewigkeit ein Einzelgänger zu sein...“

Kapitel 3



„Okay, Familie und Freunde, wir haben ein groĂźes Problem!“, verkĂĽndete Caitlin beim FrĂĽhstĂĽck.

„Was ist denn los?“

„Machen die Blutsverwandten Ă„rger?“

„Gibt es Probleme mit Kohanek.“

„Ihr denkt viel zu weit weg. Und Ihr beweist mal wieder, daĂź Ihr nicht besonders gut beobachtet. Aber das ist ja nichts neues... Wie Ihr sicher wiĂźt, ging es Aileen gestern nicht so gut. Ich habe sie untersucht und sie hat einen grippalen Infekt.“

„Wie sollen wir uns zwei Wochen selbst versorgen?“

„Nichts gegen die Kommandos, aber jetzt bin ich froh, daĂź sie letzte Woche ausgezogen sind. Sonst hätten wir ein noch größeres Problem.“

„Nun, Daniel, Du hast die Kommandos nie besonders gemocht und Du hast Dich auch nicht sehr angestrengt, Deine Abneigung zu verbergen. Deshalb ist es fĂĽr mich keine Ăśberraschung, daĂź Du glĂĽcklich ĂĽber ihre Abwesenheit bist.“

„Du muĂźt zugeben, Caitlin, daĂź es leichter ist, fĂĽr sechs Leute zu sorgen, als fĂĽr elf.“

„Ja, das gebe ich auch zu. Trotzdem war das nicht höflich. Wer erklärt sich bereit, den Haushalt zu ĂĽbernehmen?“

„Beim Nachrichtendienst ist im Moment eh nichts los. Dan und ich könnten uns frei nehmen.“

„MĂĽĂźt Ihr den nicht noch aufbauen?“

„Ă„h... das geht ziemlich gut voran, Cat. Also ich bin dabei. Sofern Xander und Michael zustimmen. Aber ich glaube nicht, daĂź sie was dagegen haben.“

„Dann sprecht mit ihnen diese Nacht. Ich werde mich heute um den Haushalt zu kĂĽmmern versuchen, aber ich habe auch einen vollen Terminkalender. Ich muĂź mich nicht nur um das Hospital kĂĽmmern, sondern auch um eine Urlaubsvertretung und Frank Kohanek. Da kommt zuviel auf einmal.“ Caitlin hatte ein sehr, sehr schlechtes GefĂĽhl dabei, ihre Söhne mit dem Haushalt alleine zu lassen. Wenn sie sich vor Aileens Ankunft drum kĂĽmmern muĂźten, ging immer irgend etwas kaputt. Es war ein Wunder, daĂź das Haus ĂĽberhaupt noch stand...

„Wie läuft es eigentlich mit der Vertretung?“

„Ich treffe mich gleich mit Spike, dann werden wir drĂĽber sprechen. Ich bin optimistisch, daĂź wir bald jemanden finden.“

„Das hast Du auch gesagt, als wir mit der Suche anfingen, Cat.“

„Ja, ja, ich weiĂź. Aber diesmal sieht es wirklich gut aus. Ich habe ein sehr gutes GefĂĽhl bei der Sache. Eine Vorahnung, sozusagen.“


„Was soll das heiĂźen?“, fragte Spike mit leichter Panik in seiner Stimme.

„Es soll genau heiĂźen, was ich gerade gesagt habe. Es tut mir leid, aber Helen, Mark und ich werden in Urlaub fahren. Keiner von uns kann die Vertretung fĂĽr Dich machen.“

„Kannst Du nicht hierbleiben?“

„Tut mir leid, Sire, aber wir haben diese Einladung bekommen von einem Vampirprinzen aus Los Angeles. Wenn wir nicht kommen, dann wird er bestimmt wahnsinnig sauer sein. Glaub mir, wir möchten alle drei lieber hier bleiben. Aber der Kerl versteht keinen SpaĂź...“

„Ja, ich habe von dem verdammten Prinzen gehört. Er wird kein „nein“ akzeptieren“, seufzte Spike. „Hast Du irgendeine Idee?“

„Na ja, es gibt mehr als genug Vampire und Dämonen in der Stadt. Aber ich kenne keinen anderen, der es schafft, nicht entmachtet oder getötet zu werden, nicht den Höllenschlund zu öffnen, Sunnydale zu vernichten und auch nicht Dir Deinen Posten wegnehmen wird. Sorry“, sagte Lee ehrlich.

„Schon okay. Ich werde zu Cat gehen und sie fragen. Wenn Dir doch noch jemand einfällt, ruf mich auf diesem Monster an, das Buffy mir gegeben hat.“

„Du meinst das Handy?“

„Ja, das Handy, oder wie das verdammte neumodische Teil auch immer heiĂźt!“


„...und deshalb kann es keiner von ihnen machen“, endete Spike. Er war zapplig, fahrig, einfach nervös. Aber wer wĂĽrde das nicht sein, wenn er den Höllenschlund unbewacht alleine lassen muĂźte? Obwohl er kein Unschuldsengel war, hatte der blonde Vampir keine Lust, daĂź die Welt zerstört wurde. Oder er seinen Posten verlieren wĂĽrde an irgendeinen Idioten... „Inzwischen bin ich soweit, daĂź ich sogar froh sein wĂĽrde, wenn Angelus bleibt.“

„Das wäre ich auch schon. NatĂĽrlich, wir könnten den Urlaub abblasen, aber solange wir nur die geringste Chance haben, daĂź wir eine zuverlässige und vertrauenswĂĽrdige Vertretung finden, die das meistern kann, möchte ich nichts absagen. Wir alle haben uns einen Urlaub verdient, besonders Du, Spike, und Buffy.“

„Ihr auch. Obwohl zwischen jetzt und dem Kampf mit Glory die Sommerferien lagen, steckt er immer noch allen in den Knochen. Und Du hast soviel zu tun gehabt mit der Eröffnung des Hospitals, Deine Childes muĂźten den Nachrichtendienst aufbauen...“

„Wir haben uns alle noch mal einen Urlaub verdient. Und richtig Urlaub machen können wir nun mal nur im Winter - wenn es lange dunkel ist. AuĂźerdem können wir in der Schweiz den Winter mit weniger Sonnenstunden verbringen.“

„Du kannst Trevor fragen.“

„Trevor?“

„Na ja, er kommt doch sowieso her. Er könnte ruhig ein biĂźchen frĂĽher herkommen. Sich das Haus schon mal in Ruhe ansehen, die Möbelhäuser besichtigen und so.“

Begeistert klatschte Caitlin in die Hände und hopste freudig auf der Couch herum. „Das ist sogar ne SUPER TOLLE Idee, Spike! Ich werde ihn sofort anrufen!“ Mit neuer Hoffnung rannte sie zum nächsten Telefon, einem kabellosen Netzteil. NatĂĽrlich hatte sie da nicht die Nummer von Trevor drauf gespeichert. „Ich muĂź in mein BĂĽro, da habe ich im Computer alle Adressen gespeichert!“

„Dann ruf gleich von da an.“

„Okay, ich bin in ein paar Minuten zurĂĽck!“


15 Minuten später kam Caitlin wieder ins groĂźe Wohnzimmer. Mit langem Gesicht schlurfte sie zur Couchecke. Spike drehte sich gespannt um. „Jetzt sag schon! Wann kommt er?“

„Ach Spike“, seufzte Caitlin enttäuscht. „Er wird kommen. Aber nur, wie er geplant hat. Im Februar oder März.“

„Warum denn?“

„Er war ganz begeistert von der Idee, aber sein Nachfolger ist noch in Asien. Und in seiner Stadt gibt es absolut niemanden, der die Vertretung machen kann. Er hatte sich schon dafĂĽr umgehört, weil er sich dachte, daĂź wir jemanden brauchen, der die Stellung hält.“

„Mist!“

„Das kannst Du laut sagen! Jetzt haben wir immer noch keine Vertretung gefunden und langsam werden die Namen knapp.“

„Drusilla?“

„Wir haben keine Ahnung, wo sie ist. Und Buffy wĂĽrde sich niemals bereit erklären, ihr zu treuen Händen den Höllenschlund zu ĂĽberlassen.“

„Gut, da hast Du Recht. Sie wĂĽrde Dru umbringen, sobald sie in die Stadt kommt... Was ist mit Julie?“

„Die muĂź bei Trevor bleiben. Sie ist noch zu jung, um alleine die Verantwortung fĂĽr eine Stadt zu ĂĽbernehmen. AuĂźerdem ist sie keine Meisterin.“ So hart Caitlin auch nachdachte, ihr fiel einfach niemand ein.

„Brauchen wir eigentlich einen Vampir?“, fragte Spike nach ein paar Minuten GrĂĽbeln.

„Hm... laĂź mich fĂĽr ein Beispiel nachdenken...“ Caitlin nahm sich ihre Zeit, um zu ĂĽberlegen. „Also ich kann mich an ein paar Fälle aus der ferneren Vergangenheit erinnern, bei denen andere Rassen auch die Vampire beherrscht haben. So sollte es schon möglich sein. Theoretisch. Aber inwiefern das auch akzeptiert werden wĂĽrde, ist eine andere Frage. Ich kann mich an keinen einzigen Fall im 20. Jahrhundert erinnern.“

„Was ist mit Meistern von Städten?“

„Ja, es gab wohl ein paar Mal so was in der Union mit Blutsverwandten. Wenn die gleichzeitig die Blutsverwandten und die Vampire unter Kontrolle hatten, dann waren diese Prinzen auch gleichzeitig Meistervampire. Ein paar Mal hatten sie, glaube ich, sogar nur den Titel eines Meisters getragen. Das ist unkomplizierter... Na klar!“, rief sie plötzlich und schlug sich gegen die Stirn. „Warum habe ich da noch nicht vorher dran gedacht?!“

„Woran?“

„Wenn wir absolut keinen Meistervampir finden können, der es macht, können wir einen Blutsverwandten nehmen. Manchmal ernennen sich Blutsverwandte nur zu Meistern.“

„Wieso machen sie das? Sind Prinzen nicht höher angesehen?“

„Das sind sie schon. Aber der Preis ist auch sehr hoch. Prinzen haben extrem viel BĂĽrokratie und obwohl sie eine beinahe göttliche Macht ĂĽber ihre Untertanen haben, können sie nicht einfach so Entscheidungen treffen. Wenn es in einer Stadt bedeutend mehr Vampire als Blutsverwandte gibt, können diese den Meister als ihren Prinzen akzeptieren. Genauso kann ein Blutsverwandter sich einfach zum Meister ausrufen, wenn viel mehr Vampire da sind und sich keine eigene Verwaltung lohnen wĂĽrde.“

„Aber wir mĂĽssen Beweise bieten, daĂź wir keinen Vampir finden konnten.“

„Das sollte möglich sein. Der Blutsverwandte muĂź nur angesehen genug sein, daĂź er auch von unseren Leuten akzeptiert wird.“

„Michael?“

„Was?“

„Wir können Michael fragen. Wenn er nicht selber die Vertretung ĂĽbernehmen will, wird er genug Meistervampire und Blutsverwandte kennen. Er hat doch so viele Beziehungen zu denen.“

„Spike, Du bist ein Genie! Genau so machen wir es! Jetzt ist Michael beschäftigt, aber nach Sonnenaufgang werde ich ihn anrufen! Dann ist immer die beste Zeit, weil er entweder Pause hat oder gerade nach Hause gekommen ist.“

„In der Zwischenzeit solltest Du mal die Blutsverwandten hier besuchen. Es sind doch ein paar von San Francisco im Sunnydale Inn...“

„Ich muĂź mich nur schnell umziehen!“


Mit einem erwartungsvollen Lächeln betrat Caitlin das Sunnydale Inn. „Guten Abend“, grĂĽĂźte sie die Garden und fuhr mit ihrem Chip ĂĽber das Lesegerät. „Kann ich so rein oder wollen Sie trotzdem meine Sachen durchsehen? Ich hab nur die Handtasche und ein paar Waffen.“

„Sie können alles reinnehmen, Ma’am.“

„Danke.“ Sie warf den Männern ein freundliches Lächeln zu und ging zur Rezeption. „Guten Abend. Sind die Blutsverwandten-Gäste von den Präfekten aus Frisco hier, Miss?“

„Welche möchten Sie denn wissen, Doktor McKee? Es sind elf Gäste von Präfekt McKee und zwei von Präfekt Harris im Moment bei uns.“

„Den Prinzen und die Clan-Chefs brauche ich nur.“

Die Rezeptionistin tippte eine Weile auf der Tastatur herum. „Cameron, Luna, Toussaint sind auf ihren Zimmern. Cash hat seinen SchlĂĽssel abgegeben.“

„Sagen Sie den drei Herren, daĂź ich sie in der Bar treffen werde. Möglichst sofort. Mister Cash hinterlassen Sie bitte eine Nachricht, daĂź er mich anrufen soll. Es ist nicht extrem wichtig, aber es ist wichtig.“

„Mache ich sofort, Ma’am.“


Die drei Blutsverwandten machten sich nicht die Mühe, ihre Verärgerung über die Belästigung zu verbergen. Sie hatten schon kaum Freizeit, weil sie Frank babysitten und suchen mußten, nebenbei auch mit Spike über ihr Gastrecht zu verhandeln hatten. Der blonde Vampir hatte großen Spaß daran, sie zappeln zu lassen.

„Ich hoffe, das ist wichtig“, grummelte Cameron, der als letzter ankam.

„Es ist wichtig. Wenn es nicht wichtig wäre, wĂĽrde ich mir nicht die Gesellschaft von Ihnen drei Barbaren antun“, erwiderte Caitlin mit einem Lächeln, das Vulkane gefrieren lassen konnte.

„Nun?“

„Ich habe eine kleine Schwierigkeit und ich brauche jemanden, der mir einen Gefallen tut. Wir McKees sind gut darin, Gefallen zurĂĽckzuzahlen, also sollten Sie sich gut ĂĽberlegen, ob Sie mein Angebot ohne weiteres ablehnen. Besonders, da ich Ihnen meine Dankbarkeit zeigen könnte, indem ich ein gutes Wort bei Spike und Michael McKee einlege...“

Das weckte Sonnys Interesse. „Was wollen Sie?“

„Wir brauchen jemand, der während der Abwesenheit der AnfĂĽhrer der Sunnydaler Vampire und Union, dieses Kaff bewacht. Es ist nicht schwer, nur mal alle paar Tage Sorgentelefon bei den Liebesproblem der Minions spielen und mich anrufen, wenn es Ă„rger gibt.“

„Oh nein, Doktor McKee, ich werde ganz sicher darauf nicht reinfallen. Die Blutsverwandten von San Francisco werden nicht fĂĽr Sie den Höllenschlund bewachen.“

„Ich glaube, Mister Luna, ich habe mich nicht klar genug ausgedrĂĽckt: Derjenige, der den Mut hat, uns einen solch groĂźzĂĽgigen Gefallen zu erweisen, wird unsere Dankbarkeit bekommen. Wenn Sie es sind, der uns hilft, werden wir Ihnen dankbar sein. Ist es jemand anderes, wird unsere Dankbarkeit dieser Person, dieser Stadt oder diesem Clan gehören. Und lassen Sie mich Ihnen versichern, daĂź wir weitaus mehr Kandidaten als Sie haben...“

„Ich reagiere sehr negativ auf Erpressungsversuche, Doktor.“

Caitlin legte ihre beste GroĂźzĂĽgigkeits-Nummer aufs Parkett. „Oh nein, mein Sohn. Was denken Sie nur von mir, daĂź Sie mich der Erpressung bezichtigen? Das ist alles andere als eine Erpressung - es mĂĽĂźte schon die Welt enden, bevor ich so tief sinke, ein halbes Kind zu erpressen. Ich berichte Ihnen lediglich die Tatsachen.“

„Was bieten Sie denn?“ Als Cameron einen vernichtenden Blick zugeworfen bekam von seinem Prinzen, erklärte er, „ich möchte nur wissen, was fĂĽr ein Angebot wir uns dank Deiner Eitelkeit entgehen lassen mĂĽssen.“

„Nun, wie gesagt, sind wir sehr gut dabei, Gefallen zurĂĽckzuzahlen. Es hängt davon ab, wie weit Ihre Hilfe geht. Wenn Sie uns lediglich ein paar Namen nennen, werden wir Ihnen lediglich einen kleinen Gefallen schulden. Das könnte beispielsweise die SchĂĽtzenhilfe bei einem Streit mit einer Vampirfamilie sein. Wenn Sie ein Problem mit jemand haben, rufen Sie uns an und wir gehen da mal hin, jagen denen ordentlich Angst ein. Ein Ratschlag, Informationen, Erfahrungen mit gemeinsamen Feinden kann ich mir auch vorstellen. Aber wir mischen uns nicht groĂź ein.

Wenn Sie es selbst machen, dann werden wir einen groĂźen Gefallen Schulden. Da könnte ich mir eine Einmischung in die internen Angelegenheiten der Blutsverwandten durchaus vorstellen. Wenn Ihre Stadt Ă„rger mit einer anderen hat, bringen wir deren Prinz eben um. Wenn die Stadt unseres Freundes einen Vertrag mit der Union hat, können wir aber nicht den Prinzen dieser Stadt töten. Das wĂĽrde uns selbst in Gefahr bringen. Aber ich persönlich hätte nichts dagegen, mich mit Intrigen und Drohungen einzumischen. Wenn wir einen gemeinsamen Feind haben, den wir bisher ignorierten, können Waffen auf Nachfrage schon allein schieĂźen... Sie sehen, daĂź man darĂĽber verhandeln kann.“

Diese Worte beunruhigten Julian Luna mehr, als er zugeben wollte. Wenn sie Hilfe aus Los Angeles bekommen würde, dann könnte er sehr schnell Geschichte sein. Denn trotz seiner persönlichen Freundschaft mit Michael wußte er, daß der alte Vampir kein Problem damit haben würde, ihn und alle anderen Blutsverwandten in der Stadt auszurotten. Sie waren einfach nicht wertvoll genug.

„Ich gebe zu, daĂź Sie Argumente haben, die... mich dazu veranlassen, Ihre Gunst nicht meinen Feinden zukommen lassen zu wollen. Aber ich bezweifele ob Ihre Familie dazu in der Lage sein wird, uns ernsthaften Schaden zuzufĂĽgen, wenn es denn zu einer Konfrontation kommen sollte. Sie haben lediglich die Loyalität Ihrer vier Childes und Ihres Lehrlings sicher.“

„Das ist nicht ganz korrekt. Spike, seine Childes, die Jägerin und der SchlĂĽssel wĂĽrden Ihnen genauso verbunden sein wie ich selbst. Sein GroĂźsire Angelus wĂĽrde ebenfalls Ihnen etwas schulden. Und er ist nicht schlecht bei Morden. Michael und seine Blutslinie wĂĽrden sich an der ganzen Sache nicht aufhalten. DafĂĽr mein Bruder Pjotr, da er mit meinem Childe Lisa liiert ist und seine Nachkommen. Da er 1006 geboren wurde, sind das nicht wenige. Xander und Athena Harris liegt sehr viel daran, daĂź ihr Familientreffen nicht platzt und sie schulden mir wiederum eine ganze Menge...“

„Zu wem werden Sie gehen, wenn es keiner von uns macht?“

„Wenn Sie drei und Mister Cash sich auch weigern, mir ein paar Namen zu geben, dann werde ich mich in Richtung eines Blutsverwandten-Vertreters ganz auf die Liste von Michael McKee verlassen. Und da die sehr lang ist, gehe ich jetzt lieber. Wir wollen doch keine wertvolle Zeit vergeuden, oder...?“

Caitlin konnte ihren Ă„rger nicht ganz unterdrĂĽcken - auch, wenn sie sich nicht das Geringste anmerken lieĂź. Wie konnte dieser arrogante Prinz es wagen, einfach ein Angebot von ihr abzulehnen? Sie war eine der einfluĂźreichsten Mitglieder der Union und sie war die AnfĂĽhrerin von Colins Blutlinie. Jedes Wesen auf diesem Planeten wĂĽrde sich die Finger danach lecken, daĂź Caitlin McKee ihm etwas schuldete und der arrogante Ventura lehnte einfach einen Vorschlag ab!


Sichtbar genervt klopfte Olympia an der TĂĽr der Suite, die - laut Rezeptionistin - Julian Luna bewohnte. Zu ihrer Verwunderung öffnete Sonny die TĂĽr. „Ist dies das Zimmer von Mister Luna?“

Sonny war genauso ĂĽberrascht. Er hatte nicht gewuĂźt, daĂź seine Lebensretterin mit seinem Sire befreundet war - und er war eifersĂĽchtig. „Ja, das ist es. Was kann ich fĂĽr Sie tun?“

„Mich mit ihm sprechen lassen“, erwiderte Olympia mehr als unterkĂĽhlt.

„Oh. Er ist im Moment nicht da. Aber Sie können gerne auf ihn warten.“

Mit einem gleichgültigen Achselzucken preßte sich Olympia durch den Türspalt. Sie schenkte der Einrichtung des kleinen Wohnzimmers nicht die geringste Beachtung - sie hatte schon genug Suiten gesehen - und setzte sich mürrisch auf die Couch. Auf jemand zu warten hatte nicht zu den Dingen gehört, die Olympia erwartet hatte - normalerweise warteten ihre Patienten auf sie. Aber da dies hier während ihrer Arbeitszeit war...

„Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten, Gardistin MacKenzie?“

„Ihre Versuche, Small Talk zu starten sind nutzlos, Mister Toussaint. Ich bin lediglich aus dienstlichen GrĂĽnden hier.“

„Das habe ich mir schon gedacht. Ich habe noch eine Kanne heiĂźes Menschenblut und die Minibar ist voll. Wie wär’s, hm?“

„Na gut. Ich nehme das Blut. Aber nur eine Tasse oder ein Glas, ich trinke nicht gerne aus Kaffeebechern.“

„Wie Sie wĂĽnschen.“ Sonny holte schnell das Blut und setzte sich neben Olympia auf die Couch. „Bitteschön. Wenn es nicht zu indiskret ist: Weshalb sind Sie gekommen?“

„Ihre Leute haben die Termine im Hospital nicht wahrgenommen. Ich wurde von Doktor McKee geschickt, um Ihrem Prinzen klarzumachen, daĂź unsere Hilfe lediglich eine groĂźzĂĽgige Geste ist, nichts, was er auf Abruf bekommt. Obwohl dafĂĽr zu bezahlen ist.“

„Ich wuĂźte gar nicht, daĂź wir Arzttermine haben. Sind wir krank oder wollen Sie nur sicher gehen, daĂź wir keine Krankheiten einschleppen?“

„Es ist gut möglich, daĂź Sie länger als eine Woche im Sunnydale Inn bleiben. DafĂĽr mĂĽssen Sie sich untersuchen lassen. Wir haben unsere Vorschriften und sie erweisen sich meistens als sehr nĂĽtzlich und sinnvoll - selbst, wenn sie in Einzelfällen ĂĽbertrieben erscheinen. Wenn das Hospital sich weigert, Sie zu untersuchen, dann fliegen Sie raus. So einfach ist das. Und deshalb schätzen wir es nicht besonders, wenn man uns versetzt.“

„Ich bin sicher, daĂź mein Sire das nicht mit Absicht gemacht hat. Womöglich ist Ihre Nachricht nicht an ihn weitergeleitet worden.“

„Das ist unwahrscheinlich. Miss Stein hat das Fax direkt an seine Suite geschickt.“

„Oh.“

„Wenn ich Mister Luna nicht einschĂĽchtern sollte, dann wĂĽrde ich ihm einfach eine Nachricht hinterlassen. Aber vielleicht genĂĽgt es ja, wenn ich die Wände seiner Suite mit Blut bespritze und ihm ein Wachsmännchen mit abgehacktem Kopf per Post schicke...“

Und sie hatte doch Humor. Wenn auch einen schwarzen... „Ich denke mal, daĂź das den Inhalt rĂĽberbringt. Aber eine persönliche EinschĂĽchterung wird sicher bedeutend effektiver sein.“

„Danke. Sie fĂĽhlen sich unwohl in meiner Gegenwart, da ich eine Brujah bin, nicht wahr? Sie befĂĽrchten, ich könnte jeden Augenblick die Kontrolle verlieren.“

„Ich fĂĽhle mich nicht unwohl in Ihrer Gesellschaft. Ganz und gar nicht. Und seit ich Vampir-Frank kenne, finde ich Brujah gar nicht mehr besonders unkontrolliert, instinktiv, gewalttätig und cholerisch. Auf einmal erscheinen sie mir wie sĂĽĂźe, kleine Kuscheltiere.“

„Entweder haben Sie groĂźen Mut oder Sie möchten Selbstmord begehen, das zu einer Brujah zu sagen. Hat Ihnen noch nie jemand gesagt, daĂź man niemals einem Brujah sagen sollte, er wäre cholerisch, weil er dann cholerisch wird?“ Olympia begann langsam, SpaĂź an der Unterhaltung zu haben. Sie mochte es, Leute zu verunsichern.

„Gesagt hat es mir noch niemand, aber ich habe es ein paar Mal am eigenen Leib erfahren.“

„Dann sind Sie verrĂĽckt!“

„Vielleicht möchte ich nur, daĂź Sie noch etwas bleiben. Selbst, wenn Sie bleiben, um mir die Eingeweide rauszureiĂźen.“

Olympia lächelte sanft und gestand dem Ventura, „das ist das netteste, was mir ein Mann jemals gesagt hat.“

„Ich meine es ernst. Gehen Sie einmal mit mir aus?“

Okay, damit hatte sie jetzt nicht gerechnet. Sie würde gerne mit Sonny ausgehen - immerhin würde es nur ein kleines Date sein, nichts Aufsehen erregendes - aber sie fürchtete sich vor der Reaktion des Prinzen. Obwohl sie nie unter ihrer Art gelebt hatte, wußte sie - wie alle Prätorianer - ziemlich gut Bescheid über die Blutsverwandten. Und sie wollte Sonny keinen Ärger bereiten, das hatte er nicht verdient.

„Ă„hm... wenn Sie nicht wollen, brauchen Sie natĂĽrlich nicht. War nur so eine Frage.“

„Doch, doch, ich wĂĽrde sehr gerne mit Ihnen ausgehen. Ich habe da nur zwei Bedingungen.“

„SchieĂźen Sie los!“

„Sie holen mich nach meinem Dienstende am Hospital ab - ich hab heute von acht Uhr am Abend bis vier Uhr am Morgen. Und wir duzen us.“

„Sehr gerne, Olympia.“

Olympia lächelte unsicher. Sie fühlte sich wieder wie ein Schulmädchen bei der ersten Verabredung mit ihrem Schwarm - nicht wie eine untote Prätorianergardistin, die sich gerade mit einem ihrer Feinde verabredet hatte. Das änderte sich schlagartig, als sie hörte, wie sich jemand an der Tür räusperte. Ihr Zielobjekt.

Fasziniert beobachtete Sonny, wie sich sein Date binnen Sekunden vom schüchternen Mädchen zur eiskalten Brujah-Soldatin mit Killerauftrag verwandelte. Mit einer katzenartigen Bewegung stand sie auf - durch und durch Selbstsicherheit, Arroganz und Mordlust signalisierend. Plötzlich hoffte er inständig, ihre dunkle Seite niemals kennenlernen zu müssen.

„Es freut mich ungeheuer, daĂź Sie sich letztendlich doch dazu bequemt haben zurĂĽckzukommen, Mister Luna. Ich dachte bereits, man hätte Ihnen gesagt, daĂź ich komme und Sie wären schnell verschwunden.“

Die Verwirrung war deutlich auf Julians Gesicht zu sehen. Weil er schon lernen muĂźte, daĂź es keinen Sinn hatte, die Unionsleute zu belĂĽgen, versuchte er erst gar nicht, sie zu verbergen. „Womit habe ich Ihren Besuch verdient, Gardistin?“

Olympia schnaubte verächtlich. „Nun, entweder halten Sie uns fĂĽr Ihre Diener oder Sie haben die Autorität eines Regenwurms bei Ihren Untergebenen!“

„Weshalb sind Sie wĂĽtend auf mich? Was habe ich falsch gemacht? Oder ist das Ihre Art, Ihren Gästen zu zeigen, daĂź sie nicht vergessen wurden?“

„Sie haben den Termin nicht wahrgenommen!“

„Welchen Termin?“

„Den im Hospital, natĂĽrlich, Ventura! Oder arbeite ich fĂĽr Ihren Schneider?!“

„Es tut mir wirklich leid, Gardistin MacKenzie, aber ich habe immer noch nicht die geringste Ahnung, worĂĽber Sie sprechen. Keiner von uns hatte einen Termin im Unionshospital, nachdem wir Frank Kohanek abgeholt haben.“

„Ach nein? Dann denken Sie noch mal nach! Und benutzen Sie diesmal das Ding zwischen Ihren Haaren, Ihrem Gesicht und Ihrem Hals! Oder haben Sie nur Stroh im Kopf, Ventura?!“

„Ich benutze bereits mein Gehirn“, erwiderte Julian sehr kĂĽhl.

Bevor die Situation noch eskalierte, sah sich Sonny gezwungen, Julian aufzuklären. Er hatte wirklich keine Lust auf ein Date mit Olympia im Hospital. „Sire, die Leute vom Unionshospital haben Dir ein Fax geschickt, daĂź wir alle einen Termin zum Check-up haben. Wenn wir länger als eine Woche hier bleiben, mĂĽssen wir untersucht werden - das ist eine Unionsvorschrift, damit wir keine Krankheiten einschleppen. Können wir kein Attest vorweisen, mĂĽssen wir ausziehen. Die Leute vom Hospital sind wĂĽtend, da wir den Termin verpaĂźt haben. Weil wir nicht zur Union gehören, ist es eine Gefälligkeit.“

„Ich entschuldige mich in aller Form dafĂĽr, Gardistin MacKenzie. Ich habe das Fax nicht erhalten.“

Widerwillig nickte Olympia. Obwohl sie dem Ventura gerne einen Denkzettel verpaßt hätte, konnte sie es nicht. Aus irgendeinem verrückten Grund - den sie selbst wohl nie herausfinden würde - glaubte sie ihm. Vielleicht war er auch nur ein sehr guter Schauspieler oder sie wollte Sonny keinen Ärger machen, aber das änderte nichts mehr. Sie konnte ihn nicht ruhigen Gewissens bearbeiten.

„Das hat mir Ihr Childe auch versichert. Es ist möglich, daĂź das Blatt auf den Boden fiel und die Putzfrau es als MĂĽll mitgenommen hat. Der Aufwand lohnt sich nicht, magisch nachzuprĂĽfen, ob Sie die Wahrheit sagen oder lĂĽgen, wer Ihnen gegebenenfalls Schaden wollte. Da ich selbst eine Blutsverwandte bin, mache ich Ihnen ein Versöhnungsangebot: Sie lassen sich eine nette Entschuldigung einfallen und Miss Stein wird Ihnen einen neuen Termin geben. Per Telefon. Ăśberlegen Sie sich die Antwort gut, denn eine saure Union ist nichts, was Sie erleben wollen.“

„Das ist ein vernĂĽnftiger KompromiĂź.“

„HeiĂźt das, Sie lassen sich darauf ein?“

„Ja.“ Nur widerwillig sprach Julian das nächste Thema an. Es wĂĽrde vielleicht die einzige Chance sein, die er hatte. „Und ich wĂĽrde bei Gelegenheit gerne mit Ihnen ĂĽber ein paar unschöne Dinge sprechen, die mir Doktor McKee ĂĽber Sie erzählt hat.“

Verlegen sah Olympia auf ihre Schuhe. „Ă„hm... na ja, es ist so... äh... manchmal werde ich wĂĽtend. Und dann mache ich Sachen kaputt. Das passiert aber nicht oft und die anderen Brujah, die ich kennengelernt habe, sagen, daĂź das ganz normal ist. Ich will das nicht, aber irgendwie passiert es ab und zu.“

„Doktor McKee sagte, daĂź Sie einmal pro Woche solch einen Anfall haben.“

„Kann schon sein“, grummelte Olympia. Warum konnte der Mann sie nicht einfach so akzeptieren, wie sie war?

Na toll, jetzt wurde sie auch noch bockig... „Verstehen Sie das bitte nicht als Angriff. Ich möchte Ihnen lediglich helfen. Ich weiĂź, wie schwer es manchmal ist, sich zu kontrollieren. Besonders fĂĽr die jĂĽngeren.“ FĂĽr Brujah, fĂĽgte er gedanklich hinzu. Der Prinz hielt seine Stimme sanft und leise - als wolle er ein Raubtier zähmen. Nur wuĂźte er, daĂź er die Brujah, die ihm gegenĂĽber stand, niemals zähmen wĂĽrde. Er hatte bei Sasha lernen mĂĽssen, daĂź es alles nur schlimmer machte.

„Ich hab oft genug erlebt, wie das läuft!“, fuhr die Brujah ihn am. „Zuerst tun Sie alle ganz hilfsbereit und verständnisvoll und dann behandeln Sie mich doch wieder wie den letzten Dreck! FĂĽr Ihren Clan bin ich nichts anderes als Abschaum! Und das muĂź ich mir nicht bieten lassen!“

„Nein, Gardistin, das ist nicht wahr. Ich sehe Sie nicht als Abschaum an.“

„Doch, das tun Sie!“, keifte Olympia und rannte fluchtartig aus der Suite. Sie wollte nicht, daĂź die Ventura ihre Tränen sahen.

Julian sah zu seinem Childe, dessen Gesicht seine eigene Verwirrung reflektierte. „Was war das?“

Sonnys einzige Antwort war ein geächztes, „Frauen...“


In der WaschkĂĽche auf dem DachgeschoĂź standen Pete und Daniel mit fĂĽnf groĂźen Behältern voll Wäsche vor den drei Waschmaschinen-Trocknern. „Womit fangen wir an?“

„Mit dem Sack hier? Der ist der älteste, glaube ich.“

„Okay.“ Pete setzte sich neben seinem Freund auf den Boden und gemeinsam begannen sie, die ganze Wäsche hineinzustopfen. DaĂź sie alle Farben und Stoffe zusammen hineintaten, interessierte sie nicht. Wieso sollten sie sich die Zeit nehmen, das zu sortieren? War doch eh unnötig und die Frauen regten sich nur immer drĂĽber auf, fanden sie.


„Jetzt paĂźt wirklich nichts mehr rein“, stellte Dan fest, als er vergeblich versuchte, ein Samthemd zwischen die durchsichtige Klappe und den Haufen Wäsche zu stopfen. „LaĂź uns das Zeug reinmachen. Was haben wir denn da? Bleiche. Bleiche ist gut. LaĂź uns die ganze Flasche da reinmachen.“

„Extra starkes Waschpulver ist auch gut. Und Reinigungsbenzin soll angeblich auch fĂĽr die Wäsche sein. LaĂź uns das alles reinmachen.“

Auch die Lade wurde bis oben vollgemacht. Dann stellte der junge Vampir die erste Waschmaschine ein. Auf Kochen, mit Vorwäsche und der höchsten Schleuderstufe. Der Trockner wurde auch gleich eingestellt - auf die höchste Stufe natürlich. Die anderen zwei Waschmaschinen wurden auch vollgequetscht.

„LaĂź uns jetzt den Parkettboden in der KĂĽche machen. Der ist ganz dreckig.“

„Okay. Was haben wir denn hier an starken Sachen? Aha! Ich hab’s! Das soll ein extrem starkes, ätzendes und desinfizierendes Mittel sein. Wenn man es pur anfaĂźt, kann man sich verätzen. Am Besten, wir lassen das zuerst mal ein paar Stunden einweichen.“

„Okay, laĂź es uns mit einem Besen verteilen.“


Nach drei Stunden Einwirkzeit kamen die beiden Söhne von Caitlin wieder in die Küche. Sie schleppten einen überdimensionalen Putzeimer, in den sie alle Reinigungsmittel, die sie finden konnten, reingeschüttet hatten - vermischt mit einer Kaffeetasse Wasser.

Angeekelt rĂĽmpfte Pete McKee seine Nase. „Igitt! Das Zeug stinkt ja schrecklich!“

„Ja, das kommt davon, daĂź es ätzend ist. Ich glaube, wir mĂĽssen gleich das ganze Haus mit diesem RaumparfĂĽm einnebeln, damit Caitlin nichts merkt, wenn sie zurĂĽckkommt“, meinte Dan und fing mit seinem Wischmop an, die dicke Schicht Putzmittel abzuarbeiten.

„Ă„hm... ich glaube nicht, daĂź uns das noch vor der Exekution retten wird“, meinte Pete. Voller Schock starrte er den Boden an. Der teure - und erst kĂĽrzlich verlegte - ParrkettfuĂźboden war grau anstatt mittelbraun. Auch der Glanz war verschwunden und er hatte eine häßlich matte, spröde Substanz angenommen.

Das einzige, was Dan rausbringen konnte, war, „oh, oh...“

„Hast Du eine Idee, was wir jetzt machen sollen?“

„Um ehrlich zu sein, habe ich keinen blassen Schimmer. Das einzige, was Sinn ergeben wĂĽrde, wäre Asyl zu suchen auf dem Mond.“

„Oder bei Xander.“

„Wenn er erfährt, was wir gemacht haben, dann wird er uns umbringen. Und er wĂĽrde uns gar nicht reinlassen, weil er auch viel Parkett hat...“

„Gut, dann ist das keine Lösung. Bis wann hat Caitlin Dienst im Hospital? Bis halb vier, richtig? FĂĽr das Abendessen um halb sechs wird sie zurĂĽck sein. Damit kommt sie frĂĽhestens gegen fĂĽnf. Wir haben jetzt zwei Uhr. Das bedeutet, wir könnten es ĂĽberleben, wenn wir schnell genug sind.“

„Es war reines GlĂĽck, daĂź sie nicht mehr in die KĂĽche gekommen ist, bevor sie zur Arbeit ging.“

„Na ja, sie läßt das Mittagessen doch immer ausfallen, damit sie rechtzeitig zum Hospital kommt.“

„Wir vergeuden hier nur Zeit. LaĂź uns lieber ĂĽberlegen, wo wir einen Tischler herbekommen, der um diese Uhrzeit an die 25 Quadratmeter Parkett verlegt!“


Im StreĂź - wie die ganze Zeit - sauste Willow in ihrer schwarzen Lederuniform ins Foyer der McKees um zwei Uhr 27. Sie hatte gerade ihren Dienst im Hospital beendet und muĂźte ein paar Sachen abholen.

Um halb drei sollte sie schon im Sunnydale Inn sein, um Frank Kohanek ĂĽber die Vampirgesellschaft und ihre Sitten zu unterrichten. Caitlin war der Ansicht, daĂź er sich weniger unterlegen fĂĽhlen wĂĽrde, wenn ein Mensch es ihm beibrachte.

Bei der Gelegenheit würde sie direkt einen anderen Hüter im Namen der McKees begrüßen, der neu in Sunnydale angekommen war. Er war ein Freund der Familie und deshalb hatte sie diese Aufgabe bekommen. Caitlin behauptete, es wäre gut, wenn er gleich das neue Familienmitglied kennenlernen würde.

Wo sie einmal da war, hatte sie sich auch danach zu erkundigen, ob ein Gast medizinische Hilfe wĂĽnschte. Gegebenenfalls muĂźte sie diesen dann noch behandeln, Termine vereinbaren und Hausbesuche dort machen.

Danach mußte sie noch einem Dämon mit zu niedrigem Blutdruck einen Hausbesuch auf dem Friedhof abstatten. Da sie die einzige menschliche Heilerin im Hospital war, hatte sie die zweifelhafte Ehre, alle Hausbesuche am Tag zu machen. Tagsüber war nur ein unsterblicher Krankenpfleger dort, der die stationären Patienten pflegte und einen Arzt anrief, wenn jemand kam, den er nicht behandeln konnte.

Hastig schnappte sich die rothaarige Hexe ihren Rucksack mit BĂĽchern fĂĽr Frank und ihren eigenen Arztkoffer. „Wie konnte ich nur das nur vergessen? Jetzt komme ich zu spät!“ Ein seltsamer, beiĂźender Geruch erreichte ihre Nase. Sie wollte sich gerade schulterzuckend wegdrehen - seltsame Dinge waren Normalität,, seit sie hier eingezogen war - als sie die Idee bekam, sich noch eine Banane und Dose Mineralwasser aus der KĂĽche zu holen. Es ärgerte die Hotelleute immens, wenn sie ihre eigenen Sachen mitbrachte - weshalb sie es bei jedem Besuch tat.

Wenn Willow den zerstörten KĂĽchenfuĂźboden sah, konnte sie einen kleinen Schrei nicht unterdrĂĽcken. „Dan! Pete! Was habt Ihr Dummköpfe diesmal gemacht?!“, schimpfte sie.

„Ă„h...“

„Willow? Was machst Du denn hier?“

„Anstatt hier dumm rumzustehen, Dan, könntest Du mir eine Banane und eine Dose Wasser geben - ich werde garantiert nicht auf den verätzten Boden treten und die Sohlen von meinem Stiefeln kaputtmachen. Ich muĂźte schon zweimal zur Kleiderkammer gehen fĂĽr ein Paar Ersatzstiefel und langsam wird es mir peinlich.“

„Ich bringe Dir Dein Futter bis zur TĂĽr. Aber du muĂźt versprechen, daĂź Du niemandem was davon erzählst.“

„Kein Problem, das kann ich schwören. Ihr werdet sowieso den Ă„rger bekommen. Immerhin ist Lisa nicht da und Ihr habt Euch fĂĽr den Putzdienst gemeldet. Ganz abgesehen davon, daĂź nur Ihr einen solchen Mist bauen könnt. Aber wenn Ihr versuchen wollt, einen neuen FuĂźboden bis fĂĽnf Uhr zu legen: Mir soll es egal sein...“

„Danke, Willow. Wenn Du Caitlin was verrätst, dann werden wir Dich aber fĂĽr ne Woche in die Folterkammer sperren!“

„Hier ist Dein Essen.“

„Danke. Und Du kannst es ja versuchen, Dan! Bis später!“


„Wirklich?“ Olympia konnte sich vor Lachen nicht mehr halten. Sie ignorierte die anderen Gäste des schäbigen Diner, die sie verwirrt anstarrten. Es waren sowieso nur Sterbliche und wenn ihr jemand dumm kam, dann wĂĽrde sie ihn eben essen.

„Möchtest Du noch einen Becher von diesem scheuĂźlichen Kaffee?“

„Nein, danke. Der ist zwar so dĂĽnn wie SpĂĽlwasser, aber nach 12 Tassen kommt selbst die stärkste Brujah einer Koffeinvergiftung gefährlich nah.“

„Vielleicht hätten wir doch in Willys Bar bleiben sollen.“

„Besser nicht. Das Zeug, was er tagsĂĽber anbietet, ist noch schlechter als das in der Nacht. Er hat nur zum Schein eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang auf. Das ist alles.“

„Ich glaube, ich werde mich nie daran gewöhnen, wie selbstverständlich hier alle Rassen zusammenleben.“

„Zugegeben, es ist etwas ungewöhnlich. FĂĽr jemanden wie Dich, der von Anfang an lernte, sich zu verstecken, ist es vielleicht sogar fremdartig. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Es gibt auch in anderen Städten Bars wie diese. In Los Angeles zum Beispiel das Caritas. Das ist eine neutrale Zone, wo Menschen ganz friedlich ihre Cola neben Schleimdämonen mit Eingeweidesaft schlĂĽrfen.“

„Du warst schon einmal in LA?“, fragte Sonny schockiert nach.

„NatĂĽrlich war ich das! Angelus hat lange in Los Angeles gelebt und wir haben zusammen Angels Sachen aus dem Hotel geholt. Weil er die Aufgaben in Angels Firma neu verteilen und sie ĂĽberschreiben lassen muĂźte, blieben wir eine Woche. Da habe ich eine Menge von der Stadt gesehen. Danach war ich noch zwei Mal mit Angelus und mal alleine da, um mit Fällen zu helfen. Ich kann Dich das nächste Mal mitnehmen. Du bist auch ein guter Kämpfer und Cordy wĂĽrde sich bestimmt freuen, einen zweiten Blutsverwandten kennenzulernen.“

„Seine menschlichen Angestellten wissen Bescheid?!“

„NatĂĽrlich. Unter anderem ist einer von ihnen Wächter gewesen, ein anderer fĂĽhrte eine Gang an, die den blutsaugenden Teil der Bevölkerung aus seinem Viertel vertrieb, Cordy ist ein ehemaliges Scooby Mitglied. Denkst Du wirklich, die hätten das nicht schon vor Jahren erfahren? Hier ist die Situation anders als bei Euch - jeder weiĂź Bescheid und kommt damit zurecht. Du muĂźt Dich daran gewöhnen.“

„Ich glaube jetzt noch mehr, daĂź ich mich nie daran gewöhnen werde, wie selbstverständlich hier alle Rassen zusammenleben.“

„Dein Pech! Mir gefällt es gut.“

„Ich habe nicht gesagt, daĂź es mir nicht gefällt...“

„Ich hoffte, Du wĂĽrdest das sagen. Fährst Du mich nach Hause? Ich werde mĂĽde und brauche ein paar Stunden Schönheitsschlaf.“

„Klar.“ Sonny warf 20 Dollar auf den Tisch und half Olympia in den Mantel. „Sehen wir uns wieder?“

„Wäre mir sehr angenehm. Was hältst Du von Morgen?“, fragte die Brujah, während sie das Lokal verlieĂźen und zu seinem Auto gingen.

„GroĂźartig! Ich hole Dich um sechs vor der Kaserne ab?“

„Das ist wunderbar.“


„LaĂź die Finger von mir!“, fuhr Ethan einen von Darrens Minions an. „DARREN! Sag Deinen verdammten Minions sofort, daĂź sie mich in Ruhe lassen sollen!“

„Danke, Jungs. Ihr könnt ihn jetzt loslassen. Geht zurĂĽck auf Eure Posten und laĂźt uns einen Moment alleine.“

„Ja, mein Meister.“

„Was sollte das, Darren? Ich kann sehr gut alleine laufen und es hätte durchaus genĂĽgt, mir eine Nachricht zu schicken, daĂź DU mich sehen willst! MuĂźt Du mir direkt Deine Bluthunde auf den Hals hetzen?!“

„Ja, das muĂźte ich. Ich konnte nämlich nicht riskieren, daĂź Du Dir mit Deinem Erscheinen Zeit läßt, Mensch. DafĂĽr ist zu wichtig, was ich Dir zu berichten habe.“

Es machte Ethan miĂźtrauisch, daĂź sich der Meistervampir nicht ĂĽber seine Beleidigungen aufregte. Entweder hatte er sehr gute Nachrichten oder er war krank... „Dann sag schon endlich, was DU mir sagen willst. Ich habe heute Nacht noch was vor.“

„Wir haben den Blutsverwandten wiedergefunden!“

„Du bist Dir ganz sicher, daĂź er es ist? Ich möchte keine böse Ăśberraschung erleben, wenn wir unserem Dämon einen einfachen Menschen oder gar einen Minion opfern.“

„Adelaide hat ihn sich selber angesehen. Er ist es.“

„WeiĂźt Du, wo er wohnt? Wie er heiĂźt? Was und wer er ist?“

„Meine Leute haben Nachforschungen angestellt. Sein Name ist Sonny Toussaint, er ist der AnfĂĽhrer der Ventura von San Francisco. Das Childe des Prinzen. Er hat einen sehr guten Ruf, er hat EinfluĂź. Ein wĂĽrdiges Opfer. Wenn Du willst, kannst Du ihn Dir selbst ansehen gehen. Er lebt im Sunnydale Inn. Vielleicht spricht er sogar mit Dir, da Du ein Mensch bist.“

„Ich muĂź sagen, Darren, diesmal hast Du Dich selbst ĂĽbertroffen. Das ist gute Arbeit, sehr gute sogar. Du machst Dich zu einem formidablen Alliierten. Aber ich glaube Dir nicht, daĂź Du deshalb so eine gute Laune hast. Was ist geschehen, was Dich so freundlich gestimmt hat?“

„Ich habe mein Childe wiedergefunden.“

Oh nein! Das konnte doch nicht wahr sein. Jetzt wĂĽrde Darren sicher alle Vorsicht in den Wind werfen und Adelaides Childe kidnappen. Bevor er seine Intrige vollenden konnte, sogar. „Das.. freut mich. Was weiĂźt Du ĂĽber den Mann?“

„Er scheint ein Freund von Toussaint zu sein. Jedenfalls werden sie oft zusammen gesehen. Er scheint auch im Sunnydale Inn zu wohnen. Ich habe nicht mehr ĂĽber ihn rausgefunden, als, daĂź er Frank Kohanek heiĂźt.“

„Nun, das hättest Du auch feststellen können, indem Du seinen Personalausweis gelesen hättest“, erwiderte Ethan kĂĽhl.

„Ich will Frank zurĂĽckhaben!“

„Du wirst ihn zurĂĽckbekommen. Aber zuerst mĂĽssen wir Macht bekommen durch den Dämon. Und dafĂĽr brauchen wir ein ordentliches Opfer.“

„Du kannst Toussaint haben als Dämonenfutter. Ich bekomme mein Childe!“

Plötzlich erschien Adelaide im Hauptraum der Gruft. „Sire, Frank ist mein Childe. Warum willst Du ihn denn haben? Er gehört mir“, klagte Adelaide.

„Hast Du uns etwa belauscht, Du MiststĂĽck?!“, knurrte Darren.

„Nein, Sire, ich war ein gutes Mädchen. Ich habe gejagt. Ich habe nur gehört, was Du gerade gesagt hast. Ich will mein Childe zurĂĽckhaben. Du wirst mir meine Puppe abnehmen.“

Darren wechselte ins Gameface, als er aufsprang und seinem Childe eine schallende Ohrfeige gab. „Du lĂĽgst! Wenn ich mit Dir fertig bin, dann wirst Du nie wieder wagen, mich anzulĂĽgen! Und ich werde Dir schon noch beibringen, daĂź man seinem Sire keine Befehle gibt, Childe!“

„Darren, vielleicht kannst Du später Dein Childe foltern und wir sprechen jetzt ĂĽber unsere Geschäfte. Wie ich schon sagte, habe ich nicht die ganze Nacht Zeit. Ich wĂĽrde es sehr zu schätzen wissen, wenn wir schnell fertig sind.“

„Sire, darf ich jagen gehen?“

„Von mir aus! Solange Du nur verschwindest! Es gibt nicht viel zu besprechen, Ethan! Ich werde den Blutsverwandten weiter beobachten lassen und bringe ihn Dir ein paar Tage vor dem Vollmond. Dann haben sie nicht so viel Zeit, um ihn zu suchen. In der Zwischenzeit werde ich auch mein Childe observieren lassen. Wenn ich es einmal alleine finde, bringe ich es zurĂĽck zu seiner Familie.“

„Willst Du damit sagen, daĂź Frank bewacht wird?“

„AuĂźerhalb des Hotels haben meine Leute ihn noch nie alleine gesehen. Er wird immer von bewaffneten Leuten bewacht. Wir haben keine Chance, ihn zu nehmen, weil es mindestens zwei Wachen sind. Je nachdem, was sie ihm erzählt haben, wird er sich gegen mich wehren und dann verliere ich zu viele Minions.“

Hm, das könnte von Nutzen fĂĽr ihn sein... „Beschränke Deine Bewachung auf das Sunnydale Inn, Darren. Sowohl fĂĽr Dein Childe, als auch fĂĽr Toussaint. Wir wissen nicht genug ĂĽber die Fähigkeiten der Blutsverwandten, um sicher zu sein, daĂź er nicht bemerkt, daĂź er verfolgt wird. Und in wenigen Tagen wird Frank es bemerken. Zumindest, wenn die Verfolger so schlampig sind wie Deine Minions. Ich will nicht, daĂź sie Verdacht schöpfen.“

„Aber vielleicht reisen sie ab und wir merken es nicht!“

„Deshalb sollst Du ja das Hotel ĂĽberwachen. Um abzureisen, mĂĽssen sie ihr Gepäck mitnehmen. Sie werden das Auto vorbereiten. Und dann kannst Du zuschlagen. Wir haben jetzt einen groĂźen Vorteil: Wegen Kohanek können sie nicht am Tag abreisen. Und in der Nacht sind Deine Minions da.“

„Wenn es sein muĂź...“

„Ja, es muĂź sein. Du möchtest doch nicht, daĂź Toussaint ein paar Dutzend schwer bewaffnete Gangrel- und Brujah-Krieger in die Stadt holt, oder? Wenn er schwer bewacht wird, haben wir keine Chance. Und der Prinz wird keine Gefahr eingehen, wenn es um die Sicherheit seines Childes geht. Er ist reich, er kann eine ganze Privatarmee fĂĽr seinen Jungen anstellen.“

„Wenn er so mächtig ist und so gute Kämpfer hat, sollen wir dann wirklich sein Childe opfern?“, fragte Darren. Auf einmal war er sich nicht mehr so sicher, daĂź es eine gute Idee war. Er hatte keine Lust darauf, sich mit einer Privatarmee anzulegen.

„Darren, bitte! Jetzt denk doch mal nach! Gerade, weil Julian Luna so mächtig ist und so gute Kämpfer hat, ist sein Childe das ideale Opfer. Es ist sehr schwer, Toussaint zu kidnappen und es ist noch gefährlicher, sein Childe zu opfern. Je kostbarer das Opfer, desto größer die Belohnung, erinnerst Du Dich noch?“

„Meine Minions werden vorsichtig sein und wir werden ihn kidnappen, wenn die Zeit reif ist. Aber wenn wir von dem Prinzen angegriffen werden, dann muĂźt Du das Problem lösen!“

„Er wird bald genauso vor uns in die Knie gehen wie die Union. Wenn selbst die mächtige Union - eine als unbesiegbar geltende Gruppe - keine Chance gegen uns hat, wie soll es dann ein einziger Prinz schaffen? Er hat viele Feinde - selbst in der eigenen Stadt. Wenn er uns nicht mehr amĂĽsiert, werden wir einfach jemand von seinen eigenen Feinden dazu anheuern, ihn zu töten. Wer wird nicht gerne in unserer Gunst stehen?“

„Einverstanden. Machen wir es so, wie Du vorgeschlagen hast, Ethan. Du bist fĂĽr die Planung zuständig, ich fĂĽhre es aus. Aber wenn irgendwas schief geht oder noch mehr von meinen Leuten sterben, dann werde ich Deinen Kopf als Trophäe an meine Wand hängen!“

Wenn er sich da nicht verrechnete... „Es wird nichts schiefgehen, Darren. Was soll schon passieren? Niemand weiĂź, daĂź wir in der Stadt sind, niemand weiĂź, was wir planen und niemand kann sich uns in den Weg stellen! Wenn wir erst einmal die Macht unseres Dämons haben, dann wird es noch besser sein. NIEMAND kann uns stoppen, wir werden unbesiegbar sein! Warte es nur ab, Darren, Du wirst lieben, was ich Dir gebe!“

„Das will ich auch hoffen. Sonst...“

„Ja, ja, ich weiĂź, sonst wird mein Kopf eine Trophäe. Ich sehe Dich in ein paar Nächten, Darren!“

„Mach nur ja keinen Fehler, Mensch!“


Ethan hatte den Friedhof fast verlassen, als er durch ein Pfeifen aufgeschreckt wurde. Er hatte keine Ahnung, wer ihn suchen sollte. „Ist da jemand?“

„Leise! Ich bin hinter dem neuen Grabstein, Ethan. Kommen Sie bitte her, ich habe wichtige Informationen ĂĽber meinen Sire fĂĽr Sie. Aber lassen Sie niemand Sie sehen“, flĂĽsterte Adelaide.

Und er hatte schon gedacht, die Intrige wäre fĂĽr die Katz gewesen... So unauffällig wie möglich folgte er der blonden Vampirin in die Ecke. „Was möchten Sie mir sagen, Adelaide?“

„Ich habe Informationen. Aber ich werde sie Ihnen nicht so geben. Sie mĂĽssen mir ein Versprechen machen.“

„NatĂĽrlich. Alles, was Sie wollen.“

„Ich bin nicht verrĂĽckt, wie alle Leute denken. Darren dachte, er hätte mich in den Wahnsinn getrieben - das war nur Schauspielerei. Ich plane schon, seinen Posten zu ĂĽbernehmen, seit er anfing, mich zu verfolgen, mich verrĂĽckt zu machen. Dadurch, daĂź er nicht weiĂź, das ich klar bin, läßt er mich viele Dinge wissen, die ihm gefährlich werden können.“

Adelaide hatte doch immer wieder eine Gabe, ihn zu überraschen. Ein schönes, intrigantes und kluges kleines Mädchen. Genau die Kameradin, die er brauchte und suchte. Ein Dummkopf wie Darren würde ihm auf lange Sicht nichts helfen. Aber wenn er Adelaide dazu bringen könnte, ihm zu helfen...

„Schlau, hĂĽbsch und durchtrieben, was fĂĽr eine wundervolle Mischung... Was wollen Sie denn, Adelaide? Wenn Sie wirklich wichtige Informationen haben, die ich gegen Ihren Sire benutzen kann, bin ich bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Aber wenn Sie mich betrĂĽgen, dann werden Sie keine Zeit mehr haben, es zu bereuen, mein Kind“, drohte Ethan.

„Ich bin nicht Ihr Kind, das wissen Sie ganz genau, Magier. Ich bin nicht besonders alt, aber ich habe eine Macht, die Sie brauchen. Deshalb sollten Sie sich auch Ihre Drohungen sparen. Ich weiĂź selbst, daĂź mit Ihnen nicht zu SpaĂźen ist.

Zu meinen Bedingungen: Ich helfe Ihnen auĂźerdem, Darren zu entmachten. DafĂĽr sorgen Sie, daĂź ich mein Childe bekomme. Ich will Frank als mein Childe und nur meines alleine - das ist die einzige Chance fĂĽr mich, meine eigene Dynastie aufzubauen. Ein anderes Childe wird mir Darren nicht erlauben und meine Geschwister wĂĽrden miĂźtrauisch werden. Aber durch ihn kann ich viel erreichen. AuĂźerdem werde ich Darrens Nachfolger als FĂĽhrer unseres Clans.“

Hatte ihr niemand gesagt, daß man ihm niemals trauen konnte? Aber Ethan erinnerte sich daran, daß Adelaide gut schauspielern konnte. Er mußte vorsichtig sein mit ihr - genauso gefährlich war sie für ihn, wie nützlich. Vielleicht plante sie genau in diesem Moment seinen Tod. Aber was hatte er sonst für eine Wahl, ohne sie zu seinem Feind zu machen?

„Damit kann ich leben. Ich möchte nicht, daĂź Darren noch mehr Macht bekommt - was er wĂĽrde durch Kohanek - und ich will ihn loswerden. Jetzt will ich meine Informationen, Adelaide!“

„Wie Sie wĂĽnschen, PARTNER. Darren hat Ihnen nur die halbe Wahrheit ĂĽber Sonny erzählt. Seit Sie mit ihm den Deal machten wegen dem Dämon, suchte er nach einer Möglichkeit, Sie aus dem Geschäft zu werfen. Als wir vor zwei Wochen hier in Sunnydale ankamen, bekam er ein altes Buch ĂĽber magische Tränke angeboten. Dabei war auch einer, der einem Vampir die Macht und Kräfte eines Zauberers geben soll. Raten Sie mal, womit man das bekommen soll.“

„Nun, ich habe mich damit nicht beschäftigt, weil ich diese Kräfte sowieso besitze. Aber ich habe ein paar Mal GerĂĽchte gehört bei jungen Magiern, daĂź sie als Vampire durch das Blut anderer Vampire mächtiger werden wĂĽrden.“

„Wenn ein sowieso mächtiger Vampir einen Blutsverwandten aussaugt - ihn tötet - sollen dessen Kr&aumml;fte seinen eigenen hinzugefĂĽgt werden. Dadurch soll er auch die Kraft der Magie bekommen. So wie ich das verstehe, funktioniert das aber nur, wenn der Blutsverwandte schon Magier war. Deshalb habe ich ihm geholfen - während ich die ganze Zeit nach einem Tremere Ausschau hielt.

In der Nacht vor Ihrer Ankunft, fanden wir endlich einen Blutsverwandten. Toussaint. Da er ein Ventura ist und kein Tremere, sind die Chancen, das es klappt, sehr gering. Also half ich, ihn festzunehmen. Es ging schief, natĂĽrlich. Was ich damit sagen will, ist, daĂź Darren versucht, Sie aus dem Geschäft zu werfen. Er will die Kraft des Dämons nicht teilen.“

„So ein Narr! Als ob er alleine einen Dämon kontrollieren könnte!“

„Ich schlage vor, daĂź wir dem Dämon ein zweites Opfer geben: Darren“, grinste Adelaide.

„Ich liebe diesen Vorschlag!“

„Bedeutet das, wir haben einen Deal?“

„Oh ja, Adelaide, den haben wir. Wie werden Sie es schaffen, Darrens Minions zu ĂĽbernehmen, ohne, daĂź es jemand mitbekommt?“

„Das brauche ich nicht. Ich weiĂź schon, wie ich es viel besser und ungefährlicher machen kann. Aber ĂĽberlassen Sie mir diesen Teil. Je weniger wir wissen von der Arbeit des anderen, desto weniger muĂźten wir darĂĽber sprechen. Und wir möchten doch beide nicht, daĂź mein „heiĂźgeliebter“ Sire Verdacht schöpft, oder?“

„Wann werden wir die nächste Besprechung haben?“

„Ich wĂĽrde bevorzugen, wenn wir gar keine haben. Es ist viel zu riskant, Ethan. Wir beide sind jetzt an einem gefährlichen Doppelspiel beteiligt und wenn Darren oder jemand anderes von seinen loyalen Leuten davon herausfindet, landen unsere Köpfe wirklich als Trophäen an Darrens Wohnzimmerwand...“

„Sie haben vollkommen Recht, meine schöne Partnerin“, lächelte Ethan und strich Adelaide ĂĽber die Wange.

„Was ich aber gebrauchen kann, ist ein Ablenkungsmanöver. Ich werde Vorbereitungen treffen und ein paar Alliierte finden mĂĽssen - dafĂĽr brauche ich etwas Zeit.“

„Ich werde einige unvorhergesehene Aktionen machen, die Darren so ablenken werden, daĂź Sie alle Zeit der Welt haben. Zweifeln Sie nur nicht daran, daĂź ich loyal zu Ihnen bin. Denn damit er nicht miĂźtrauisch wird, mĂĽssen Ihnen diese Sachen auch miĂźfallen. Aber Sie werden schon sehen, was ich machen werde. Wir treffen uns in sieben Tagen.“

„Ich wĂĽnsche Ihnen viel Erfolg. Und vergessen Sie niemals, wer Ihnen seine Loyalität schenken will und wer nicht, Ethan...“


Um zu ihrem Treffen mit Xander in Willys Bar zu gehen, bekamen Sonny und Frank die Erlaubnis, alleine das Hotel zu verlassen. Sie wollten die Union nicht durch die Anwesenheit von Cash, Cameron oder gar Julian verärgern.

Sie waren kaum die Hälfte des kurzen Weges gegangen, als Frank dank seiner neuen Vampirsinne ein schwarzer Lieferwagen auffiel, der ihnen schon seit dem Sunnydale Inn folgte. „Was sollen wir machen?“

„LaĂź uns einfach so tun, als ob wir sie nicht bemerkten. Vielleicht schaffen wir es bis zu Willys Bar. Dort werden ein paar Dutzend Prätorianer sein, die uns helfen können.“

Als der Wagen etwas schneller wurde und an ihnen vorbeifuhr, atmete Frank erleichtert auf. „Doch nur ein MiĂźverständnis“, murmelte er beruhigt.

Sie waren nicht vorbereitet darauf, was als nächstes passierte. Die Tür des Lieferwagens öffnete sich und sechs schwarz gekleidete, maskierte Personen sprangen heraus. Jeweils drei schnappten sich einen der Untoten, schlugen sie K.O. und zogen sie in den Lieferwagen, bevor sie überhaupt verstanden hatten, was mit ihnen geschah.


Vergeblich wartete Xander zur vereinbarten Zeit in Willys Bar. Zuerst dachte er, die beiden Männer hätten das Treffen vergessen oder wären verhindert gewesen. Als sie aber auch nach einer halben Stunde nicht da waren, begann er, sich Sorgen zu machen.

Weil er keine Zeit mehr verschwenden konnte, bat er einen Gardekommandanten, „lassen Sie bitte jemanden noch eine Stunde bleiben, um zu sehen, ob Mister Toussaint und Mister Kohanek noch kommen. Schicken Sie ein paar andere Leute los, um sich umzusehen. Es ist möglich, daĂź sie angefallen wurden. AuĂźerdem möchte ich, daĂź Sie das Sunnydale Inn anrufen und die Rezeption bitten, Sie zu informieren, sobald die Herren zurĂĽckkommen.“

„Ja, Mylord. Soll ich Sie ĂĽber das Ergebnis noch vor Sonnenaufgang informieren?“

„Tun Sie das bitte. Ich sehe Sie später.“


„Nichts?“

„Absolut nichts. Sie sind nicht zurĂĽck ins Hotel gekommen, niemand hat sie gesehen und niemand hat einen Kampf beobachtet. Wir konnten auch keine Kampfspuren finden. Es scheint so, als wären Toussaint und Kohanek vom Erdboden verschluckt worden.“

„Na hoffentlich meinen Sie das nicht wortwörtlich...“, seufzte Xander.

„Der Höllenschlund ist inaktiv, Mylord. Da sind wir uns zur Abwechslung ganz sicher. Es gibt auch keine besonderen Dämonenaktivitäten, soweit ich weiĂź.“

Der Gardekommandant hatte seinen Satz noch nicht ganz zu Ende gesagt, als die TĂĽr zu Xanders BĂĽro aufflog. Der Kommandant des Nachrichtendienstes, Centurio Pete McKee marschierten in den Raum, gefolgt von einer hilflos dreinschauenden Lara. „Es tut mir leid, Mylord, aber ich konnte Centurio McKee einfach nicht aufhalten...“

„Ist schon gut, Lara, die Sonderabteilungskommandanten haben schlieĂźlich die Autorisation XX und das bedeutet immer Zugang zu den Präfekten. Irgendwo mĂĽssen sie ja ihre Befehle herbekommen... Gehen Sie jetzt bitte.“

„Ja, Mylord.“

Ohne groĂźe Umschweife verkĂĽndete Pete, „Ethan Rayne ist in der Stadt!“

„Wie bitte?“

„Ethan Rayne ist in Sunnydale“, wiederholte er ungeduldig. Sein Ton sagte deutlich, daĂź sich doch jeder die Folgen denken könne.

„Seit wann?“

„Niemals mehr als eine Woche. Ich habe die Information vor einer Viertelstunde bekommen und habe mich sofort auf den Weg gemacht.“

„Das war eine sehr kluge Entscheidung. Ăśbernehmen Sie die Koordination der Verteidigung. Aber sprechen Sie sich mit den zwei Kommandogarden in der Stadt ab, die haben eventuell auch Ideen. Wir mĂĽssen bereit sein, wenn er wieder böses im Schilde fĂĽhrt.“

„Bei allem Respekt, Mylord, aber Ethan Rayne ist noch nie irgendwo aufgetaucht, ohne fĂĽr Ă„rger zu sorgen.“

„Da haben Sie Recht, Centurio McKee. Ich möchte bis Sonnenaufgang eine Strategie vorliegen haben. Wir treffen uns dann in meinem BĂĽro und besprechen es.“

„Nur Sie und ich, Mylord?“

„Alle, deren Anwesenheit Sie fĂĽr nötig empfinden. Ethan Rayne bedeutet Ă„rger und Ă„rger ist nicht gut fĂĽr eine so junge Präfektur wie Sunnydale. Besonders nicht, wenn Magie im Spiel ist.“

„Ja, Mylord.“

„Pete?“

„Was ist los, Xander?“

„Ich weiĂź, Du bist beschäftigt, aber kannst Du bitte noch das Verschwinden von zwei Personen ĂĽberprĂĽfen? Vielleicht hat Deine Abteilung etwas darĂĽber. Wenn sie nicht bald auftauchen, muĂź ich dem Prinzen von San Francisco erklären, daĂź sein Childe und ein Mensch unter seinem Schutz stehend einfach verschwunden sind.“

Pete nickte nachdenklich. Es wĂĽrde nicht viel mehr Arbeit sein, weil das in Dans Aufgabenbereich fiel, der nicht so viel mit Ethan zu tun hatte. „Ich werde mich danach umhören, weiĂź ja, worum es in diesem Fall geht.“


Frank wachte auf von schrecklichen Kopfschmerzen, Magenknurren und einem schmerzenden RĂĽcken. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals so schlecht gelegen zu haben. Sogar die Couchs im Sunnydale Inn waren bequemer als das Bett diesmal. War er etwa aus dem Bett gefallen und lag auf dem FuĂźboden? Nein, das konnte nicht sein. Aber nachsehen konnte ja nicht weh tun.

Nur zögerlich öffnete Frank die Augen, weil er immer noch müde war. Das war vorüber, als er realisierte, daß er überhaupt nicht in seinem Schlafzimmer war. Die mittelgroße Halle sah aus, als war er in einem Lagerhaus. Die wenigen Fenster waren mit Holzbrettern zugenagelt, der Boden bestand aus dreckigem Beton und es lagen etwas Müll, Paletten und Kartons herum.

Alarmiert und fieberhaft überlegend, ob er letzte Nacht zuviel getrunken hatte, setzte sich Frank auf. Dabei realisierte er, daß er an Handgelenken und Waden Fesseln hatte, die durch eine Kette mit massiven Ösen im Metall verbunden waren. Als sich der Polizist nach einem Werkzeug umsah, mit dem er die Fesseln lösen konnte, sah er erst Sonny neben sich liegen.

„Sonny! Sonny, wach auf!“ Der Blutsverwandte gab keinen Mucks von sich. „Na toll, jetzt spielt die laufende Leiche neben mir auch noch tot!“, knurrte er. „Warum mĂĽssen diese verdammten Blutsverwandten nur tagsĂĽber so schwer zu wecken sein? Uns Vampiren macht es auch nichts aus!“

Nur widerwillig fand sich Frank damit ab, daĂź er mit Hilfe von Sonny bis zum Sonnenuntergang warten muĂźte und nahm die Suche nach einem Werkzeug oder einer Waffe wieder auf.

Nichts. Es gab absolut nichts in Reichweite seiner Fesseln, das ihm nützte! Frank spürte seinen Dämon die Kontrolle übernehmen und schlug wütend mit der geballten Faust in die Mauer hinter sich. Er verletzte sich damit nur selbst - und eine gebrochene Hand tat selbst einem Vampir ganz schön weh - aber wenigstens hatte er damit etwas zu tun. Eine Ablenkung vom Hunger, der an ihm nagte.


„Okay, sich die Hände, Ellenbogen und FĂĽĂźe aufschlagen, um dann das Blut zu trinken, verliert nach ein paar Stunden seinen Reiz. Dann sehen wir mal, was wir in den Taschen noch haben. Hoffentlich mache ich meine Jacke nicht mit den Fesseln kaputt.“ Er konnte kaum glaube, daĂź er, Frank Kohanek, Selbstgespräche fĂĽhrte. Und wenn das nicht schon genug war, war er an die Kette gelegt in einem alten Lagerhaus und es dĂĽrstete ihm nach Blut...

Neben ihm bewegte sich plötzlich etwas. Erleichtert schĂĽttelte Frank Sonny wach. Obwohl sich der Untote in den letzten Tagen an den „festen“ Schlaf der Blutsverwandten gewöhnt hatte, fehlte es ihm seit seiner Umwandlung eindeutig an Geduld. Der Vampir konnte es gar nicht abwarten, mit seinem Freund zu sprechen und einen Fluchtplan zu erfinden. „Sonny! Sonny, wach endlich auf! Hey, nicht schlafen!“

„Urgh!“ Sonny drehte sich ächzend auf dem Boden und wollte weiterschlafen. Aber sein bester Freund rĂĽttelte erbarmungslos weiter. „Was soll das, Frank? Willst Du mich umbringen?“

„Hör mir zu! Wir sind gefangen und Du muĂźt endlich richtig wach werden! Ich kann das nicht alleine machen! Und wenn Du jetzt noch mal einschläfst, dann werde ich Dich aussaugen, das verspreche ich Dir!“

„Wenn es unbedingt sein muĂź, Frank... Dann erzähl mir eben, was in Deinem Alptraum passiert ist. Aber nicht so laut und beeil Dich, damit ich noch ne Runde schlafen kann. Es ist viel zu frĂĽh zum Aufstehen.“

„Verdammt, Sonny! Ich hatte keinen Alptraum!“

„Was ist dann Dein Problem?“

WĂĽtend knurrte der Vampir, als er die Geduld verlor. Warum konnte er nicht mit jemandem gekidnappt worden sein, der ein FrĂĽhaufsteher war? Er zog kräftig an Sonnys Fesseln. „DAS ist mein Problem, Dummkopf!“

„So ein Mist!“


Nervös lief Olympia die WohnkĂĽche ihrer Wohngemeinschaft auf und ab. Die fĂĽnf anderen Gardisten, mit denen sie die WG teilte, warfen ihr schon finstere Blicke zu. „Verdammt!“, knurrte sie frustriert und knallte ihr Handy in die SpĂĽle.

Eine ihrer Mitbewohnerinnen seufzte und drĂĽckte die Blutsverwandte. „Olympia, willst Du uns nicht sagen, was los ist? Du bist schon den ganzen Tag so.“

„Na gut, Du hast eine Antwort verdient. Ich bin Euch am Quälen, da sollt Ihr wenigstens wissen, warum. Heute Morgen war ich wieder mit Sonny verabredet.“

„Ja?“

„Er ist nicht gekommen. Ich habe direkt versucht, ihn anzurufen. Aber sein Handy war ausgeschaltet. Im Hotel hat auch niemand abgenommen. Nicht mal sein Mitbewohner. Direkt nach meinem Aufwachen heute Nachmittag habe ich weiter versucht. Aber nichts! Ich bekomme ihn absolut nicht ans Telefon!“

„Vielleicht schämt sich Dein Ventura ja, weil er die Verabredung mit Dir vergessen hat und möchte Dir deshalb aus dem Weg gehen.“

„Das erklärt nicht, warum ich auch Frank nicht erreichen kann. Sein Handy ist nämlich auch ausgeschaltet. Ich bekomme nur die Mailbox. Eben habe ich auch gedacht, er wollte mir aus dem Weg gehen. Also hab ich im Hotel angerufen und so getan, als wĂĽrde ich seine Zimmernummer nicht wissen, wollte verbunden werden. Aber die Rezeption hat mir gesagt, daĂź er nicht im Hotel ist. Und das war um drei Uhr am Nachmittag!“

„Und wenn er die Rezeption gebeten hat, Dich anzulĂĽgen?“

„Ich habe ja nicht als sein Date angerufen, sondern als Prätorianerin. Sonst hätte ich es mir erklären können. Es ist schlimm, ich mache mir solche Sorgen um ihn. Vielleicht ist ihm etwas passiert. Er ist Ventura, zu denen paĂźt es einfach nicht, daĂź sie einer Konfrontation aus dem Weg gehen. Oder jedenfalls habe ich durch die Ventura, die ich kenne, den Eindruck bekommen.“

„Was, wenn sein Sire, dieser Prinz, ihm verboten hat, Dich zu sehen? Vielleicht hat er Angst um den Ruf seiner Familie. Oder er hat ihn sogar zurĂĽck nach San Francisco geschickt, damit ihr keinen Kontakt mehr zueinander haben könnt.“

„Nein, das traue ich Luna nicht zu.“

„Und Du kannst Dir ganz sicher sein? WeiĂźt Du, was er fĂĽr ein Typ ist? Ob er vielleicht schon eine „gute Partie“ fĂĽr sein Childe ausgesucht hat und jetzt diese Verkupplung gefährdet sieht? Vielleicht will er auch einfach nicht, daĂź sein Childe mit einer Brujah geht. Ich bin ein Mensch und ich habe keine Ahnung ĂĽber diese Clanfeindschaften, aber ich habe aufgepaĂźt im Unterricht...“

„Hm... das wäre möglich. Ja, das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen. Es erschien mir so, als wĂĽrde er keine Brujah mögen und da muĂź es ihm als Blamage und DemĂĽtigung erscheinen, wenn sein Childe womöglich eine Brujah zur Freundin bekommen könnte. Es wĂĽrde ja sehr schlecht fĂĽr seinen Ruf sein. Die anderen Ventura möchten dann sicher nicht mehr mit ihm spielen“, nickte Olympia nachdenklich.

„Genau das gleiche hab ich mir auch gedacht, Olympia. Und dummerweise kannst Du rein gar nichts dagegen machen. Wenn er so sehr zu seinem Sire hält, daĂź er Dir noch nicht einmal Auf Wiedersehen kommen sagt, dann hast Du keine Chance. Was solltest Du auch mit so einem Freund machen? Auch wenn es Dir schwer fällt, solltest Du froh sein, daĂź Du rausgefunden hast, wie er wirklich ist, bevor Du Dich in ihn richtig verliebst.“

„Danke, es ist sehr lieb, daĂź Du versuchst, mich aufzubauen und mir die positiven Seiten zu zeigen. Aber leider hilft mir das nicht viel. Wenn Julian Luna das wirklich gemacht hat - wovon ich ausgehe - dann muĂź er dafĂĽr bezahlen! Er kann sich nicht einfach in mein Liebesleben einmischen. Noch nicht einmal Angelus und Caitlin erlaube ich das. Niemand darf das. Es ist nur eine Sache zwischen Sonny und mir. Und ich werde dafĂĽr sorgen, daĂź er das versteht!“

„Bitte, Olympia, mach nichts, was Du bereuen wirst. Und Du kannst das nicht ernst meinen. Er wird Bodyguards haben und die töten Dich bestimmt, wenn Du ihn angreifst.“

„Ich weiĂź nur von einem Bodyguard, der ihn nie aus den Augen läßt. Aber das spielt auch keine Rolle, weil ich nicht vorhabe, ihn körperlich anzugreifen. Ich bin nur ein Baby, ich habe eh keine Chance. Ich möchte ihn zur Rede stellen. Einfach wissen, weshalb er das getan hat. Und dann gehe ich wieder. Ich verspreche es Dir.“

„Tut mir leid, aber ich kann Dir das nicht glauben. Wenn er Dich beleidigt, dann wirst Du ausrasten. Und ich habe keine Lust, Dich zu verlieren. Wenn Du mich nicht dabeihaben willst, dann nehme wenigstens Caitlin mit.“

„Das kann ich nicht. Sie weiĂź nichts von mir und Sonny.“

„Hast Du Willow davon erzählt?“

„Ja, aber ich will nicht, daĂź sie in diese Sache reintuscht. Wenn es wirklich zu einem Kampf kommt, dann will ich sie so weit weg wie möglich haben. Zudem wĂĽrde es mir nichts nĂĽtzen, Julian Luna zu töten. Dann wĂĽrde Sonny womöglich Prinz werden und er wĂĽrde nichts mehr mit mir zu tun haben wollen - und das weiĂź ich ganz genau.“

„Und trotzdem wirst Du ausrasten, wenn er zu weit geht. Kann Dich nicht irgend jemand begleiten? Bitte, Olympia.“

„Es tut mir leid, aber das ist ganz allein meine Angelegenheit. Ich werde niemanden da mit hineinholen, weil ich mich kenne. Wenn ich wirklich so ausraste, daĂź ich es zu einem Kampf kommen lasse, dann sollte mir lieber niemand in den Weg kommen. Du weiĂźt, daĂź ich keinen Unterschied mehr zwischen Freund und Feind kenne, sobald ich die Kontrolle verliere.“

„Und gerade deshalb solltest Du nicht alleine dahingehen! Was, wenn es gar nicht sein Sire war? Vielleicht hat jemand anderes Sonny verboten, Dich zu sehen. Auch wenn ich es mir absolut nicht vorstellen kann, dĂĽrfen wir das nicht völlig ausschlieĂźen. Und dann wĂĽrdest Du trotzdem die Blutsverwandten angreifen. Kannst Du nicht wenigstens eine Begleitperson akzeptieren, die drauĂźen wartet? Ich wĂĽrde hören, wenn die Situation eskaliert und dann rufe ich die Sicherheit. Ich komme gar nicht rein.“

Widerwillig gab sich Olympia geschlagen. Wo ihre Mitbewohnerin Recht hatte, hatte sie Recht... „Ich habe keine Chance gegen Deinen Starrkopf, hm, Tina?“

„Absolut keine Chance, Du bist aussichtslos unterlegen!“, lachte die Sterbliche.


Die Clan-Chefs, Julian Luna und Sasha saĂźen bei einer eilig einberufenen Krisensitzung im Arbeitszimmer der Prinzen-Suite. „Werden wir Suchtrupps losschicken?“

„Nein, Cameron, dafĂĽr ist es noch zu frĂĽh.“

„Du weiĂźt, was McKee ĂĽber die Gefahren fĂĽr junge Vampire gesagt hat. Die meisten werden auch fĂĽr Blutsverwandte gelten. AuĂźerdem wird es einen Grund geben, weshalb die Hotelleitung heute Morgen alle Gäste informierte, möglichst nicht mehr alleine rauszugehen.“

„Ja, das weiĂź ich. Aber wir sind nicht genug Leute fĂĽr Suchtrupps. Und ich möchte die anderen noch nicht beunruhigen. Vielleicht ist es gar nichts.“

„DafĂĽr sind sie aber schon ziemlich lange weg“, meinte Sasha.

Innerlich mußte Julian über die zwei Brujah lachen. Irgendwie hatten sie sich angefreundet mit Frank - obwohl Cameron vor ein paar Tagen Frank noch als ein Häufchen Staub sehen wollte - und jetzt machten sie ihm aus Sorge das Leben zur Hölle. Gab es irgendeine Möglichkeit, daß er mal einer Meinung mit den beiden war? Natürlich ließ er sich nichts davon anmerken. Er hatte keine Lust, gelyncht zu werden...

„Ich weiĂź. Aber hast Du einen besseren Vorschlag, als zu warten?“

„Wir könnten zum Beispiel die Union fragen.“

„Noch mal?“

„Immerhin ist es eine halbe Stunde her seit unserer letzten Anfrage.“

Als es an der TĂĽr klopfte, nutzte der Prinz die Gelegenheit, fĂĽr ein paar Sekunden weg zu kommen. Vielleicht muĂźte er ja bis dann nicht mehr seine Lippen beiĂźen, um ein Schmunzeln zu unterdrĂĽcken. „Ich gehe.“

„Aber...“

Der Ventura war schon an der TĂĽr, bevor Cash sich beschweren konnte, daĂź es zu gefährlich fĂĽr ihn war. „Guten Abend.“

Vor Wut kochend, schlĂĽpfte Olympia durch den TĂĽrspalt und funkelte Sonnys Sire böse an. „Was haben Sie mit Sonny gemacht?!“, knurrte sie.

Julian starrte Olympia MacKenzie nur sprachlos an.

Fortsetzung folgt...

This story was published in 2001 at http://www.geocities.com/artemis10002000/probleme1.html.

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